Der nächste schwache TVB-Auftritt

Die Voraussetzungen für ein spannendes und unterhaltsames Spiel waren eigentlich nicht schlecht. Leipzig brauchte unbedingt beide Punkte, um sich die Chance auf den dritten Platz zu erhalten. Bittenfeld wollte seinen Fans im zweitletzten Heimspiel in der Gemeindehalle noch einmal zeigen, dass es mit einem Spitzenteam der Liga mithalten kann.

Allein: Dazu fehlte dem TVB über weite Strecken des Spiels nicht nur die spielerische Potenz, sondern auch der letzte Wille. Dabei zeigten die Gäste alles andere als eine furchteinflößende Leistung. Sie konnten es sich sogar leisten, ihren besten Torschützen und Spielgestalter über 50 Minuten auf der Auswechselbank sitzen zu lassen: Philipp Seitle sorgte mit einem seiner gefürchteten Schlagwürfe zwar für das 0:1, übertrieb es anschließend aber mit überhasteten Abschlüssen. Der Leipziger Trainer Uwe Jungandreas nahm Seitle nach zehn Minuten vom Platz. Zu diesem Zeitpunkt führte der Gast mit 6:5.

Die Bittenfelder hatten 60 Minuten lang immense Probleme mit der offensiven Deckung des Gegners. Ideen- und Ratlosigkeit machte sich breit und mündete oft in unkonzentrierten Würfen, die kein Problem darstellten für den guten Oliver Krechel im SC-Tor. Er kam deutlich besser ins Spiel als Gregor Lorger und Daniel Sdunek auf der anderen Seite.

Leipzig spielte geduldig seine Angriffe aus, meist klug aufgebaut von Ulrich Streitenberger und mit einfachen Toren des langen Eric Jacob abgeschlossen. Beim TVB strahlte zunächst nur Dominik Weiß Torgefahr aus. Das indes reichte freilich nicht aus, um Leipzig in die Bredouille zu bringen. Weder Jürgen Schweikardt noch Alexander Heib schafften es, das Bittenfelder Spiel zu ordnen. Die Außen und der Kreis blieben wirkungslos. Völlig verdient ging Leipzig so mit der 14:11-Führung in die Pause.

Ein Rückstand zur Halbzeit beunruhigte die Bittenfelder Fans nicht unbedingt. Oft schon ist der TVB motiviert aus der Kabine gekommen und hat ein Spiel gedreht. Am Samstag indes ging’s im selben Trott weiter: In Überzahl fing sich der TVB zwei Gegentreffer ein, Leipzig düpierte den Gegner mit Kontern und feinen Spielzügen. Und vorne warfen die Bittenfelder weiterhin Krechel warm.

Nach ganz schwachen 15 Minuten sah sich der TVB nach Jacobs Treffer mit 15:23 im Hintertreffen und schlitterte geradewegs einem Debakel entgegen. Auch die Auszeit von Trainer Günter Schweikardt beim 16:24 (47.) schien die Lebensgeister der mitunter desolaten, saft- und kraftlosen Bittenfelder nicht zu wecken. Streitenberger sorgte beim 25:16 für die höchste Führung der Gäste.

Die richteten sich auf gemütliche letzte zwölf Minuten ein und ließen es fortan ein bisschen zu locker angehen. Der zuvor glücklose Lorger hielt ein paar Bälle, vorne agierte der TVB etwas entschlossener und verkürzte den Rückstand binnen vier Minuten von acht auf vier Tore. Beim 21:25 (52.) war noch genügend Zeit, die Wende herbeizuführen.

Leipzig raffte sich aber wieder auf und spielte die folgenden Angriffe konzentriert zu Ende. Die Bittenfelder kamen so nicht mehr näher heran, und Jacobs Treffer zum 23:27 bedeutete dreieinhalb Minuten vor dem Ende die Entscheidung. Mit 29:25 siegte der Gast hochverdient.

Dem TVB bleiben jetzt noch zwei Chancen, seine treuen Fans zu versöhnen: in zwei Wochen im finalen Heimspiel gegen Friesenheim und kommenden Samstag im Derby in Bietigheim. Mit der Leistung vom Samstag wird der TVB dort allerdings chancenlos sein.

TV Bittenfeld: Lorger, Sdunek; Schimmelbauer (1), Kienzle (1), Forstbauer (2), Weiß (7), Schweikardt (1), Gunnarsson (5/4), Heib, Baumgarten (2), Sigtryggsson (1), Wehner (3), Seiz (2), Salzer.
SC DHfK Leipzig: Krechel, Galia; Müller (1), Dietzmann, Streitenberger (7), Wolf, Baumgärtel (2), Binder (2), Boese (5/1), Jacob (10), Wagner (1), Riehn, Seitle (1), Telehuz.

Stimmen zum Spiel

Uwe Jungandreas, Trainer des SC DHfK Leipzig: „Wir wollten hier unbedingt gewinnen, und so gut wie heute haben wir uns auswärts schon lange nicht mehr präsentiert. Ich denke, entscheidend war, dass wir die Außenpositionen überragend gedeckt haben, einen starken Torhüter hatten und vorne beweglich gespielt haben.“

Günter Schweikardt, Trainer des TV Bittenfeld: „Leipzig hat absolut verdient gewonnen, wir hatten in keiner Phase eine wirkliche Chance. Am ehesten noch acht Minuten vor Schluss, als wir auf vier Tore dran waren. Aber ein Sieg wäre nicht verdient gewesen. Das Engagement möchte ich den Spielern aber nicht absprechen.“

Daniel Sdunek, Torhüter des TV Bittenfeld: „Wir müssen uns den Vorwurf gefallen lassen, über weite Strecken zu lethargisch aufgetreten zu sein. Darüber dürfen auch die letzten paar Minuten nicht hinwegtäuschen. Eine solche Leistung sollten wir nicht mehr zeigen. Wir sind im Profisport, und da sollte man bis zum letzten Spiel alles geben.“