Gemeindehalle platzt aus den Nähten

Seine Vorstellungen hat der TV Bittenfeld jüngst Oberbürgermeister Andreas Hesky und den Fraktionsvorsitzenden vorgestellt, jetzt waren sie auch nicht-öffentlich Thema im Gemeinderat. Fest steht für den Bitten- felder Handball-GmbH-Geschäftsführer Jürgen Schweikardt: „Es wird mit jedem Jahr schwerer, konkurrenzfähig zu blei- ben.“ Um in der zweiten Bundesliga beste- hen zu können, müsse die Halle für Zu- schauer und Sponsoren gleichermaßen at- traktiv sein, beides sei in der Bittenfelder Gemeindehalle mit 1100 Plätzen davon 450 Sitzplätze – nicht gegeben.
Wer eine Karte für einen Stehplatz hat, muss früh kommen und sollte sich dann nicht mehr wegbewegen. Es gibt nur ein einziges Männersitzklo, dafür aber störende Pfeiler, die den Blick aufs Spielgeschehen verstellen, und zudem aus Sicht des Vereins einen völlig unzulänglichen VIP-Bereich. Der wird vor dem Spiel auf der Hallenbüh- ne eingerichtet und platzt laut Schweikardt aus allen Nähten. „Der Bereich auf der Bühne ist voll. Wir stoßen bei der Sponso- renakquise an Grenzen.“ Für Sponsoren, die etwa Geschäftspartner mitbringen wollen, sei der VIP-Bereich nicht attraktiv.
2006 sind die TV Bittenfeld-Handballer in die zweite Bundesliga aufgestiegen. Seit- dem finden die Spiele in Bittenfeld und in der Porsche-Arena in Cannstatt statt. Letztere werde gebraucht, um den Spielbetrieb aufrechterhalten zu können, sagt Schweikardt, „aber die Fans brauchen Bittenfeld“. Doch auch viele treue Fans stören sich in- zwischen an den fehlenden Plätzen, den Pfosten und dem einzigen Klo. Anfangs habe die kleine Gemeindehalle zwischen Schillerschule und Freibad noch eine Art Kultstatus gehabt, der aber sei inzwischen Vergangenheit. „Unser Problem zeichnet sich seit eineinhalb Jahren ab. Die Leute stören sich immer mehr, das merken wir auch an den Zuschauerzahlen.“ Dazu kommt: Dem TVB drohen von der Handball-Bundesliga Vorgaben für Hallenstandards, die in der Gemeindehalle nicht eingehalten werden können. „Wir müssen davon ausgehen, dass wir in dieser Halle irgendwann nicht mehr spielen dürfen“, bringt es Schweikardt auf den Punkt. Aber nicht nur die erste Mannschaft leidet unter der Halle. Problematisch sei mittlerweile auch die Jugendarbeit. „Wir kommen mit den Trainingskapazitäten nicht zurande.“ Weshalb teilweise drei Jugendmannschaften gleichzeitig trainieren müssten.
Angesichts dieser langen Mängel-Liste hat sich der TVB auf die Suche nach Abhilfe gemacht und zusammen mit einem Archi- tekten eine erste grobe Planung erstellt. Für seine Fans und die vielen Ehrenamtlichen, die sich im Verein engagieren, war und ist dem TVB laut Schweikardt eine Lösung in Bittenfeld selbst „extrem wichtig“ – am liebsten wäre ihm der bestehende Standort neben der Schule. Dass dort eine Erweiterung nicht gerade einfach wird gewünscht werden 1700 Sitzplätze, eine einfahrbare Tribüne und ein VIP-Bereich, ist den Bittenfeldern klar: „Wir wissen, dass es an dem Standort Probleme mit Parken und der Zufahrt gibt“, räumt Schweikardt ein, „aber es ist nicht unsere Aufgabe, diese Probleme in einem ersten Schritt zu bewerten.“ In einer ersten Kostenschätzung geht der TVB von zehn bis elf Millionen Euro aus. Sowohl der Verein als auch die TV Bittenfeld Handball GmbH wollen sich an einer Lösung beteiligen – in welchem Umfang, sei allerdings noch unklar.
Fest steht für den Verein indes: Es muss etwas getan werden, je schneller, desto besser. Schweikardt: „Vor zwei Jahren waren wir noch ausverkauft. Jetzt nicht mehr.“

„Wir können uns keine zwei Hallen leisten“

Oberbürgermeister Andreas Hesky favorisiert Standort an der Rundsporthalle

Wenn auch Oberbürgermeister Andreas Hesky und die meisten Fraktionssprecher Verständnis für die Wünsche des TV Bitten- feld haben: Eine Halle für mehr als zehn Millionen Euro in Bittenfeld kann sich nur BüBi-Rat Bernd Wissmann vorstellen.
„Zehn Millionen für eine Gemeindehalle halte ich nicht für vermittelbar“, sagt Ober- bürgermeister Hesky. „Diese Halle würde die gesamtstädtischen Interessen nicht mit abdecken.“ Als Groß-Sporthalle mit dem vom TVB gewünschten Raumprogramm setzt Hesky dagegen auf die Rundsporthalle in der Talaue. „So sehr mein Herz für den TVB schlägt: Wir können uns keine zwei Hallen leisten.“ Klar ist aber auch für den Oberbürgermeister, dass der TVB eine Per- spektive braucht. Denkbar wäre für ihn deshalb die Sanierung der Bittenfelder Halle, unter anderem mit neuen Toiletten und dem Anbau eines VIP-Bereichs. „Ich glaube nicht, dass es allein um die Zahl der Sitz- plätze geht, sondern auch um den Comfort und den Aufenthaltsbereich für Sponsoren.“ Vorstellbar wäre für Hesky eine Summe in der Größenordnung der Kosten für Wenn auch Oberbürgermeister Andreas Hesky und die meisten Fraktionssprecher Verständnis für die Wünsche des TV Bitten- feld haben: Eine Halle für mehr als zehn Millionen Euro in Bittenfeld kann sich nur BüBi-Rat Bernd Wissmann vorstellen.
„Zehn Millionen für eine Gemeindehalle halte ich nicht für vermittelbar“, sagt Ober- bürgermeister Hesky. „Diese Halle würde die gesamtstädtischen Interessen nicht mit abdecken.“ Als Groß-Sporthalle mit dem vom TVB gewünschten Raumprogramm setzt Hesky dagegen auf die Rundsporthalle in der Talaue. „So sehr mein Herz für den TVB schlägt: Wir können uns keine zwei Hallen leisten.“ Klar ist aber auch für den Oberbürgermeister, dass der TVB eine Per- spektive braucht. Denkbar wäre für ihn deshalb die Sanierung der Bittenfelder Halle, unter anderem mit neuen Toiletten und dem Anbau eines VIP-Bereichs. „Ich glaube nicht, dass es allein um die Zahl der Sitzplätze geht, sondern auch um den Comfort und den Aufenthaltsbereich für Sponsoren.“ Vorstellbar wäre für Hesky eine Sum- me in der Größenordnung der Kosten für die Halle im Staufer-Schulzentrum – etwa vier bis fünf Millionen Euro. „Man muss in- vestieren, da sollte man sich nichts vormachen“, ist er überzeugt. „Wir haben das Glück, zwei gute Vereine zu haben, die Bundesliga spielen. Davon wird die Stadt geprägt.“
Auch nach Ansicht der CDU soll nach Aussagen ihres Sprechers Siegfried Kasper die Rundsporthalle „die wettkampftaugliche Halle für die Gesamtstadt“ werden. „Wir präferieren einen Hallenbau zentral in der Stadt, bestens erschlossen, wo viele Parkplätze vorhanden sind“, sagt Kasper. Zwei neue Hallen könne die Stadt nicht schultern, wenn es in Bittenfeld aber die Möglichkeit einer Sanierung gebe, wäre die CDU Kasper zufolge offen dafür. „Wir sind froh um den TVB, aber Waiblingen ist finanziell nicht so aufgestellt, dass wir uns zwei Hallen leisten können.“ Schön wäre es nach Ansicht Kaspers, wenn Bittenfeld in der neuen Rundsporthalle spielen würde: „Das ist nicht undenkbar.“
Eine neue Sporthalle in Bittenfeld kann sich die SPD gar nicht vorstellen. Dies sei nicht zuletzt aufgrund der Verkehrsinfrastruktur nicht möglich, sagt Klaus Riedel. Möglich wäre aus seiner Sicht allenfalls eine Sanierung: „Man muss gucken, was man an der Halle verbessern kann. Ich sage aber klar, der Verein muss sich selbst daran beteiligen.“ Auch bei der Rundsporthalle müsse erst mal untersucht werden, was getan werden muss: „Dann sehen wir weiter.“
Für DFB-Fraktionssprecher Friedrich Kuhnle ist dagegen klar: „Bei der Rund- sporthalle muss was passieren.“ Noch keine Aussagen will er indes zur Hallensituation in Bittenfeld machen: „Es sind noch zu viele Fragen offen.“ Verständnis für die Wünsche des TV Bittenfeld hat Julia Goll (FDP). „Er ist ein Aushängeschild für Waiblingen.“ In- vestitionen von mehr als zehn Millionen Euro in eine Halle in Bittenfeld könne sie sich aber schwer vorstellen: „Das müsste eine Lösung für die ganze Stadt sein. Aber wir sind erst am Anfang der Überlegun- gen.“ Auch ALi-Chef Alfonso Fazio will noch keine abschließende Meinung äußern. Der TVB müsse klar sagen, was er an Eigen- leistungen einbringen wolle. „Nach meiner Einschätzung kann sich die Stadt aber kei- ne zehn bis 15 Millionen leisten.“ Als Bittenfelder und als Handballspieler macht sich BüBi-Rat Bernd Wissmann da- gegen für die Verbesserung der Hallensi- tuation stark. In diese Richtung zielen auch seine Haushaltsanträge, wonach geprüft werden soll, ob ein Ausbau der Gemeinde- halle und die Sanierung der Rundsporthalle möglich sind. Zudem soll die Verwaltung auf Standortsuche für eine neue Großhalle gehen und dabei auch Neustadt, Hohen- acker und Bittenfeld einbeziehen. „Es ist klar, dass es eine schwierige Situation für die Stadt und den Verein ist.“
Von der Hallendiskussion betroffen ist indes nicht nur der TV Bittenfeld, sondern auch der VfL Waiblingen. „Wir wären mit der Grundsanierung der Rundsporthalle glücklich“, sagt Jörg Heinz, Spielleiter Frauenbereich. Die Halle sei in die Jahre gekommen, für Sportler und Zuschauer grenzwertig. Problematisch sieht er eine Multifunktionshalle, „da nimmt man sich Zeiten“. Der VfL habe schon jetzt Schwie- rigkeiten, seine Mannschaften unterzubringen. „Wir sehen unsere Verpflichtung auch in der Jugend. Wir wollen Spieler ausbilden. Aber die Zeiten sind begrenzt.“