Beton-Abwehr und individuelle Klasse des TVB

Sehr deutlich hatten die Bittenfelder zuletzt ihre Gegner auf Distanz gehalten. Wie’s ausgehen kann, wenn der TVB einen guten Lauf hat und der Gegner schwächelt, hatte unter anderem der TV Neuhausen bei der 21:32-Schlappe im Hinspiel erfahren müssen. 1697 Zuschauer sorgten nun im Rückspiel in der schweinchenrosa gefärbten Tübinger Paul-Horn-Arena nicht für einen Saisonrekord, sondern auch für eine prächtige Atmosphäre. Dass die Bittenfelder am Ende knapp die Nase vorne hatten, lag möglicherweise auch am lautstarken TVB-Block.

„In solch engen Spielen braucht man einfach die Fans“, sagt der Bittenfelder Trainer Jürgen Schweikardt – allerdings logischerweise auch eine anständige Leistung. Während der Coach mit der Defensive um die starken Dennis Szczesny und Florian Schöbinger wieder einmal sehr zufrieden war, klemmte es in der Offensive über weite Strecken. „Vor allem in den ersten 30 Minuten haben wir uns im gebundenen Angriff sehr schwergetan gegen die gute Neuhausener Deckung.“

Zudem stimmte die Chancenverwertung nicht. Alleine „sieben komplett freie“ Chancen zählten die Bittenfelder Statistiker in den ersten 30 Minuten. „Wir mussten froh sein, dass wir bis zur Pause drangeblieben sind“, sagt Schweikardt. Großen Anteil daran hatte der Spielmacher Alexander Heib, der wie schon im Hinspiel einer der auffälligsten Akteure war. „Alex hat super gespielt“, sagt sein Trainer.

Heib teilte sich den Regie-Posten mit Michael Schweikardt, der in der Schlussphase seine besten Szenen hatte und im emotionalen Derby die entscheidenden Nadelstiche setzte. Ein Sonderlob gab’s auch für die beiden Torhüter Daniel Sdunek und Jürgen Müller, die in den letzten zehn Minuten glänzten.

Kurz davor hatten die Bittenfelder beim 18:20-Rückstand eine kritische Phase zu überstehen. „Da hätte das Spiel durchaus kippen können“, sagt Schweikardt. „Zum Glück haben wir mit zwei schnellen Toren den Ausgleich gemacht und die Ruhe bewahrt.“ Unterm Strich stand für den Trainer die Erkenntnis, „dass wir ein Spiel gewonnen haben, in dem wir nicht immer ganz so gut waren“.

Ein besonderes Match war das Derby auch für die beiden Schiedsrichter: Weil die Zwillingsbrüder Andreas und Marcus Pritschow kurzfristig ausfielen, sprangen Simon Reich und Hans-Peter Brodbeck in die Bresche. Die beiden pfeifen für den Neuhausener Nachbar-Club TuS Metzingen und trugen selbst schon das Trikot des TV Neuhausen. „In ihrer Haut wollte ich nicht stecken“, sagt Schweikardt. „Für die beiden war’s eine extrem schwierige Ausgangsposition, ich hatte da aber keine Bedenken.“ Hernach gab’s für die Unparteiischen ein Lob von beiden Seiten.

Am Freitag bereits steht der TVB vor dem nächsten Top-Spiel: Um 20 Uhr kommt der neue Tabellenführer in die Scharrena. Die Friesenheimer Eulen stürzten den HC Erlangen mit einem formidablen 26:17-Sieg vom Thron. „Da müssen wir wieder voll da sein“, sagt Schweikardt.