TVB patzt in den entscheidenden Momenten

Handball-Zweitligist TV Bittenfeld ist auch im vierten Spiel in Folge ohne Sieg geblieben. Bei der 27:29-Niederlage (12:13) gegen den starken Tabellenzweiten TUSEM Essen war der TVB dicht dran am Sieg. In den entscheidenden Momenten indes unterliefen ihm Fehler. Zudem haderten die Bittenfelder mit den Schiedsrichtern.

Der TVB musste, wie schon in Emsdetten, auf den erkrankten Jürgen Schweikardt verzichten. An dieser Schwächung allein dürfte es kaum gelegen haben, dass die Bittenfelder – wie gegen Neuhausen in der Porsche-Arena – große Mühe hatten, ins Spiel zu finden.

Nach drei Minuten hatte TVB-Keeper Gregor Lorger zwar bereits die ersten beiden Siebenmeter von Ole Rahmel und Hannes Lindt gehalten. Davon indes ließen sich die Essener nicht verunsichern. Sie demonstrierten eindrucksvoll, warum sie auf dem zweiten Tabellenplatz stehen: Mit durchdachtem, variablem Angriffsspiel und gefährlich aus sämtlichen Positionen brachte TUSEM die Bittenfelder Defensive ins Laufen.

Der TVB dagegen hatte gegen die bewegliche und aggressive Essener Deckung große Probleme, zum Abschluss zu kommen. Nach sechs Fehlwürfen lag der TVB folgerichtig mit 3:7 im Hintertreffen (15. Minute). Trainer Günter Schweikardt brachte Daniel Sdunek für den glücklosen Lorger und Dominik Weiß für Adrian Wehner im linken Rückraum. Diese Wechsel blieben zunächst ohne Wirkung. Essen beherrschte den TVB, beim 6:11 nach 23 Minuten aus Sicht des TVB war höchste Zeit für die grüne Karte.

Der anschließende Kempa-Treffer von Weiß läutete eine starke Phase der Bittenfelder ein. Die Abwehr stand kompakter, störte die Essener früher. Die leisteten sich binnen fünf Minuten fünf Fehlwürfe, einen technischen Fehler und mussten eine Zeitstrafe gegen Rahmel verkraften. Zwei Minuten vor der Pause sorgte Tobias Schimmelbauer beim 12:12 für den ersten Ausgleich, der 12:13-Rückstand nach einem Tor des guten Niclas Pieczkowski ließ dem TVB alle Möglichkeiten für Hälfte zwei.

Nach der Pause hielten die Bittenfelder in der Abwehr die Konzentration hoch, für den Angriff jedoch galt dies nur bedingt. Der Essener Torhüter Jan Kulhanek kam immer besser ins Spiel. Dennoch besorgte Schimmelbauer per Konter beim 15:14 die erste Bittenfelder Führung (34.). Nach Lindts Ausgleich verpufften die nächsten vier Angriffe des TVB.

Bittenfeld auf Augenhöhe – doch dann kommen die Fehler

Trotzdem waren die Bittenfelder zu diesem Zeitpunkt auf Augenhöhe mit dem Tabellenzweiten – mindestens. Der gute Weiß brachte sein Team mit 17:15 und 19:17 in Vorteil (44.). In dieser Phase verpasste es der TVB, sich ein größeres Polster herauszuwerfen. Überhastete Abschlüsse und technische Fehler waren für den erneuten Rückstand verantwortlich (22:23/50.).

Pech hatten die Bittenfelder zudem, dass die unsicheren Schiedsrichter Gunnar Beyer und Thomas Schulte einige Entscheidungen fällten, welche die Fans und Spieler gleichermaßen ratlos zurückließen. So nutzte der Gast eine fragwürdige Zeitstrafe gegen Arnor Gunnarsson sieben Minuten vor Schluss zur 26:23-Führung.

Die Bittenfelder kämpften verbissen weiter. Nach zwei Treffern von Weiß waren sie beim 25:26 wieder dran und hatten noch fünf Minuten Zeit, die Partie zu drehen. Ausgerechnet Weiß, der den TVB zuvor mehr oder weniger im Spiel gehalten hatte, unterlief anschließend ein Fangfehler. Pavel Prokopec behielt vom Siebenmeterstrich die Nerven (25:27/56.), musste dann aber auf die Strafbank.

Das schwache Überzahlspiel des TVB brachte die Entscheidung zugunsten der Essener. Felix Handschke versenkte einen Konter zur 28:26-Führung. Gunnarssons Anschluss zum 27:29 eine Minute vor dem Ende kam zu spät. Essen spielte die Restspielzeit clever zu Ende und hat nach dem 29:27-Sieg beste Aussichten, in der nächsten Saison in der 1. Liga zu spielen.

Die Bittenfelder laufen nun Gefahr, in die zweite Tabellenhälfte abzurutschen. Morgen müssen sie beim Spitzenreiter TSV GWD Minden antreten.

TV Bittenfeld: Lorger, Sdunek; Schimmelbauer (5), Schöbinger (5), Kienzle (1), Forstbauer, Weiß (8), Gunnarsson (2/1), Heib (2/1), Baumgarten, Sigtryggsson (3), Wehner, Salzer (1).

TUSEM Essen: Kulhanek, Bliß; Keller, Kühn (1), Pöter (2), Trodler, Pieczkowski (6), Seidel, Lindt (5), Handschke (4), Rahmel (5), Ciupinski, Prokopec (3/2), Kropp (3).