„Wir wollen unbedingt oben dabeibleiben“

Florian Schöbinger war ein gefragter Mann nach Spielende in der Scharrena am Sonntag, war er doch einer der Matchwinner beim fünften Saisonsieg der Bittenfelder im siebten Spiel. Dabei ist der 26-Jährige derzeit beim TVB so etwas wie ein Teilzeitarbeiter. Anfang August hatte sich Schöbinger studienbedingt für ein knappes halbes Jahr nach Norwegen abgemeldet. Mittlerweile sind sieben Pflichtspiele vorbei, verpasst hat Schöbinger keines: Regelmäßig flog er zu den Spielen aus Bergen in die Heimat zurück.

Am Sonntag machte Schöbinger seinem Ruf als Allrounder alle Ehre. In der Abwehr übernahm er die Arbeit der verletzten Tobias Schimmelbauer auf der vorgezogenen Position in der 5:1-Deckung und rückte phasenweise auch zurück in die geschlossene Formation. Auf Linksaußen war er ebenso zu finden wie am Kreis und im Rückraum und war mit sechs Treffer der erfolgreichste Bittenfelder Feldtorschütze. Entsprechend geplättet war Schöbinger nach dem Schlusspfiff. „Es ist schon belastend, wenn man so lange auf der Platte steht“, sagte er und freute sich riesig über die wichtigen Punkte. „Nach dem herben Nackenschlag gegen Bietigheim waren wir verunsichert, das mussten wir erst verarbeiten.“

Ein Extralob des Trainers für Florian Schöbinger

Ein Extralob bekam Schöbinger von seinem Trainer. „Florian hat das ganz prima gemacht“, sagt Günter Schweikardt, der auch mit Torhüter Jürgen Müller und Jürgen Schweikardt sehr zufrieden war. „Die gesamte Abwehr hat gut gestanden, auch das Rückzugsverhalten hat gepasst.“ Die HSG kam nur selten zu ihren gefürchteten Gegenstößen.

Im stehenden Angriff hätten die Nordhorner kaum einmal ohne Bedrängnis werfen können, was auch die Aufgabe des Bittenfelder Torhüters erleichtert habe. Auf insgesamt 19 Paraden brachte es Jürgen Müller, darunter waren einige freie Chancen.

Während sich Günter Schweikardt, anders als noch in Bietigheim, auf seine Defensivabteilung verlassen konnte, ließ ihn so manche Offensivaktion eher ratlos dreinblicken. Der Stamm-Rückraum mit Dominik Weiß, Lars Friedrich und Michael Schweikardt kam nicht in Tritt – wobei Weiß zunächst Adrian Wehner weichen musste. „Adrian hat seine Sache ordentlich gemacht“, sagt der Trainer. „Vor allem in der Abwehr.“ Auch Dennis Szczesny und Martin Kienzle hätten sich sehr gut eingefügt nach ihren Einwechslungen.

Geärgert hat den Trainer, wie fahrlässig seine Spieler mit den vielen freien Chancen umgingen. Sie hätten sich vom Nordhorner Torhüter Björn Buhrmester ein ums andere Mal „abkochen“ lassen. In der Offensive müsse sein Team deutlich zulegen, soll das mittelfristige Ziel erreicht werden. „Natürlich wollen wir jetzt vorne mit dabeibleiben“, sagt Schweikardt. „Wenn wir nach diesem Spiel mit 8:4 Punkten dagestanden hätten, wäre das sehr bitter gewesen.“

Mit einer derart dürftigen Abschlussquote und solch großen Konzentrationsschwächen wie am Sonntag wird sich der TVB allerdings kaum an der Spitze halten können. Es ist davon auszugehen, dass die nächsten Gegner – unter anderem das Führungsduo Bergischer HC und TV Emsdetten – mehr Ideen haben wird, die Deckung zu knacken, als die HSG Nordhorn-Lingen.

Am kommenden Samstag reisen die Bittenfelder nach Hamm. Die Stärke des ASV (6:8 Punkte) ist nach sieben Spieltagen ebenso wenig einzuschätzen wie die der gesamten Liga. Immer wieder gibt’s überraschende Resultate. So besiegte die TSG Ludwigshafen-Friesenheim den bis dato verlustpunktfreien TV Emsdetten mit 26:23, führte dabei bisweilen mit zehn Toren Differenz. Auch die 18:32-Niederlage des in der vergangenen Saison so starken SC DHfK Leipzig gegen den Bergischen HC war zumindest in dieser Höhe nicht zu erwarten.