TVB richtet sein neues Wohnzimmer ein

Sechs Jahre bereits spielt der TV Bittenfeld in der 2. Liga und ist gut gefahren mit dem Konzept der zwei Heimspielstandorte Bittenfelder Gemeindehalle und Stuttgarter Porsche-Arena. Am 2. Juni, nach dem letzten Heimspiel des TVB gegen die TSG Ludwigshafen-Friesenheim, hat die Gemeindehalle ausgedient.

Der eine oder andere Fan wird die kuschelige, bisweilen aufgeheizte und für die Gegner durchaus gewöhnungsbedürftige Atmosphäre in der engen Halle vermissen. Deshalb war die Entscheidung mutig, das Wohnzimmer zu wechseln und künftig sämtliche Heimspiele in Stuttgart auszutragen. Für Jürgen Schweikardt, Geschäftsführer und Spieler des TVB, war’s der einzige vernünftige Schritt. Das betonte er gestern beim Medientag vor Ort in der Scharrena. „Ich hoffe, dass unsere Fans die Notwendigkeit des Umzugs erkennen, weil wir in der Gemeindehalle in vielen Bereichen an unsere Grenzen gestoßen sind“, sagte er. In der aktuellen Konstellation könne der TVB den Anforderungen der Handball-Bundesliga nicht mehr gerecht werden. „Ich hoffe, dass unsere Fans gar nicht mehr zurück möchten, wenn sie in der Scharrena zwei Spiele erlebt haben.“

Noch tragen hier die Drittliga-Handballer der Stuttgarter Kickers und die Bundesliga-Volleyballerinnen von Allianz Stuttgart ihre Heimspiele aus. In den kommenden vier Jahren werden alle 14 Tage die Bittenfelder hier regieren. 16 Heimspiele, möglichst freitags, planen die Bittenfelder in der neuen Saison in der 2000 Zuschauer fassenden Scharrena. Dreimal – mindestens – soll’s nach nebenan gehen in die Porsche-Arena, in der rund 6200 Fans Platz finden.

Der Schachzug des TVB, für eine Handvoll ausgewählte Spiele pro Saison nach Stuttgart auszuweichen, ging sechs Jahre perfekt auf. Jürgen Schweikardt ist optimistisch, dass die Bittenfelder Fans ihren TVB auch komplett nach Stuttgart begleiten werden. Um die Fans zu überzeugen, hat sich der TVB einiges einfallen lassen. So bleiben die Dauerkartenpreise gleich. Wer Lust hat, kann sich heute von 15 bis 20.30 Uhr die Scharrena ansehen, sich vor Ort seinen Sitzplatz aussuchen und sich die Dauerkarte umgehend sichern. Um den Zuschauern in der nächsten Saison die An- und Rückreise so angenehm wie möglich zu machen, wird der TVB einen kostenlosen Shuttle-Service aus Bittenfeld, Neustadt, Hohenacker, Waiblingen sowie Winnenden und Schwaikheim anbieten. „Wir werden alles dafür tun, möglichst alle unsere Fans zu behalten“, sagt Schweikardt – und natürlich sollen noch weitere hinzu kommen. Demnächst wird der TVB in Stuttgart eine Werbekampagne starten, zudem soll die Kooperation mit den Vereinen aus dem Bezirk Rems-Stuttgart erweitert werden.

Laut Rahmenterminplan der Handball-Bundesliga steht das erste Heimspiel des TVB in der Scharrena am 31. August an. Die Generalprobe steigt bereits am Freitag in einer Woche gegen die HSG Nordhorn-Lingen. Die Verantwortlichen stecken längst in den Vorbereitungen, schließlich sollen die Fans Appetit bekommen auf die nächste Saison. Eine Baustelle wird der TVB binnen eineinhalb Wochen nicht schließen können: Noch gibt’s in der Scharrena nur eine Anzeigetafel hinterm Tor. Die Fans auf der Gegenseite bekommen Genickstarre – oder müssen die Tore gar mitzählen. „Das ist sicher nicht glücklich“, sagt Schweikardt. „Bis zur neuen Saison werden wir aber sicher eine Lösung finden.“