TV Bittenfeld beim Herrscher der Liga

1:7 Punkte aus den jüngsten vier Spielen: Das ist ein gutes Stück von dem entfernt, was sich die Bittenfelder ausgerechnet hatten. Die Niederlage beim abstiegsgefährdeten HC Empor Rostock leitete die Negativserie ein. In den drei folgenden Spielen gegen Spitzenmannschaften der Liga wäre mehr drin gewesen als nur ein Zähler. Allen voran die Spielverläufe in Emsdetten und gegen Essen weckten die Hoffnung auf Punktgewinne. In beiden Spielen jedoch versäumte es der TVB, einen Vorsprung auszubauen und damit den Widerstand des Gegners zu brechen.

„Da hat uns zweifellos die Cleverness gefehlt“, sagt Günter Schweikardt. „Wir hatten uns vorgenommen, Ruhe reinzubringen ins Spiel und sichere Abschlüsse zu suchen.“ Funktioniert hat’s oft nicht. Im Übereifer unterliefen dem TVB technische Fehler, die zu Ballverlusten, Gegentoren und letztlich zu Niederlagen führten. Gegen den Tabellenzweiten Essen hielt der TVB prima mit, beim Ligaprimus heute Abend allerdings dürfte auch eine vergleichbare Leistung kaum zu einem Punktgewinn reichen. Der Tabellenführer TSV GWD Minden wird sich bei acht Punkten Polster auf Rang vier den Aufstieg in die 1. Liga wohl kaum mehr entgehen lassen. „Minden ist die beste Mannschaft in der Liga“, sagt Schweikardt. Die Niederlagen, die der TSV kassiert habe, seien das Resultat zu großer Sicherheit gewesen. „Da hat Minden nicht mit letzter Konsequenz gespielt.“

Sechsmal blieb der Tabellenführer in dieser Saison ohne Punkt: in Nordhorn-Lingen (28:29), zweimal gegen Bietigheim (35:37 und 24:31), gegen den ASV Hamm (26:32), in Emsdetten (32:35) und in Eisenach (27:32). Ansonsten spielte der Spitzenreiter so, wie es die meisten Experten vor der Saison erwartet hatten: souverän.

Das Team um Manager und Ex-Bundestrainer Horst Bredemeier war in der vergangenen Spielzeit als Zweiter der Nord-Staffel überraschend in der Relegation am TV Hüttenberg gescheitert. Klar ist, dass der TSV mit aller Macht wieder zurück will in die 1. Liga. Wie das Mindener Tageblatt vor der Saison berichtete, soll der Etat um 200 000 auf rund 2,4 Millionen angehoben worden sein.

Auf Rechtsaußen hat sich Minden mit dem 50-fachen montenegrinischen Nationalspieler Aleksandar Svitlica vom spanischen Erstligisten BM Granollers verstärkt. Fürs Tor holte Minden den 24-jährigen Jens Vortmann vom DHC Rheinland. Zusammen mit dem Schweden Anders Persson, ebenfalls mit Länderspielerfahrung, bildet er ein starkes Duo.

Der Star im Team ist zweifellos der aktuelle schwedische Nationalspieler Dalibor Doder, der auch bei der jüngsten Europameisterschaft im Einsatz war. Der 32-jährige, ungemein torgefährliche Spielgestalter stellte die Bittenfelder bei der 23:30-Niederlage im Hinspiel in der Porsche-Arena vor teilweise unlösbare Probleme – wie der 2,08 Meter große Nenad Bilbija. Der slowenischen Nationalspieler indes ist derzeit verletzt. Doder ist mit 173 Toren des beste Feldtorschütze der Liga, der erstligaerfahrene Aljoscha Schmidt (Essen und Wetzlar) steht in der Torschützenliste mit 168 Toren auf dem siebten Platz.

Zuletzt ging den Mindenern, nach 20:16-Führung, überraschend die Puste aus. Sie gingen im Angriffswirbel der Bietigheimer mit 24:31 unter. TSV-Trainer Ulf Schevfert hat angekündigt, seinen Leistungsträgern mehr Pausen zu gönnen und den Wechselrhythmus zu ändern. Ob das ein Vorteil sein wird für die Bittenfelder, ist fraglich. „Realistisch gesehen, sind unsere Chancen sehr gering“, sagt Günter Schweikardt.

Zumal sich die Mannschaft heute Abend möglicherweise fast von selbst aufstellen wird: Jan Forstbauer weilt bei der Junioren-Nationalmannschaft, Alexander Heib fällt mit einer schmerzhaften Hüftprellung aus. Jürgen Schweikardt geht nach einer Grippe mit Trainingsrückstand und geschwächt ins Spiel. Wieder dabei sein werden Martin Kienzle und voraussichtlich auch Michael Seiz und Torhüter Felix Schmidl.