EHV Aue kann WILD BOYS nicht bremsen

Mit dem Aufstieg hatte der EHV Aue zwar vor der Partie in Stuttgart nichts mehr zu tun. Vorsicht war dennoch geboten: Immerhin hatte das Führungstrio Friesenheim, Erlangen und Bietigheim bei seinen Auftritten in Aue nichts zu bestellen. Gestern indes offenbarte sich wieder einmal die Kluft, die zwischen den Leistungen des EHV in eigener Halle und auf fremdem Terrain herrscht: Der TVB war dem Gegner von der ersten Minute an haushoch und in allen Belangen überlegen.

Mit dem 4:0-Blitzstart nach vier Minuten zeigten die Bittenfelder gleich, wer in der SCHARRena das Kommando hat. Beim 5:1 sah sich der Gästetrainer Runar Sigtryggsson bereits zur Auszeit gezwungen. Der Rückraum um den Bruder des Trainers, dem Ex-Bittenfelder Arni Sigtryggsson, kam überhaupt nicht in die Gänge. Die aufmerksame Bittenfelder Defensive unterband die Ballpassagen des EHV rigoros, die Gäste kamen kaum in eine ordentliche Wurfposition.

Auf der anderen Seite sah das ganz anders aus: Vor allem der gute Lars Friedrich und Dominik Weiß nützten die Lücken in der Deckung. Dass Aue nach dem 3:7-Rückstand (10.) auf 8:9 herankam, lag an der einen oder anderen Konzentrationsschwäche der Bittenfelder. Als diese das Tempo wieder anzogen, waren die Gäste bisweilen heillos überfordert. Binnen sieben Minuten zog der TVB auf 14:9 davon und ging mit dem komfortablen 18:12-Vorsprung in die Pause.

Nach der Pause dauerte es wieder nur fünf Minuten, bis der EHV-Trainer seine Spieler zum Gespräch bat: Die waren mit ihren Angriffen immer wieder am guten TVB-Keeper Jürgen Müller gescheitert oder leisteten sich leichte technische Fehler. Die Bittenfelder fackelten nicht lange und hatten das Polster beim 24:13 auf elf Tore vergrößert. Die Sachsen waren auf dem besten Weg, in ein Debakel zu schlittern. Danach sah’s auch vier Minuten später beim 26:15 (39.) noch aus.

Der deutliche Vorsprung gab dem Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt die Gelegenheit, munter durchzuwechseln. Unter anderem durfte der Winter-Neuzugang Dragan Jerkovic zum ersten Mal in einem Heimspiel ran – und der Routinier machte seine Sache sehr gut: In den 19 Minuten, in denen er zwischen den Pfosten stand, hielt er acht – teilweise freie – Würfe und einen Siebenmeter.

Trotzdem: Der Spielfluss und die Präzision litten merklich unter der Wechslerei. Die Abwehr packte nicht mehr so entschlossen zu und ließ vor allem David Hansen und Eric Meinhardt viel zu viel Platz. Und vorne waren die Abschlüsse zu unpräzise und halbherzig. Binnen sieben Minuten verkürzte Aue, das sich trotz des aussichtslosen Rückstands nie aufgab, auf 20:27. Nach ein paar tollen Jerkovic-Paraden traf Michael Seiz zum 31:24. Achteinhalb Minuten vor dem Ende war die Partie längst entschieden. Es ging einzig und allein um die Höhe des Erfolgs.

Und wer nach dem 33:28-Erfolg ein Haar in der Suppe finden will, der kann dem TVB den Vorwurf machen, einen deutlicheren Sieg leichtfertig verschenkt zu haben. Wer weiß, ob am Ende nicht womöglich das Torverhältnis eine gewichtige Rolle spielen wird. Aktuell dürften die Bittenfelder darüber nicht nachdenken und froh sein, ihre Chancen im Kampf um die vorderen Plätze gewahrt zu haben. Weil nicht alle Teams gleich viele Spiele absolviert haben, ist die Tabelle nicht ganz so aussagekräftig. So hat der TVB als neuer Tabellensechster vier Minus- und zwei Pluspunkte Rückstand auf den Tabellendritten SG BBM Bietigheim.

TV Bittenfeld 1898:
Müller, Jerkovic; Schimmelbauer (3), Schöbinger (2), Kienzle (1), Weiß (6), Schweikardt (5/3), Friedrich (8), M’Bengue (1), Jungwirth (1), Baumgarten, Seiz (2), Szczesny (4), Heib.

EHV Aue:
Musil, Petursson; Schäfer (1), Meinhardt (5), Roch (7), Hansen (5), Mägi (2), Sigtryggsson (2), Faith (3/1), Gunnarsson, Kempe (2), Duschek, Runarsson, Paraschiv (1).