Bittenfeld demontiert HC Rostock

Mit nur drei Punkten aus fünf Spielen stand der TVB am Samstagabend vor 850 Zuschauern in der Gemeindehalle mächtig unter Druck. Eine neuerliche Niederlage hätte Bittenfeld ans Tabellenende festgenagelt – und das vor dem schweren Derby am kommenden Samstag beim noch ungeschlagenen TV Neuhausen/Erms. Angesichts der zuletzt durchwachsenen Auftritte schien die Serie von 17 Spielen ohne Niederlage in der Gemeindehalle gefährdet.

Empor Rostock trotzte am fünften Spieltag dem Erstliga-Absteiger TSG Ludwigshafen-Friesenheim einen Punkt ab, entsprechend selbstbewusst begann der HCE in Bittenfeld. Vyron Papadopoulos störte in der 5:1-Deckung weit vorne auf der vorgezogenen Position den Spielaufbau des TVB, der damit zunächst so seine Probleme hatte. Die Bittenfelder rückten von ihrer gewohnten 6:0-Formation ab: Tobias Schimmelbauer versuchte, allerdings defensiver ausgerichtet als Papadopoulos, die Kreise des Rostocker Spielmachers Michal Bruna und damit dessen Anspiele auf Kreisläufer Rico Göde zu stören.

Das funktionierte in der Anfangsphase noch nicht so gut. Rostock spielte im Angriff variabel und hebelte die Bittenfelder Deckung immer wieder geschickt aus. Nach zehn Minuten führten die Gäste mit 5:4.

Nach einer Viertelstunde nahm für Rostock das Unheil seinen Lauf

Nach einer Viertelstunde, beim 7:7, schickten die guten Schiedsrichter Christopher Biaesch und Frank Sattler mit Gabor Langhans zum ersten Mal einen Spieler für zwei Minuten auf die Strafbank – womit das Unheil für die Rostocker begann. Tore von Arnor Gunnarsson, Schimmelbauer und zwei des erneut starken Spielmachers Alexander Heib mit beherzten Aktionen brachten dem TVB die 11:7-Führung (18.).

Mit einer Auszeit versuchte der Rostocker Trainer Holger Schneider den Schwung des TVB zu stoppen, doch das Gegenteil war der Fall. Die Bittenfelder spielten plötzlich wie befreit von aller Last. Die Abwehr vor dem sehr guten Torhüter Daniel Sdunek ließ kaum eine geordnete Aktion der Gäste zu, die fortan völlig hilflos wirkten. Der TVB fing die Bälle gleich reihenweise ab und setzte Konter an Konter. Und im Gegensatz zu den Spielen zuvor stimmte diesmal auch die Abschlussquote. Für die zuletzt nicht gerade erfolgsverwöhnten Linkshänder Arni Sigtryggsson und Jan Forstbauer war’s das perfekte Spiel, wieder Selbstvertrauen zu sammeln. Forstbauer war am Ende mit sechs Toren zweitbester Werfer nach Gunnarsson (8).

Die Gäste waren zur Halbzeitpause schon geschlagen

Rostock hatte dem Angriffswirbel der Bittenfelder nichts entgegenzusetzen, spielte fahrig und war zur Pause beim 19:8 im Grunde bereits geschlagen.

Die Pessimisten unter den TVB-Fans trauten der Sache allerdings noch nicht so ganz. Schließlich ist der TVB bekannt dafür, einen komfortablen Vorsprung zu verspielen oder den Gegner zumindest herankommen zu lassen. Diesmal indes blieb er konzentriert. Rostock versuchte es in den zweiten Minuten mit einer 6:0-Deckung, zurück ins Spiel fanden sie aber nicht. Die Bittenfelder konterten den Gegner weiterhin nach Herzenslust aus und hielten ihn bis zum Ende mit mindestens zehn Toren auf Distanz.

Dass die Bittenfelder Abwehr im zweiten Spielabschnitt bisweilen nicht immer mit der letzten Konsequenz zu Werke ging, der Angriff die eine oder andere dicke Chance liegenließ und der TVB höher als 37:22 hätte gewinnen können: geschenkt. Unterm Strich war’s eine überzeugende Vorstellung des TVB gegen einen allerdings auch früh resignierenden Gegner.

Am Samstag jedoch werden die Bittenfelder auf einen ganz anderen Gegner treffen: Der TV Neuhausen/Erms ist nach seinem 31:27-Sieg in Korschenbroich das einzige noch ungeschlagene Team in der 2. Bundesliga.

TV Bittenfeld: Sdunek, Lorger (n.e.); Schimmelbauer (4), Schöbinger, Salzer (3), Forstbauer (6), Weiß (3), Pabst (1), Schweikardt (3), Gunnarsson (8/4), Heib (5), Sigtryggsson (4).

HC Empor Rostock: Storbeck, Schröder; Bruna (1), Gorniak (1), Dethloff (1), Langhans (6/2), Meschke (2), Gruszka (4/1), Papadopoulos (2), Wetzel (1), Sadewasser, Göde (4), Zemlin.

Stimmen der Spieler zum Spiel:

Daniel Sdunek, Torhüter des TV Bittenfeld: „In den vergangenen Spielen haben alle etwas unglücklich ausgesehen, mich eingeschlossen. Heute haben wir eine top Deckung gespielt, das macht es für einen Torhüter natürlich einfacher. Entscheidend war, dass wir heute unsere Dinger auch reingemacht haben. Wir haben heute gezeigt, dass wir zu Recht in dieser Liga sind und nicht auf diesen Tabellenplatz gehören, auf dem wir vor dem Spiel standen.“

Thorsten Salzer, Spieler des TV Bittenfeld: „Die letzten zwei Auswärtsspiele waren nicht optimal. Die Aufgabe heute haben wir souverän gelöst. Mit der Zeit hat Rostock die Lust verloren, unvorbereitet geworfen und unpräzise Pässe gespielt.“

Florian Schöbinger, Spieler des TV Bittenfeld: „Wir haben heute einige dankbare Bälle aufs Tor bekommen und sind endlich mal wieder zu unseren Kontern gekommen. Rostock ist etwas behäbig zurückgelaufen. Unsere Quote in Abwehr wie Angriff war viel besser als zuletzt, Tobias Schimmelbauer hat eine starke Partie gemacht auf der Eins.“