Heimsieg der Wild Boys

Vor acht Tagen waren die Nerven der Bittenfelder Fans in der Porsche-Arena arg strapaziert worden, am Samstag mussten die knapp 1000 Zuschauer in der Gemeindehalle zittern. 24:23 führte der TVB eine knappe halbe Minute vor der Schlusssirene. Der ansonsten in der Abwehr bärenstarke und vorne treffsichere Tobias Schimmelbauer scheiterte unter Zeitspieldruck am sehr guten Erlanger Torhüter René Selke und bekam im Gegenangriff eine Zwei-Minuten-Strafe aufgebrummt.
Gästetrainer Frank Bergemann nahm die Auszeit, opferte den Torhüter zugunsten des siebten Feldspielers und wollte mit zwei Spielern in Überzahl den Ausgleich erzwingen. Viel fehlte nicht, und der kluge Erlanger Spielzug wäre von Erfolg gekrönt gewesen. Doch TVB-Keeper Gregor Lorger, zuvor eher glücklos, parierte zweimal glänzend und rettete den Bittenfeldern den etwas glücklichen, aber nicht unverdienten doppelten Punktgewinn.
Es entwickelte sich exakt jenes Spiel, das erwartet worden war. Beide Mannschaften hatten die ähnliche Taktik: Um nicht in den stehenden Angriff zu kommen, drückten sie mächtig aufs Tempo. Beim TVB war, wie schon gegen den DHC Rheinland, der quirlige Alexander Heib der Motor. Bei den Gästen zogen Daniel Pankofer und Hannes Münch die Fäden.
In der Anfangsphase ging der TVB mit seinen – guten – Chancen zu fahrlässig um. 4:4 stand’s nach zwölf Minuten in einer Partie, die von den starken Defensiven bestimmt wurde. Beim TVB spielte Tobias Schimmelbauer auf der vorgezogenen Position einen prima Part, störte den Spielfluss der Erlanger nachhaltig. Die Gäste machten dem TVB das Leben mit einer beweglichen und offensiven Abwehr schwer.
Dass die Franken die mit Abstand wenigsten Gegentreffer der Liga kassiert haben, liegt unter anderem auch an ihrer Nummer eins, Andreas Bayerschmidt. Am Samstag jedoch kam der Routinier überhaupt nicht in die Partie, nicht viel besser erging es seinem Gegenüber Gregor Lorger.
In den ersten 30 Minuten war’s ein verbissen, bisweilen hart geführtes Duell, mit dem die beiden Schiedsrichter Christoph Maier und Michael Kilp große Mühe hatten. Nach 23 Minuten hatten die Bittenfelder die erste Drei-Tore-Führung inne (10:7). Die indes war schnell wieder weg. Erlangen bestrafte Fehler des TVB im Angriff eiskalt mit Kontern, vornehmlich über den schnellen Benedikt Schwandner (12:12). Ein tolles Rückhandtor von Simon Baumgarten und ein Siebenmeter von Arnor Gunnarsson brachten dem TVB die 14:12-Halbzeitführung.
Nach 35 Minuten gab’s einen Doppelwechsel im Tor, der sich für beide Mannschaften auszahlte. Beim HCE kam Selke für Bayerschmidt, beim TVB Sdunek-Vertreter Felix Schmidl für Lorger. Schmidl führte sich mit zwei Reflexen gleich prima ein, nach Jürgen Schweikardts 18:14 (40.) lagen die Bittenfelder zum erstem Mal mit vier Toren vorne. Der Tabellendritte ließ sich aber nicht abschütteln, war beim 19:18 wieder dran (42.). Es folgte die beste Phase des TVB im Spiel. Die Gäste leisteten sich technische Fehler und Stürmerfouls und wirkten für wenige Minuten etwas desorientiert, der TVB legte zum 23:18 vor.
Elf Minuten vor dem Ende hätten Baumgarten und Schöbinger für die Vorentscheidung sorgen können, doch sie scheiterten frei stehend am glänzend reagierenden Selke. Plötzlich zeigte der TVB Nerven. Heibs Treffer zum 24:21 sieben Minuten vor dem Ende sollte der letzte für die Bittenfelder gewesen sein. Es knisterte in der stimmungsvollen Gemeindehalle, das Spiel wurde dramatisch. Beiden Teams unterliefen nun leichte Fehler, am Ende hatten die Bittenfelder das Glück auf ihrer Seite und brachten das 24:23 über die Zeit.

TV Bittenfeld: Lorger, Schmidl; Schimmelbauer (6), Schöbinger (2), Forstbauer, Weiß (3), Schweikardt (2), Gunnarsson (5/3), Heib (4/1), Baumgarten (2), Sigtryggsson, Wehner, Salzer.

HC Erlangen: Bayerschmidt, Selke; Müller, Schwandner (6), Hannes Münch (4), Krämer, Nienhaus (1), Hess (4), Schneck (3), Pankofer (2/1), Schmidtke, Stumpf (2), Urbasik, Link (1).