Die Arena soll wieder Flügel verleihen

Der 37:35-Sieg der bis dato mit Bittenfeld punktgleichen Bietigheimer in Minden war die Überraschung des neunten Spieltags. Der Aufstiegskandidat Nummer eins hatte davor alle vier Heimspiele sehr deutlich gewonnen, Bietigheim war in der Fremde ohne Punkt. Hatte der TVB bis Dienstag noch gehofft, die Mindener könnten ihn heute Abend vielleicht unterschätzen, darf er sich von dieser Wunschvorstellung verabschieden. „Die Aufgabe war von vorneherein nicht einfach, jetzt wird sie für uns noch schwerer“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. Andererseits hätten die Bietigheimer gezeigt, dass auch Minden zu schlagen sei. Bisher war dies nur der HSG Nordhorn-Lingen am vierten Spieltag beim 29:28 gelungen. „Bietigheim hat von Anfang an gut mitgehalten und sehr gut gespielt“, sagt Schweikardt nach Studium der DVD. „Jetzt wollen wir versuchen, es unserem Nachbarn gleichzutun. Aber natürlich ist Minden klarer Favorit.“

In der vergangenen Saison war Minden als Zweiter der Nordstaffel in der Relegation am TV Hüttenberg gescheitert. Wo das Team um den Manager und Ex-Bundestrainer Horst Bredemeier in der nächsten Saison spielen will, ist kein Geheimnis: Der Traditionsclub Grün-Weiß Dankersen Minden will – mit dem größten Etat aller Zweitligisten ausgestattet – zurück in die erste Liga.

Nicht nur die angeblichen 2,4 Millionen in der Kasse sind ein deutlicher Hinweis auf das Saisonziel. Auch die Zusammenstellung der Kaders. Der dänische Nationalspieler Rene Bach Madsen hat Minden zwar ebenso verlassen wie Junioren-Nationaltorhüter Nils Dresrüsse (TBV Lemgo), der slowakische Nationalspieler Marian Hunady und der isländische Nationalrechtsaußen Gylfi Gylfason. Die Neuverpflichtungen dürften die Verluste jedoch ausgleichen. Mindestens.

Aleksandar Svitlica heißt der neue Rechtsaußen. Svitlica kommt vom spanischen Erstligisten BM Granollers, er hat 50 Länderspiele für Montenegro bestritten. In Schweden, wo er vor seinem Spanien-Engagement spielte, wurde der 29-Jährige 2007 ins All-Star-Team der ersten Liga gewählt.

Fürs Tor kam der 23-jährige 50-fache Junioren-Nationalspieler Jens Vortmann vom Erstliga-Absteiger DHC Rheinland, er bildet mit dem länderspielerprobten Schweden Anders Persson ein starkes Gespann.

Für den linken Rückraum holte Minden den 2,08 Meter großen slowenischen Nationalspieler Nenad Bilbija vom slowenischen Spitzenclub RK Celje. Mit dem 123-fachen schwedischen Nationalspieler Dalibor Doder hat Minden einen der besten Spielmacher der Bundesliga in seinen Reihen. Der 33-Jährige spielte zuvor bei Ademar Leon in Spanien. In der vergangenen Saison war Doder mit 196 Toren der beste Mindener Torschütze, dicht gefolgt von Aljoscha Schmidt (189). Der Linksaußen bringt Erstligaerfahrung aus Wetzlar und Essen mit.

Mit Doder, Bilbija und dem lettischen Auswahlspieler Evars Klesniks ist der Rückraum top besetzt. Am Kreis spielt der routinierte Schwede Carl Johann Andersson. Auch er bringt – natürlich – Länderspielerfahrung mit. Eine Mannschaft wie Minden sei schwer zu verteidigen, sagt Schweikardt. „Wir haben nur eine Chance, wenn es unserer Abwehr gelingt, den Gegner einigermaßen auf Distanz und unter Druck zu halten.“ Mit 280 Toren stellt Minden aktuell den besten Angriff der Liga. Ein wichtige Rolle wird heute den Bittenfelder Torhütern zukommen. Sollten Gregor Lorger und Daniel Sdunek das Duell mit Vortmann und Persson ausgeglichen gestalten können, steigen die Chancen des TVB auf eine Überraschung.Ihr Abschlusstraining absolvierten die Bittenfelder gestern Abend in der Porsche-Arena. Damit die Spieler wieder wissen, wie sie sich anfühlt.