Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Lediglich vier Punkte ist der TVB vom vierten Rang entfernt, aber auch nur zwei vom zwölften. Den dritten Aufstiegsplatz sehen die Bittenfelder bei elf Punkten Rückstand höchstens mit dem Fernglas, nach hinten bestand bei 16 Zählern Polster keine Gefahr. Rang sieben lässt also eine Menge Interpretationsspielraum.

Der TVB startete etwas angespannt in die Saison. Die Mannschaft hatte ein anderes Gesicht bekommen, fünf neue Spieler wurden verpflichtet. Zudem stand der Umzug von der Bittenfelder Gemeindehalle nach Stuttgart bevor – und erwies sich als Glücksgriff: Mit 2064 Fans im Schnitt ist der TVB der Krösus der Liga. „Wir hatten ein bisschen Angst davor“, sagt Jürgen Schweikardt. „Wir freuen uns jetzt riesig, dass die Scharrena so gut angenommen worden ist.“ Auch sportlich ließ sich die Saison gut an. Mit 8:2 Punkten setzte sich der TVB gleich an der Tabellenspitze fest und hielt sich zunächst im vorderen Tabellendrittel. Mit dem fulminanten 41:25-Sieg im letzten Hinrundenspiel in der Porsche-Arena gegen Leipzig setzten sich die Bittenfelder auf den dritten Platz, der am Ende den Aufstieg bedeutet hätte.

Klar, dass der TVB zur Winterpause von der 1. Liga träumte. Mit 2:12 Punkten in Folge verabschiedete sich der TVB überraschend schnell aus dem Aufstiegsrennen. Nach dem 27:34 in Nordhorn trat der Trainer Günter Schweikardt zurück, übergab an das Duo Jürgen Schweikardt/Heiko Burmeister. Die beiden brachten die Saison mit 12:10 Punkten ordentlich zu Ende. Dabei zeigte der TVB unter anderem beim 31:27-Sieg gegen den Erstliga-Aufsteiger TV Emsdetten und beim 27:25 in Bad Schwartau, wozu er fähig ist. Unterm Strich waren die Leistungen jedoch viel zu wechselhaft, um ganz vorne einzugreifen.

Knackpunkte für die Abwärtsspirale, in die der TVB geriet, waren für Jürgen Schweikardt die 27:33-Heimniederlage gegen den starken Tabellendritten Eisenach und das anschließende, unnötige 28:30 in Hüttenberg. „Von da an waren wir verunsichert, es fehlte uns das Selbstvertrauen“, sagt er. „Trotzdem haben wir gezeigt, dass wir an guten Tagen alle Mannschaften schlagen können."

Offensichtlich sei aber auch gewesen, dass der Kader des TVB in der Breite nicht höchsten Ansprüchen genügte. „Die drei Aufsteiger haben jede Position doppelt und gleich gut besetzt, da können wir nicht mithalten.“ Der TVB sei vor der Saison mit der Kaderzusammenstellung bewusst einen anderen Weg gegangen und habe in die Spitze investiert.

Lars Friedrich gefährlichster Werfer

Von den Neuen überzeugten vor allem Lars Friedrich, mit 211 Treffern Vierter der Torschützenliste, und Michael Schweikardt. Der Spielmacher wuchs nach anfänglichen Problemen mehr und mehr in seine Rolle hinein. Die Leistungen des Torhüters Jürgen Müller und von Rechtsaußen Peter Jungwirth waren nicht ganz so stabil. Immer besser zurecht dagegen kommt der Youngster Dennis Szczesny.

Für Günter Schweikardt, den Sportlichen Leiter und zwei Drittel der Saison auch Trainer des TVB, ist die Saison angesichts des dritten Platzes zur Saisonhalbzeit „absolut nicht zufriedenstellend“ verlaufen. Die mangelnde Konstanz sei auffallend gewesen. „Wir haben sehr gute Leistungen zu oft nicht wiederholen können.“ Besonders in der Abwehrarbeit und im Überzahlspiel sieht er noch deutliches Steigerungspotenzial. „Trotzdem bin ich der Meinung, dass wir in unserer Entwicklung einen weiteren Schritt nach vorne gemacht haben.“ Schließlich habe der TVB in der Hinrunde kein Heimspiel verloren und einige tolle Spiele gezeigt. „Auch in der Rückrunde spielten wir teilweise technisch hochklassigen Handball.“

Nachdem die Saison für den TVB früh gelaufen war, hatten die Verantwortlichen Zeit, sich in aller Ruhe nach einem Trainer für die neue Saison umzusehen. Sieben Wochen lang wurden die Kandidaten eingehend geprüft, am Sonntag nun entschieden sich der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung für die interne Lösung: Jürgen Schweikardt wird den Posten des Chef-Trainers übernehmen und überdies Geschäftsführer bleiben.

„Wir hatten uns durchaus Alternativen überlegt, und sicher hätte ein externer Trainer für frischen Wind sorgen können“, sagt Günter Schweikardt. „Wir sind jedoch der Überzeugung, dass dies der richtige Weg und die erfolgsversprechendste Lösung ist.“

Von einer Billigvariante oder der Festigung der Schweikardtschen Machtverhältnisse im Verein will Günter Schweikardt nichts wissen. „Natürlich bringt die Doppelfunktion nicht nur Vorteile“, sagt er. Schweikardt ist allerdings überzeugt davon, dass sein Sohn, der bis vor kurzem selbst noch auf dem Spielfeld gestanden hat und engen Kontakt zu den Spielern hat, der Aufgabe gewachsen sein wird und genügend Autorität mitbringt. „Autorität ist nicht eine Frage der Freundschaft, sondern des Könnens und des Auftretens und ob einer in den entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung trifft.“

Letztlich ausschlaggebend sei die fachliche Qualität – „und da ist es egal, ob einer Maier, Müller oder Schulze heißt“. Oder eben Schweikardt. Zudem sei’s kein Geheimnis, dass sich der TVB um Kontinuität bemühe. „Wir haben immer schon versucht, Spieler und Trainer aus dem Verein einzubinden.“

Deshalb freut sich Günter Schweikardt auch, dass Alexander Heib nach seinem Engagement beim VfL Waiblingen und Erstligisten TV Neuhausen zu seinen Wurzeln zurückkehren und in der nächsten Saison wieder das Bittenfelder Trikot tragen wird. „Er hat große Fähigkeiten und wird uns sicherlich weiterbringen“, sagt Günter Schweikardt. Auch der Spieler ist glücklich. „Ich hatte in Neuhausen eine super Zeit und bereue den Schritt nicht“, sagt Alexander Heib. „Allerdings habe ich auch gemerkt, dass mir etwas fehlt ohne den TVB.“

Unterstützung für Jürgen Schweikardt

Am 15. Juli startet der TVB in die siebenwöchige Vorbereitung auf seine achte Saison in der 2. Liga. Mit Jürgen Schweikardt als hauptverantwortlichem Trainer. „Ich habe mir lange überlegt, ob das für mich eine Option ist“, sagt er. Die Arbeit mit der Mannschaft habe in den vergangenen Wochen gut funktioniert, zudem habe er die Rückendeckung und das Vertrauen der Spieler gespürt. „Deshalb hab’ ich gesagt: ich mach’s.“ Im übrigen sei die Doppelfunktion Geschäftsführer/Trainer im Handball so ungewöhnlich nicht.

Jürgen Schweikardt ist zuversichtlich, dass er beide Aufgaben unter einen Hut bringen wird. Vor einem Jahr sei er noch sehr mit konzeptionellen Arbeiten wie der Vermarktung der Halle beschäftigt gewesen. Das Gröbste sei nun erledigt – und er geht nicht davon aus, dass der Aufwand exorbitant steigen werde. „Außerdem kann ich mich glücklich schätzen, ein Management-Team und Ehrenamtliche um mich zu haben, die mir viel Arbeit abnehmen.“

Liga kompakt

Aus der 1. Liga absteigen müssen der TV Großwallstadt – nach 44 Jahren – sowie der TV Neuhausen/Erms und TUSEM Essen. Die TVG bangt allerdings um die Zweitliga-Lizenz. Der Zweitliga-Drittletzte SV Henstedt-Ulzburg darf also noch auf den Ligaverbleib hoffen. Aus den 3. Ligen steigen die HSG Tarp-Wanderup, der TV Altenholz und die DJK Rimpar Wölfe auf.