Zerkratzte Waden bei Volleyball-Talenten

Den Spielern dürfte es so unrecht nicht gewesen sein, dass sich der Trubel am Samstagabend in überschaubaren Grenzen hielt. Dreimal hat Coach Günter Schweikardt seine Jungs seit Donnerstag zum Training gebeten. Zweimal in die Halle, einmal durften sie ihre Laufschuhe schnüren. Die Einheit am Lemberg hat nicht nur die Lungenflügel zum Glühen gebracht, auch zwei Etagen tiefer ging’s zur Sache. Nicht ganz geklärt ist allerdings, ob die zerkratzten Waden das Ergebnis eines Trail-Laufs waren, oder ob der eine oder andere Spieler eine gute Abkürzung kennt.


Ein bisschen malträtiert an den imposanten Waden war beispielsweise Simon Baumgarten. Möglicherweise hat sich der Kreisläufer auch zuvor im gemischten Doppel mit Nadja Schaus zu sehr ins Zeug gelegt. Gelohnt hat sich die Mühe jedenfalls: Beim Mixed-Volleyballturnier der TVB-Spieler und den Bundesligaspielerinnen der Allianz MTV Stuttgart holte sich das Duo den Sieg.


Mit Spannung warteten die Fans am Samstagabend auf die Vorstellung des neuen TVB-Teams. Pressesprecher Lennert Brinkhoff bat jeden Spieler einzeln zu sich auf die Bühne. Den meisten Beifall bekam einer, der schon seit 2001 beim TVB spielt und der für jeden Fragesteller eine echte Herausforderung ist: Adrian Wehner. Worin er denn den größten Unterschiede sehe zwischen der zweigleisigen und eingleisigen 2. Bundesliga, wollte Brinkhoff von dem als schweigsam bekannten Rückraumspieler wissen. „Die Auswärtsfahrten waren länger“, sagte Wehner und grinste. Mehr war ihm – trotz Nachhakens – nicht zu entlocken.

Ein weiteres Urgestein werden die Bittenfelder Fans in den nächsten fünf Monaten nicht zu Gesicht bekommen: Florian Schöbinger erfüllt sich einen „langersehnten Traum“ und wird ein Auslandssemester im norwegischen Bergen einlegen. Zur Rückrunde wird der Allrounder wieder auf dem Platz stehen. Spätestens. Schöbinger wird sich mindestens dreimal die Woche bei einem Erstligisten in der zweitgrößten norwegischen Stadt fithalten, allerdings nicht am Spielbetrieb teilnehmen. Das hält die Option offen, Schöbinger im äußersten Notfall einfliegen zu lassen.

Schöbinger wird sich am 6. August übrigens als Deutscher Meister aus Bittenfeld verabschieden. Bei der Endrunde der deutschen Hochschulmeisterschaften in Leipzig sicherte sich die Auswahl der Uni Stuttgart, trainiert vom Balinger Rolf Brack, den Titel. Im Team stand auch der Bittenfelder Linksaußen Tobias Schimmelbauer. Mit 23:16 setzten sich die Schwaben im Finale gegen die Münsteraner durch.

Zwei der fünf Neuen kennen sich beim TVB bereits aus: Michael Schweikardt war 2003 zu FA Göppingen und von dort zur MT Melsungen gewechselt und kehrt jetzt zu seinem Heimatverein zurück. Frisch vermählt und „mit einem guten Gefühl“, was die kommende Saison betrifft. Torhüter Jürgen Müller spielte 2006/2007 für den TVB und war maßgeblich daran beteiligt, dass der TVB nicht umgehend wieder in die Regionalliga abstieg. Zumindest nicht neu aufeinander einstellen müssen sich die beiden Linkshänder der Bittenfelder: Rechtsaußen Peter Jungwirth und Rückraumspieler Lars Friedrich kommen gemeinsam vom Erstligisten HSG Wetzlar. Letzterer, gebürtiger Cuxhavener, wollte sich „eigentlich wieder Richtung Norden orientieren, das ist jetzt schiefgegangen“. Letztlich habe er sich vom Konzept des TVB überzeugen lassen.

Während Friedrich noch eine Weile auf die Heimkehr warten muss, hat’s der gebürtige Stuttgarter Jungwirth geschafft. „Ich freu’ mich, hier wieder einen Ball schmeißen zu dürfen.“ Und auch zu seinem Lieblingessen dürfte er hier leichter kommen: „Zwiablroschtbroda mit Kässpatza.“


Gut gelaunt war auch der fünfte Neue im Bunde, wobei Dennis Szczesny dazu weniger Grund hätte. Auf Krücken und mit einer Spezialschiene am Knie humpelte der 18-Jährige, der vom DHC Rheinland kommt, auf die Bühne. Bei der Junioren-Europameisterschaft hatte er sich den Meniskus angerissen. Unter Umständen ist sogar noch mehr kaputt. Klarheit soll eine weitere Untersuchung am Mittwoch bringen.

Besser zu Fuß, aber auch noch nicht einsatzfähig ist Leon Pabst. Im Januar war er am Kreuzband operiert worden, vor drei Wochen musste er wegen eines Meniskusrisses erneut unters Messer. Acht bis zwölf Wochen, schätzt der Kreisläufer, werde er wohl noch ausfallen.

Gedulden muss sich auch noch Daniel Sdunek. Nach seiner im letzten Saisonspiel erlittenen Knieverletzung will der Torhüter Ende Juli wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. „Geradeaus laufen im Wald kann ich schon“, sagte er. „Aber das ist eigentlich genau das, was ich nicht so gerne mache