Ein Schritt vor, ein Schritt zurück

Natürlich hatte der Leipziger Trainer Christian Prokop am Dienstagabend glänzende Laune nach dem 24:21-Sieg in der Scharrena. Er gratulierte seiner Mannschaft, lobte die heimischen Fans und bedankte sich artig bei den Bittenfelder Gastgebern. „Vielen Dank an Bittenfeld, wir hatten vier tolle Tage hier“, sagt er. „Schön, dass wir sie mit einem Sieg gekrönt haben.“

Eine Niederlage wäre auch nicht verdient gewesen, wenngleich Leipzig durch die Umstellung der TVB-Abwehr auf die 4:2-Formation nach der Pause gehörig ins Schwimmen kam, nach einer Sechs-Tore-Führung sechs Minuten vor dem Ende den 19:19-Ausgleich kassierte und um den Erfolg bangen mussten.

So kehrten die Sachsen mit der ausgeglichenen Bilanz von 2:2 Punkten von ihrem Kurztrainingslager im Schwäbischen nach Hause zurück. Nach der 24:26-Niederlage in Bietigheim am Samstag nahmen die Leipziger den TVB bei dessen 30:26-Sieg in der Scharrena am Sonntag gegen Bad Schwartau vor Ort unter die Lupe und blieben bis Dienstag im Ländle. War dies womöglich der Schlüssel zum Erfolg? Christian Prokop jedenfalls fand diese Art der Spielvorbereitung „sehr aufschlussreich, das ist noch mal etwas anderes, wenn man die Gegenspieler live auf der Platte sieht“.

Ganz so einfach wie in den ersten 30 Minuten hatte es sich der Leipziger Coach sicher nicht vorgestellt. Die Abwehr inklusive Torwart seien der entscheidende Faktor für den Erfolg, hatte Prokop vor dem Spiel prognostiziert. Außerdem müsse es seine Mannschaft schaffen, die Kreise des gefährlichen Lars Friedrich einzuengen und gleichzeitig den Kreisläufer Simon Baumgarten in Schach zu halten.

Zumindest in den ersten 30 Minuten sind diese Pläne nahezu hundertprozentig aufgegangen. Das größte Plus lag auf der Torhüterposition: Gabor Pulay raubte den Bittenfelder Werfern den letzten Nerv – wobei diese sich größtenteils auch nicht allzu geschickt anstellten. Insgesamt 28 Fehlwürfe plus halb so viele technische Fehler leisteten sich die Bittenfelder über die 60 Minuten hinweg.

Für den einen oder andere Zuschauer war dies zu viel des Guten: Es gab Pfiffe von der Tribüne. „Die erste Halbzeit war ja auch zum Pfeifen“, sagt der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Dabei habe er das Gefühl gehabt, dass seine Spieler die Aufgabe ehrgeizig angingen. „Dieses Gefühl war nach zehn Minuten schon weg.“ Den Vorwurf, manchem Spieler fehle es an der notwendigen Körpersprache, kann Schweikardt nicht ausräumen. „Die war sicherlich schlecht.“

Zweifellos habe Leipzig eine gute Abwehr gestellt, allerdings keine überragende. „Das ist normales Niveau in der 2. Liga. Unsere Angriffsleistung war einfach schwach, der komplette Rückraum ein Totalausfall.“ Ärgerlich findet’s der Coach, dass das Team zum zweiten Mal nach der Pleite gegen Rimpar die große Chance verpasst hat, sich vorne festzusetzen. Eine richtige Lösung hat Schweikardt nicht parat. „Vielleicht sollte sich jeder Spieler mal Gedanken über seine persönliche Bilanz machen, die guten und schlechten Aktionen in einem Spiel gegenüberstellen.“

Möglicherweise müsse man sich aber auch von der Vorstellung verabschieden, der TVB habe einen überlegenen Kader mit erstligaerfahrenen Spielern, wie’s im Umfeld oft propagiert werde. „Das ist mittlerweile normal“, sagt Schweikardt. „Wir müssen jetzt schauen, dass wir ein gewisses Niveau halten.“

Stimmen zum Spiel

Florian Schöbinger, Spieler des TVB: „Die Leipziger waren uns kämpferisch überlegen, sie haben uns bearbeitet, wir haben uns nicht entsprechend gewehrt. In der zweiten Halbzeit haben wir’s besser gemacht, es hat aber einfach nicht mehr gereicht.“

Daniel Sdunek, Torhüter des TVB: „In der ersten Halbzeit haben wir im Angriff keine Lösungen gefunden gegen die starke Leipziger Deckung und haben uns auch in der Abwehr verunsichern lassen. Zum Schluss sind uns zwei, drei individuelle Fehler unterlaufen.“