Die Achterbahnfahrt des TVB geht weiter

Der Sieg des TVB in Friesenheim und die guten Kritiken hernach lockten am Freitag 1850 Zuschauer in die Scharrena. Eine Woche vor dem ausverkauften Derby gegen Bietigheim bedeutete dies den Rekordbesuch in dieser Saison. Offensichtlich wollten die Fans unbedingt dabei sein, wenn ihr TVB den Eisenachern den dritten Platz wieder entreißt. Daraus indes wurde nichts. Entsprechend groß war die Enttäuschung auf den Rängen, bei den Trainern und Spielern nach der 27:33-Niederlage.

„Wir hatten gehofft, einen Big Point zu holen“, sagte der Bittenfelder Rechtsaußen Peter Jungwirth unmittelbar nach dem Spiel. Ob er dennoch etwas Positives aus dem Spiel ziehen könne, wurde er gefragt. Außer dem Aufbäumen nach der Pause. „Spontan fällt mir nur das ein“, sagte Jungwirth. „Wenn man das Spiel noch mal in der Videoanalyse anschaut, würde man sicher das eine oder andere Positive finden. Jetzt überwiegt aber erst mal die Enttäuschung und Niedergeschlagenheit.“

Zwei bis drei Ausfälle sind nicht zu verkraften

Nicht gerade begeistert war logischerweise auch der Bittenfelder Trainer. „Eisenach war der erwartet starke Gegner“, sagt Günter Schweikardt. „Trotzdem ist diese Niederlage ärgerlich und schade. Für einen Sieg hätten wir eine bessere Leistung benötigt.“ Warum aber waren die Bittenfelder nicht in der Lage, diese im so wichtigen Spiel gegen einen direkten Konkurrenten abzurufen? Zumal der nach der jüngsten Heimniederlage gegen Rostock ebenso unter Zugzwang war.

Einen deutlichen Aufwärtstrend hatte Schweikardt bei seiner Mannschaft in Friesenheim gesehen. Das Spiel am Freitag zeigte nun, dass die Eisenacher offensichtlich eine andere Qualität haben als die Eulen. Gegen den Tabellendritten fehlte dem TVB die Qualität, mannschaftlich wie auch individuell. Zwei bis drei Ausfälle in Angriff und Abwehr könne seine Mannschaft nicht verkraften, sagt Schweikardt. Weil sein Team von Anfang an einem Rückstand hinterherlaufen musste, habe es keine Sicherheit bekommen. Die eine oder andere fragwürdige Entscheidung der Schiedsrichter in wichtigen Phasen hätte dazu beigetragen. Und wie so oft, wenn’s nicht läuft, fehlte den Bittenfeldern auch in mancher Szene das notwendige Glück.

Unterm Strich jedoch seien die eigenen Schwächen hauptverantwortlich gewesen für die Niederlage. So habe Eisenach die stabilere Defensive gestellt, seine Spieler hätten keinen Zugriff auf die starken Hannes Jon Jonsson und Girts Lilienfelds bekommen. Die Ballgewinne hielten sich in Grenzen – und damit auch die Gegenstöße.

Schwer taten sich die Bittenfelder aus dem Positionsangriff heraus, waren überdies viel zu leicht auszurechnen. Lars Friedrich suchte im rechten Rückraum mit Vehemenz die Lücken in der Eisenacher Deckung. Von der anderen Seite indes ging kaum Torgefahr aus. Der Trainer vertraute lange Zeit auf seine bewährte Rückraumachse mit Dominik Weiß, Michael Schweikardt und Lars Friedrich. „Im Nachhinein muss ich sagen, dass ich nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen habe“, sagt Günter Schweikardt. So schmorte mit Adrian Wehner eine Alternative 60 Minuten lang auf der Bank, auch Dennis Szczesny kam lediglich zu einem Kurzeinsatz.

Anders als in den Spieltagen zuvor, gab’s diesmal kaum Überraschungen. Abgesehen vom 28:27-Sieg des Drittletzten TuS Ferndorf gegen den Spitzenreiter TV Emsdetten. Die anderen Kandidaten im Rennen um den dritten Aufstiegsplatz setzten sich diesmal durch. Die HSG Nordhorn-Lingen siegte mit 27:25 in Henstedt und schob sich am TVB vorbei auf den vierten Platz. Und der TV Hüttenberg hatte beim 29:24-Erfolg in Saarlouis keine große Schwierigkeiten.

Die Hüttenberger schlossen damit nach Punkten zu den Bittenfeldern auf – und können den TVB morgen (20 Uhr) im direkten Aufeinandertreffen noch weiter nach hinten schieben in der Tabelle. Vor dem brisanten Derby gegen Bietigheim am Freitag in der Scharrena steht für Bittenfeld also bereits die nächste schwere Aufgabe an. Mit einem Sieg könnte sich der TVB zum wiederholten Mal zurückmelden.

Und die Achterbahnfahrt ginge vorerst weiter.

Zitate

Das Feuer der Leidenschaft loderte von Beginn in unseren Reihen.
Der Eisenacher Kapitän Benjamin Trautvetter über den Auftritt seiner Mannschaft in Stuttgart.

Das Ergebnis zeigt es, in Stuttgart konnten wir sein Fehlen kompensieren. Ob uns das weiterhin gelingt, werden die nächsten Wochen zeigen. Wir haben ja einen breiten Kader. Mit Tomas Sklenak sind wir natürlich stärker. Das sei auch unterstrichen.
Noch einmal Trautvetter über den Ausfall von Spielmacher und Torjäger Tomas Sklenak.