Drobek: „Ich bin kein Show-Typ“

Als der Bittenfelder Hallensprecher Jens Zimmermann bei der Verabschiedung dreier Spieler nach dem letzten Saisonheimspiel die Laudatio auf Ludek Drobek hielt, schien es dem langen Tschechen fast ein bisschen unangenehm. „So ein richtiger Abschied war’s ja nicht“, sagt er mit ein paar Tagen Abstand. „Ich bleibe ja im Verein.“

Ein Mann der großen Gesten ist er nie gewesen in den vier Jahren beim TV Bittenfeld. Mit stoischer Ruhe hat er die TVB-Abwehr dirigiert. Wenn’s sein musste, langte er auch mal hin und büßte dafür die eine oder andere Minute auf dem Sünderbänkchen. Hinterlistige Aktionen indes waren nie von ihm zu sehen. Und er machte, anders als beispielsweise der Nationalmannschafts-Abwehrchef Oliver Roggisch, kein großes Theater, wenn ihn die Schiedsrichter des Feldes verwiesen.

Als Defensivkünstler tauchte Drobek selten im Angriff auf. Zwangsläufig lief er manchen Konter mit. Hatte er den Ball im gegnerischen Tor versenkt, ertönten laute „Luuuuudek“-Rufe von der Tribüne. Drobek war so etwas wie der Sieggarant des TVB. „Wenn ich ein Tor geworfen habe, haben wir nie verloren“, sagte er einst.

In Bittenfeld zum ersten Mal kein Profi

So ganz genau nachgewiesen ist das nicht. So oder so: Die Bittenfelder Fans mögen Ludek Drobek. Als Publikumsliebling jedoch sieht er sich nicht. „Ich bin nicht extravagant und kein Show-Typ. Das ist nicht meine Natur.“ Möglicherweise, sagt er, hätte er sich anders entwickelt, wäre er vor 15 Jahren nach Deutschland gekommen. Von Tschechien aus zog’s ihn zunächst nach Israel, von dort nach Italien, Frankreich und schließlich in die deutsche Bundesliga.

Mit dem Wechsel nach Bittenfeld im Sommer 2007 begann für Drobek ein neuer Abschnitt: Zum ersten Mal verdiente er seinen Lebensunterhalt nicht ausschließlich mit dem Handball. Bei einem Sponsor des TVB fand er Arbeit in seinem erlernten Beruf als Werkzeugmacher.

Einen sportlichen Rückschlag musste Drobek Ende des vergangenen Jahres verkraften: Der Rücken machte nicht mehr mit, Anfang dieses Jahres musste sich Drobek einer Bandscheibenoperation unterziehen. „Ich denke, das ist eine zwangsläufige Abnutzung, auch aufgrund meiner Größe.“

Ursprünglich wollte er noch eine Saison in der ersten Mannschaft dranhängen. Nach intensiven Gesprächen und Überlegungen hat er sich anderes entschieden. Auch, weil die zeitliche Belastung in der eingleisigen 2. Liga noch größer sein wird. „Siebenmal Training, die Arbeit und die Familie: Das ist einfach zu viel.“

So ganz ohne Handball kann Drobek aber nicht sein. Künftig wird er dem jungen Perspektivteam, das in die Württemberg-Liga aufgestiegen ist, mit seiner Erfahrung weiterhelfen. Auf und neben dem Spielfeld. Drobek soll die Abwehr zusammenhalten und sich als Co-Trainer von Michael Rill um die Defensivabteilung kümmern. Ähnlich, wie das Klaus Hüppchen in der ersten Mannschaft tut.

Zweimal die Woche wird Drobek mit dem Perspektivteam mittrainieren, einmal mit der Zweitligamannschaft. „Damit der Kontakt nicht abreißt. Und sollte sich jemand verletzen, werde ich einspringen. Falls ich gebraucht werde.“ Er werde sich fit halten, um im Ernstfall eine gute Figur zu machen. „Ich sage immer, was der Körper bekommt, das gibt er einem auch wieder zurück.“ Und ein paar Stunden mehr Regenerationszeit können einem 35-Jährigen kaum schaden.

Auch wenn Drobek in der nächsten Saison nicht mehr ganz so nah am Zweitligateam dran sein wird: Er ist gespannt, wie sich der TVB schlagen wird. „Der Druck wird noch größer sein als dieses Jahr, das müssen alle kapieren.“ Mit den weiten Reisen müssten die Spieler erst klarkommen, ebenso mit den Gegnern, die größtenteils von anderem Kaliber seien. „Die Hälfte der Mannschaften hatte schon mit der 1. Liga zu tun.“ Drobek befürchtet, dass sich mancher Verein finanziell übernehmen könnte.

Er ist überzeugt davon, dass dem TVB dies nicht passieren wird. Seit er hier sei, seien nie Spieler ohne gründliche Prüfung verpflichtet worden. „Jeder hat zur Mannschaft gepasst, jeder hat seine Leistung gebracht“, sagt Drobek und lobt den Trainer und das Management. „Ich glaube, unser Trainer Gino Schweikardt hat ein Näschen für die richtigen Spieler.“

Wichtig sei’s, das richtige Maß zu finden zwischen Spielern von außen und Talenten aus den eigenen Reihen. Sicherlich sei die Atmosphäre in Bittenfeld am Anfang noch familiärer gewesen. Mit der Verpflichtung von Nationalspielern und Bundesligaspielern habe sich das ein bisschen geändert. „Aber das ist eine natürliche Entwicklung und geht auf diesem Niveau nicht anders.“

Ein Plausch mit den Fans gehört dazu

Entscheidend sei, dass auch die gestandenen Spieler den Kontakt zu den Zuschauern suchten. „Wenn wir nach dem Training oder Spiel ins Vereinsheim gehen, gehört es einfach dazu, mit den Fans ein bisschen zu plaudern.“ Genauso müssten die älteren Spieler den Kontakt zu den jungen pflegen und dürften nicht den „Macho“ heraushängen lassen. Ohne Spieler aus den eigenen Reihen, da ist sich Drobek sicher, kann ein Verein wie der TV Bittenfeld nicht existieren. „Der Verein braucht ein breites Fundament, aus dem er schöpfen kann.“ Die Rahmenbedingungen seien vorhanden, sie könnten aber noch besser genutzt werden. Das Problem: Auch hierfür sei Geld notwendig.

Wie lange die Familie Drobek noch in Bittenfeld bleiben wird, ist noch nicht klar. Irgendwann soll’s in die Heimat zurück, wo die Drobeks ein Haus haben. „Ursprünglich wollten wir heim, sobald der ältere Sohn in die Schule muss.“ Der wird jetzt neun, das Thema ist fürs erste durch. Zum Schuleintritt des jüngeren (5) wird’s wohl auch kaum mehr reichen. „Wenn wir noch lange warten, sprechen die Kinder überhaupt kein Tschechisch mehr.“