„Da wird einiges auf uns zukommen“

Mit dem Gefühl ist das immer so eine Sache, ist es doch oft trügerisch. In der Partie gegen Nordhorn indes durfte sich der Bittenfelder Trainer auf sein Gespür verlassen. „Die Mannschaft war sehr fokussiert und heiß auf dieses Spiel“, sagt Jürgen Schweikardt. Sie sei von der ersten Minute an viel präsenter aufgetreten als bei der 22:28-Niederlage in Großwallstadt. Natürlich müsse auch der Gegner entsprechend mitspielen, damit das eigene Team die Vorstellungen des Trainers zu nahezu hundert Prozent umsetzt. So, wie’s im ersten Spielabschnitt der Fall war.

Die Voraussetzungen der HSG Nordhorn-Lingen waren nur auf den ersten Blick gut. Der 24:23-Erfolg gegen Erlangen drei Tage zuvor hatte offensichtlich auch seine negativen Seiten. „Ich denke, körperlich und emotional war’s schwer für Nordhorn, so eine Leistung noch einmal abzurufen“, sagt Schweikardt. Zumal dem Gegner die lange Busfahrt noch in den Knochen steckte. Zu allem Unglück stand die Mannschaft noch im Stau, erreichte Stuttgart erst eine Stunde vor Spielbeginn. „Wir hatten gehofft, dass Nordhorn nicht ganz so da sein würde“, sagt Schweikardt.

Den Grundstein zum Erfolg habe sein Team zweifelsohne in der Defensive gelegt. Ein Sonderlob gibt’s vom Trainer für Florian Schöbinger, der die Abwehr sehr gut organisiert habe. Sehr stark habe auf der linken Abwehr-Halbposition Tobias Schimmelbauer gespielt, der Nicky Verjans zur Verzweiflung brachte. Der holländische Nationalspieler, gegen Erlangen mit sieben Toren bester Torschütze der HSG, machte keinen Stich. „Ich denke, es war unsere beste Abwehrleistung in einer Hälfte in dieser Saison“, sagt Schweikardt. Sein Team habe Nordhorn nie zur Entfaltung kommen lassen, die HSG habe den Schalter nicht mehr umlegen können. Das sah auch Dominik Weiß so. „Die Basis war zweifellos die Beinarbeit, wir haben uns gut bewegt, wir sind extrem viel gelaufen.“

Zufrieden war Jürgen Schweikardt 43 Minuten lang auch mit seinem Angriff, der mit hohem Tempo und dynamisch agiert habe. Dass der TVB in der Schlussphase sein Niveau nicht mehr hielt und 14 Minuten lang das Tor nicht mehr traf, „gefällt uns natürlich nicht, wir hätten noch ein bisschen etwas fürs Torverhältnis machen können“. Andererseits sei’s auch ein Stück weit erklärbar, weil es diejenigen Spieler, die eingewechselt wurden, schwer gehabt hätten, ins Spiel zu kommen.

Unterm Strich indes war der Coach „nach dem schlechtesten Rückrundenspiel gegen Großwallstadt“ sehr zufrieden mit dem Auftritt gegen Nordhorn, das in diesem Jahr sein erste Niederlage einstecken musste. Der TVB habe gezeigt, dass er alle Top-Teams der Liga schlagen könne und zu Recht zum Kreis der Aufstiegskandidaten zähle. „Wir haben mittlerweile Spaß daran gefunden, da oben mitspielen.“

Sollten sich die Bittenfelder auch am Freitag in Leipzig durchsetzen, wären sie noch aussichtsreicher im Geschäft. „Da wird allerdings einiges auf uns zukommen“, sagte Lars Friedrich, der schon am Mittwochabend an den kommenden Gegner dachte.