Schwerin stellt Betrieb ein, Pause für TVB

Groß aufgetrumpft hatten die Schweriner zuletzt beim 33:24-Sieg gegen den SV Henstedt-Ulzburg – der erste in dieser Saison. Es waren quasi die letzten Zuckungen des Teams: Gestern Vormittag gab Friedrich Diestel, Geschäftsführer der Post Schwerin Handball GmbH, per Fax die Einstellung des Spielbetriebs bekannt (siehe Infokasten unten). Sämtliche Spiele in dieser Saison mit Beteiligung der Schweriner fallen somit aus der Wertung.

„Einerseits sind wir froh, dass wir am Freitag nicht spielen müssen“, sagt der TVB-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt. „Der sportliche Wert wäre praktisch null gewesen.“ Das Spiel in der Scharrena wäre mit ziemlicher Sicherheit das letzte der Schweriner in der 2. Liga gewesen. Es sei denn, ein Gönner hätte bis zum 31. Oktober eine große Summe auf den Tisch gelegt. Jürgen Schweikardt will gar nicht daran denken, wenn sich in diesem an sich bedeutungslosen Aufeinandertreffen ein Akteur verletzt hätte. „Außerdem wäre die Stimmung in der Halle sicher auch nicht optimal gewesen, wenn’s um nichts geht.“

Das ist schade für den Handball

Auf der anderen Seite haben die Bittenfelder mit nun einem Heimspiel weniger einen „nicht unerheblichen Einnahmeverlust“. Außerdem, so Schweikardt, seien bereits einige Vorbereitungen gelaufen. „Äußerst schlecht ist es da natürlich, dass wir erst jetzt erfahren haben, dass Schwerin am Freitag nicht mehr antreten wird.“

Nicht gerade begeistert vom „Fall Schwerin“ ist auch der Bittenfelder Trainer. „Es ist zwar die logische Konsequenz, dass die Schweriner nicht mehr spielen“, sagt Günter Schweikardt. Doch sei es schade für den Handball, dass solche Dinge immer wieder zum Thema würden. „Derartige Vorgänge sind schon schwer verständlich.“

In der vergangenen Saison waren die Insolvenzen der HSG Düsseldorf und des DHC Rheinland, die den gesamten Spielbetrieb für eine längere Zeit durcheinanderwirbelten, das große Thema. Zudem hatte der TV Korschenbroich seinen Rückzug aus der 2. Liga aus finanziellen Gründen angekündigt. Mark Schober, Mitglied der Geschäftsleitung der Handball-Bundesliga (HBL), hatte in einem Interview mit dieser Zeitung im Juni zu diesem Thema Stellung bezogen. „Insolvenzen sind ohne Zweifel für das Image des Handballs eine Katastrophe“, sagte er. „Wir müssen alles tun, um diese zu vermeiden.“

Auch wenn Günter Schweikardt diese erneute Fehlentwicklung „nicht so toll“ findet: „Wir haben keinen Einfluss darauf und außerdem selbst genügend Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen.“ So müssen die Bittenfelder jetzt einen neuen Trainingsplan zusammenstellen: Weil der TVB am nächsten Wochenende sowieso spielfrei ist, muss er erst wieder am Mittwoch, 7. November, beim Tabellenzweiten TV Emsdetten ran und hat jetzt zweieinhalb Wochen Pause. Ein zusätzliches Trainingsspiel sei nicht geplant, sagt der Coach. „Wir können intern auf einem sehr hohen Niveau trainieren.“

Momentan gilt’s, aus dem Spiel beim ASV Hamm-Westfalen die richtigen Schlüsse zu ziehen. Zunächst einmal hatte Günter Schweikardt an der Einstellung und am Siegeswillen seiner Spieler nichts zu mäkeln. Inhaltlich indes hat der Coach durchaus noch Verbesserungspotenzial gesehen. „Wir haben nicht unsere beste Leistung gezeigt.“

Die Defensive sei längst nicht so sattelfest gewesen wie im Spiel gegen Nordhorn, und in der Offensive hätten sich „gute mit weniger guten“ Aktionen abgewechselt. Vor allem nach der 11:8-Führung in der 17. Minute hätten seine Spieler die Cleverness vermissen lassen, zu hastig agiert und zudem eine Überzahl nicht genutzt.

Dennoch hätte es um ein Haar nicht nur zum 28:28-Unentschieden gereicht, sondern gar zum Sieg. Zehn Sekunden vor dem Ende trudelte ein Wurf von Sebastian Paul zum Ausgleich für den ASV Hamm-Westfalen über die Linie des Bittenfelder Tores. „Da hadert man natürlich schon ein bissle“, sagt Schweikardt. „Andererseits müssen wir aber auch realistisch bleiben, schließlich haben wir in dieser Saison ja auch schon drei Spiele mit einem Tor Differenz gewonnen.“ So gesehen, sei die Punkteteilung gerecht gewesen.