Lösungen gesucht und keine gefunden

Die Frage, ob’s ein verlorener, gewonnener, verdienter oder unverdienter Punkt war, rückte direkt nach dem Spiel am Freitag zunächst in den Hintergrund. Wichtigstes Thema war der Gesundheitszustand von Michael Qvist. In der 54. Minute war es mucksmäuschenstill geworden in der Scharrena. Nach einem Getümmel am Kreis sank der Hildesheimer Spielmacher zu Boden, blieb dort regungslos liegen und wurde nach zehnminütiger Behandlung mit der Trage in ein Stuttgarter Krankenhaus abtransportiert. Offensichtlich hatte Qvist einen Schlag an den Kehlkopf abbekommen.

Entwarnung gab’s am Samstagabend. Der Bittenfelder Rückraumspieler Dominik Weiß besuchte Qvist im Krankenhaus, wo der Däne die Nacht verbringen musste. Ihm ging’s wieder wesentlich besser, am Sonntag trat er die Heimreise an.

Bis zu seiner Verletzung hatte Qvist ein prima Spiel gemacht, im Angriff wie auch im Mittelblock der Abwehr. „Er hat zweifellos Erstliga-Niveau“, sagt Günter Schweikardt. Die Idee des Bittenfelder Trainers, Qvist in Person von Peter Jungwirth besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, war eine gute. Nach dem 19:22-Rückstand (45.) kämpfte sich der TVB wieder zurück. Dass es dennoch nicht gereicht hat zum achten Sieg im achten Heimspiel, trieb Schweikardt auch gestern noch um. Es funktionierte längst nicht alles so, wie es sich der Trainer vorgestellt hatte.


Kein gutes Überzahlspiel der Bittenfelder

Beispielsweise das Überzahlspiel. So hatten die Bittenfelder bei der 28:27-Führung 45 Sekunden vor dem Ende alle Trümpfe in der Hand nach der Hinausstellung von Maurice Herbold. „Dass wir dann einen Treffer durch die Abwehrmitte kassieren, kann eigentlich nicht sein“, sagt Schweikardt. Auch zuvor hatte der TVB aus der numerischen Überlegenheit zu wenig Kapital geschlagen. „Wenn wir die Überzahl ordentlich spielen, gewinnen wir. Andererseits hatten wir einige knappe Spiel, und immer geht’s eben nicht gut.“

Nicht nur das Überzahlspiel war gegen Hildesheim verbesserungswürdig. Noch auffälliger war die schwache Chancenverwertung. Wiederholt scheiterte der TVB bei sogenannten freien Würfen. Außerdem bemängelte Schweikardt das fehlende Flügelspiel und Tempo.

Der Trainer ließ kaum etwas unversucht, wechselte kräftig durch – allen voran im schwächelnden linken Rückraum. Es war die lange Suche nach der idealen Lösung. Von Erfolg gekrönt war sie nicht. „Und ein Spiel ist nun einmal nach 60 Minuten zu Ende“, sagt Schweikardt.

Auch wenn der Trainer allzu gerne beide Punkte behalten hätte: Zwei Spiele vor dem Ende der Hinrunde liegen die Bittenfelder nur einen Zähler hinter einem Aufstiegsrang und sind damit nach wie vor glänzend im Rennen – mit einem kleinen Wermutstropfen indes: Das schwache Torverhältnis gegenüber der Konkurrenz wird der TVB kaum mehr aufholen.

Dieses Manko jedoch wird dem Bittenfelder Trainer jetzt noch nicht allzu sehr beschäftigen. Eher die Frage, wie sein Team am kommenden Samstag die mit Abstand beste Defensive der Liga knacken will: Der HC Erlangen hat in 16 Spielen 385 Treffer kassiert. Zum Vergleich: Die Bittenfelder Keeper Jürgen Müller und Daniel Sdunek mussten den Ball bereits 441-mal aus dem Tornetz holen.

Mit der Wurfausbeute des Hildesheim-Spiels dürfte nichts zu holen sein. Dass der TVB in Erlangen noch nie gewonnen hat, ist für Schweikardt eher eine Herausforderung. „Angst wäre ein schlechter Ratgeber. Wir müssen da ohne jeglichen Vorbehalt hinfahren.“ Schon einmal hat der TVB in dieser Saison eine schlechte Serie beendet: Sechs Spielzeiten war er punktlos aus Eisenach nach Hause gefahren. Im September siegte er dort mit 23:22.

Zitate

„Ich bin mit dem einen Punkt sehr zufrieden. Wobei ich sagen muss, wir hätten statt 3:0 auch 5:0 in Führung gehen können. Dann wäre das Spiel vielleicht anders gelaufen. Meine Mannschaft hat sich von der schweren Verletzung von Michael Qvist nicht von ihrem Weg abbringen lassen und sich diesen Punkt redlich verdient.“ Gerald Oberbeck , Trainer von Eintracht Hildesheim.

„Die Heimriesen treffen auf die Auswärtszwerge.“ So titelte die Hildesheimer Allgemeine Zeitung im Vorfeld der Partie zwischen der besten Heimmannschaft, dem TV Bittenfeld (14:0 Punkte), gegen das zweitschlechteste Auswärtsteam, Eintracht Hildesheim (3:13).

Info

Der Kartenvorverkauf für das Spiel des TVB gegen den SC DHfK Leipzig in der Porsche-Arena am zweiten Weihnachtsfeiertag läuft gut. Knapp 5000 Tickets waren bis gestern weg. Karten gibt’s wie immer über Easy-Ticket und auf der TVB-Geschäftsstelle.