Es geht um Platz zwei in Württemberg

Dem einen oder anderen TVB-Fan schmeckte zuletzt die Körpersprache und die Einstellung manches Spielers nicht. Ob die derzeit nicht zweitligatauglich ist, darüber lässt sich streiten. Die Ergebnisse jedenfalls stimmen längst nicht mehr. Nur noch zwei Chancen haben die Bittenfelder, den negativen Eindruck zu revidieren: morgen im Derby bei der SG BBM Bietigheim und im finalen Saisonspiel in der Gemeindehalle gegen die TSG Ludwigshafen-Friesenheim in acht Tagen.

In den Spielen gegen die Bietigheimer braucht’s normalerweise keine extra Motivationsspritze. Auch wenn sich einige Spieler sehr gut kennen und teilweise sogar befreundet sind: Auf dem Spielfeld ist davon in der Vergangenheit wenig zu sehen gewesen. Nicht immer war höchstes Niveau zu sehen, spannend waren die Aufeinandertreffer jedoch meist. Beispielsweise im Hinspiel, als sich der TVB vor 6200 Zuschauern in der Porsche-Arena hauchdünn mit 30:29 durchsetzte. Eineinhalb Minuten vor dem Ende erzielte Florian Schöbinger den Siegtreffer, drei Sekunden vor der Schlusssirene parierte TVB-Keeper Daniel Sdunek – gemeinsam mit dem Torgebälk – den finalen Wurf von Robin Haller.

Die Bietigheimer starteten – ähnlich wie der TVB – mit bescheidenem Erfolg in die Saison. Nach 5:11 Punkten kam die Mannschaft von Trainer Jochen Zürn aber in die Gänge, siegte unter anderem beim Tabellenführer TSV GWD Minden mit 37:35 – wobei’s bei der SG eine deutliche Diskrepanz zwischen den Auftritten in der Fremde und zu Hause gab. Nur viermal siegte die SG auswärts, in der Halle unterm Viadukt dagegen gab’s bei 18 Auftritten 13 Siege, zwei Unentschieden und nur zwei Niederlagen. Mit der Heimstärke der Bietigheimer machten beispielsweise der TV Neuhausen/Erms (27:32), der HC Erlangen (22:25), TUSEM Essen (32:33), Minden (24:31) und der SC DHfK Leipzig (27:33) Bekanntschaft. Zuletzt zeigte die SG beim 34:30-Sieg in Friesenheim auch auswärts eine sehr gute Leistung.

Große Stärke der Bietigheimer ist der Angriff. Nur der Tabellenführer Minden hat mehr Treffer erzielt als die SG. Allerdings vernachlässigt die SG dabei möglicherweise die Defensive, jedenfalls hat sie die meisten Gegentreffer aller 20 Mannschaften in der Liga kassiert.

Mit Milos Hacko hatte die SG vor der Saison einen routinierten Torhüter verpflichtet, der slowakische Ex-Nationalspieler musste zuletzt aber verletzt zusehen und wird in dieser Saison nicht mehr ins Bietigheimer Tor zurückkehren. Die SG verpflichtete kurzerhand den ehemaligen Waiblinger Thorsten Nick. Nummer eins ist nun der 22-Jährige Pascal Welz, weiterer Torhüter ist Philipp Hämmerling (22). Neu im Team seit dieser Saison sind der rechte Rückraumspieler Tim Coors (HSG Varel/23) und Kreisläufer Fabian Bohnert (HSG Frankfurt/23).

TVB-Trainer Günter Schweikardt erwartet von seinen Spielern, „dass sie sich noch mal pflichtgemäß reinhängen“. Eine Schlappe wie beim letzten Spiel der Vorsaison (29:37) möchte Schweikardt unter allen Umständen vermeiden. Auch wenn nicht mehr viel auf dem Spiel stehe, ein Prestigeduell sei’s allemal. „Auch für die Fans.“ Nach den vielen erfolglosen Spielen zuletzt sieht er sein Team „ein bisschen mehr“ unter Zugzwang als die SG, deren Eingespieltheit ihr großes Plus sei. „Aber natürlich haben die Bietigheimer auch individuell gute Leute.“ Philipp Schulz, Andreas Blodig oder Nico Kibat im Rückraum beispielsweise. Für einige Spieler wird’s – abgesehen vom Derbycharakter – ein besonderes Spiel: Kibat bestreitet sein letztes Heimspiel für die SG, er verlässt den Verein. TVB-Spieler Thorsten Salzer trifft auf seinen künftigen Club.

Die Bittenfelder müssen möglicherweise auf Arni Sigtryggsson (Wadenverletzung) und Jan Forstbauer (Patellasehne) verzichten. Torhüter Felix Schmidl wird wieder in den Kader rücken.