Es fehlt die mentale Robustheit

Einen Vorteil hatte das Spiel in Leutershausen am Mittwoch: Für die Rückreise musste sich der TVB nicht die halbe Nacht um die Ohren schlagen. In Kleinbussen ging’s zurück nach Bittenfeld, bereits um Mitternacht war das Team zurück. Mit der 23:27-Niederlage beim Vorletzten im Rucksack, der bei der Pressekonferenz am nächsten Tag noch mächtig aufs Kreuz drückte.

„Nach so einem Spiel schläft man natürlich sehr schlecht“, sagt der Rückraumspieler Dominik Weiß. Bei der SG Leutershausen, die bis dahin lediglich drei von 14 Spielen gewonnen hatte, wollten die Bittenfelder ihre Negativserie beenden. Und 30 Minuten lang sah’s vor den 700 Zuschauern in der Heinrich-Beck-Halle gar nicht mal so schlecht aus für den TVB, der mit der 11:9-Führung in die Pause ging.

„Das war ganz ordentlich“, sagt Jürgen Schweikardt. „Was jedoch in der zweiten Halbzeit lief, war sehr bitter und sehr schlecht.“ Wobei der Trainer auch den Versäumnissen im ersten Spielabschnitt nachtrauerte, als seine Spieler zum wiederholten Mal in dieser Saison eine Unmenge freie Chancen und damit eine deutlichere Führung vergaben. „Vielleicht hätten wir dann ein bisschen mehr Ruhe in unser Spiel gekriegt“, sagt Schweikardt.

So gerieten die Bittenfelder während einer viertelstündigen Schwächephase nach der Pause ins Hintertreffen und kamen nicht mehr richtig in die Spur. Sehr zur Enttäuschung ihres Trainers, der „kein Aufbäumen“ gesehen hat. „Wir haben es einfach über uns ergehen lassen.“ Einzig Dennis Szczesny habe versucht, das Heft in die Hand zu nehmen. Auch wenn ihm dabei nicht alles geglückt sei. „Ansonsten hat jeder nach rechts oder links oder auf die Bank geschaut“, sagt Schweikardt. Herausheben könne er lediglich Michael Seiz, der verlässlich gespielt habe. Im gesamten Spielverlauf sei zu erkennen gewesen, „dass uns in den vergangenen Wochen der Glaube verloren gegangen ist“. Es fehle die „mentale Robustheit“, in schwierigen Situationen entgegenzusteuern. Wobei sich die Frage stellt, wer für diese Versäumnisse verantwortlich ist. Kommt womöglich der Coach nicht mehr durch zu seinen Spielern? „Es ist klar, dass bei solchen Ergebnissen auch der Trainer in die Kritik gerät“, sagt Schweikardt.

Für Dominik Weiß stellt sich die Trainerfrage nicht. Er könne zwar nur für sich sprechen, er sei aber überzeugt davon, dass auch die Mannschaft „absolut zufrieden“ sei mit der Arbeit des Trainers. „Wir werden akribisch auf den Gegner vorbereitet, sind nie überrascht und haben stets Lösungen parat“, sagt der Rückraumspieler. Zumindest theoretisch. Alleine die Spieler seien dafür verantwortlich, ob auf dem Spielfeld davon etwas zu sehen ist. „Es klafft eine viel zu große Lücke zwischen dem, was wir können, und dem, was wir zeigen. Es ist Kopfsache, und das macht die Sache so schwierig“, sagt Weiß. Das hört sich nicht danach an, als ob sich die Situation in den nächsten Wochen zum Besseren wenden könnte. Es sei denn, die Bittenfelder finden den Schalter, der die Leichtigkeit zurückbringt. „Wir denken zu viel nach, es fehlt uns der Killerinstinkt“, sagt Weiß. Sein Trainer erwartet am Sonntag gegen den HC Erlangen (siehe Vorbericht links), „dass sich jeder voll reinhängt – egal, wie das Spiel ausgeht, das Schlimmste wäre, jetzt zu resignieren“.

Eine weitere Niederlage indes, das weiß auch der Trainer, nage unvermindert am Selbstvertrauen. „Vielleicht gelingt uns mal ein dreckiger Sieg“, sagt Schweikardt. Er setzt dabei auf die Bittenfelder Fans. „Es wäre schön, wenn wir die Rückendeckung spüren würden. Die Spieler brauchen das.“