Dominik Weiß im Interview mit dem ZVW

Herr Weiß, mal ehrlich: Wie sehr haben Sie nach dem 26:29-Rückstand gegen Bad Schwartau drei Minuten vor Schluss daran geglaubt, das Spiel noch drehen zu können?

Na ja, wenn man drei Minuten vor Schluss mit drei Toren zurückliegt und das auch noch in eigener Halle, dann ist das keine leichte Situation. Wir wussten, dass jetzt alles klappen muss, wenn es noch ein gutes Ende für uns nehmen soll. Die Tatsache, dass wir sofort durch die Manndeckung einen Ball gewonnen haben, hat uns einen enormen Schub verschafft. Wenn wir gleich nach der Auszeit ein Tor bekommen hätten, wäre das Spiel gelaufen gewesen. Aber so war die Hoffnung da. Und dann versucht man alles und kämpft bis zur letzten Sekunde.

Mit zwei Treffern in der heißen Schlussphase hatten Sie maßgeblichen Anteil am Sieg des TVB. Zuletzt lief’s ja nicht immer ganz rund bei Ihnen. Woher nahmen sie das Selbstbewusstsein, in dieser entscheidenden Situation den Abschluss zu suchen?

Auch wenn’s in den letzten Spielen nicht so lief, ändert das nichts daran, dass wenn ich auf dem Feld stehe, alles tue, um der Mannschaft zu helfen. Wir haben in der Auszeit darüber geredet, dass wir jetzt schnelle Tore brauchen und dafür ist der Rückraum nun mal zuständig. Der Trainer hat mir das Vertrauen gegeben in den letzten drei Minuten und damit habe ich, genau wie Lars und Flo, die erste Möglichkeit wahrgenommen, um einen guten Abschluss zu suchen. Wer in diesen Momenten zögert oder zu viel nachdenkt, dem geht die Zeit aus. Es war alles oder nichts in diesen letzten drei Minuten.

Mit dem Sieg hat sich der TVB in der Spitzengruppe gehalten. Die Leistungen indes sind nach wie vor nicht so stabil. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Es ist schwer zu sagen, warum es im einen Spiel gut läuft und wir dann wieder den Faden verlieren. Wir haben es bisher nicht geschafft, konstant mehrere Spiele eine gute Leistung zu bringen. Natürlich sind Aufgaben wie die Auswärtsspiele in Emsdetten und beim Bergischen HC nicht leicht, aber wir waren in diesen Spielen auch weit unter unseren Möglichkeiten. Ich hoffe, dass wir in den nächsten Wochen eine gewisse Konstanz reinbringen, um unsere Leistung wie auch unseren Tabellenplatz zu festigen.

Nun warten mit Henstedt-Ulzburg, Saarlouis und Ferndorf lösbare Aufgaben. Viele erwarten sechs Punkte aus diesen Spielen. Wie sieht Ihre Rechnung aus?

Na ja, bei einem Aufsteiger erwartet jeder einen Sieg. Wir fahren dorthin, um zu gewinnen, das ist keine Frage. Dass die Aufsteiger alle schon für eine Überraschung gut waren, zeigt einmal mehr, wie wenig man Punkte als sicher einplanen kann in dieser Liga. Aber wenn wir oben dran bleiben wollen, müssen wir jetzt auswärts diese Punkte holen und zu Hause unsere weiße Weste behalten. Wenn’s nach mir geht, nehme ich die 6:0 Punkte. Aber das wird ein hartes Stück Arbeit.

Ein Drittel der Saison ist vorüber. Welche Mannschaften haben Sie bis jetzt positiv überrascht, welche negativ?

Die positive Überraschung ist Emsdetten. Es spielt sehr variabel, hat eine sehr stabile Abwehr und steht zurecht so weit vorne. Negativ überrascht bin ich von Erlangen. Im Vergleich zur letzten Saison hat es bis jetzt eine deutlich schlechtere Ausgangssituation. Wobei wir uns in Erlangen immer schwergetan haben.