Ein besonders prickelndes Derby

Höheres und ausgeglichenes Niveau hatten sich die Reformbefürworter von der Einführung der eingleisigen 2. Liga versprochen. Tatsächlich ist die Saison äußerst spannend, es vergeht kein Spieltag ohne Überraschungen. Am Ende indes werden wohl eher die negativen Schlagzeilen hängenbleiben. Der TV Korschenbroich, der DHC Rheinland und die HSG Düsseldorf haben ihren Rückzug aus der 2. Liga angekündigt. Sollte die eine oder andere Mannschaft vorzeitig den Betrieb einstellen, müsste die Tabelle neu berechnet werden. Im schlimmsten Fall noch am vorletzten Spieltag (siehe Liga kompakt). „Das beschäftigt einen schon“, sagt Günter Schweikardt. „Für den Handball ist das alles sicher nicht gut.“ Der Bittenfelder Trainer wünscht sich „eine klare Anweisung der HBL“. Die betroffenen Vereine müssten sich äußern, ob sie die Saison durchziehen. Oder sie müssten sofort aufhören.

Die Konzentration der Bittenfelder richtet sich auf einen weiteren Saisonhöhepunkt. Das Derby gegen den TV Neuhausen/Erms wird das letzte in dieser Saison in der Porsche-Arena sein. Die Partie gegen die HSG Nordhorn-Lingen am 4. Mai wird nebenan in der Scharrena ausgetragen.

Die Spiele zwischen dem TVB und dem TVN sind immer etwas Besonderes gewesen. Abgesehen davon, dass sich einige Spieler sehr gut kennen, ging’s meist heiß her. In der vergangenen Saison klauten die Neuhausener dem TVB in der Porsche-Arena beim 24:24 einen Punkt. Auch ans Hinspiel in dieser Saison erinnert sich der TVN gerne, behielt er doch mit 30:27 die Oberhand. Es war der erste Pflichtspielsieg der Ermstäler im fünften Vergleich mit dem TVB. Am siebten Spieltag trennte die Bittenfelder bei 5:9 Zählern nur die bessere Tordifferenz von einem Abstiegsplatz, Neuhausen dagegen hatte sich mit 11:1 Punkten ganz vorne in der Tabelle eingenistet.

So ging’s auch noch eine Weile weiter: Zur WM-Pause im Januar lag der TVN mit 25:11 Punkten auf Rang zwei, punktgleich mit Spitzenreiter Minden. Der TVB hatte sich mit 19:17 Zählern ins Mittelfeld gerettet.

Inzwischen haben sich die beiden Mannschaften einander angenähert, mit einem Sieg würde Bittenfeld zu Neuhausen aufschließen. Vor ein paar Wochen hatte es danach nicht ausgesehen. Das Team von Trainer Markus Gaugisch schien stabil, lag bei 29:13 Punkten auf Kurs. Derzeit indes hat sie einen kleinen Durchhänger, 1:7 Punkte stehen zu Buche. Negativer Höhepunkt war die 25:28-Heimniederlage gegen Korschenbroich – die zweite in dieser Saison. Gleichzeitig war’s der erste Auswärtserfolg für den Vorletzten. „Neuhausen hat lange für Furore gesorgt“, sagt Schweikardt. Nun habe es auch erkennen müssen, dass während der lange Runde nicht immer alles funktioniere. Nichtsdestotrotz hat er großen Respekt vor dem eingespielten Gegner. Große Stärken des TVN sind die aggressive 3:2:1-Deckung und der daraus resultierende Gegenstoß. Besonders in Szene setzt sich dabei der schnelle Linksaußen Marcel Schiller. „Wir brauchen ein gutes Rückzugsverhalten und dürfen Neuhausen die Bälle nicht in die Hände spielen“, sagt Schweikardt. Am Ende werde das Team mit der besseren Tagesform siegen. „Wir wollen jedenfalls unser Publikum begeistern.“