Das Bittenfelder Perspektivteam ist am Ziel

Der Vizemeister des Vorjahres geht normalerweise als Mitfavorit in die Saison. Die Verantwortlichen des TV Bittenfeld II indes waren unsicher, wie stark die Mannschaft sich präsentieren wird. Platz eins bis vier, so lautete das vorsichtige Saisonziel. Skeptisch war Trainer Michael Rill vor allem, weil mit Kai Reber und Alexander Gora der zweit- und drittbeste Torschütze nicht mehr im Kader standen. Mit Gora fiel zudem der Mittelblock weg.

Hochkarätige Neuzugänge gab’s nicht. Die 17-jährigen Marc Wissmann und Michael Seiz rückten ebenso nach wie Amerika-Rückkehrer Alexander Bischoff und Jeremiah Ganter nach einer einjährigen Verletzungspause. Von den SF Schwaikheim kam Marc Sladek. Der 28-Jährige bildete mit Steffen Krieg (29) das Torhütergespann. Das war’s allerdings schon fast mit der Routine im Team – abgesehen von Thomas Randi (29). Für den Trainer war der Rückraumspieler eine zentrale Person im Team. „Er sagt, wo’s langgeht. So einer ist unverzichtbar.“

In der Breite war der Kader im Vergleich zum Vorjahr besser besetzt. Zudem standen mit Martin Kienzle, Marvin Gille, David Krammer und in der Rückrunde Marcel Lenz Spieler zur Verfügung, die Einsatzzeiten im Zweitligateam vorwiesen. Die Frage war allerdings trotzdem, wie der TVB II die Abgänge verkraften würde. An den Resultaten zumindest waren die Verluste nicht abzulesen: Die Bittenfelder starteten mit 10:0 Punkten. „Zu diesem Zeitpunkt waren wir aber spielerisch schlechter als im vergangenen Jahr“, sagt Rill.

Das habe unter anderem daran gelegen, dass er zu Beginn der Saison sein Hauptaugenmerk auf die Defensive setzte. „Das passte zwar nicht so recht ins Bittenfelder Konzept, aber es hat sich gezeigt, dass es die richtige Wahl war.“ Am sechsten Spieltag folgte der Schock: Beim 22:34 in eigener Halle gegen den TV Grabenstetten waren die Bittenfelder von Beginn an chancenlos. „Das war ein Klassenunterschied“, sagt Rill. „Da kamen große Zweifel auf, von Platz eins sprach zu diesem Zeitpunkt niemand. Allenfalls vom zweiten.“

Im Nachhinein sei die Schlappe vielleicht zum richtigen Zeitpunkt gekommen, weil sie den großen Druck von der Mannschaft genommen habe. Das 29:29-Unentschieden im nächsten Heimspiel gegen Esslingen war für Rill kein Beinbruch, schließlich gehöre Esslingen an einem guten Tag zu den Spitzenmannschaften der Liga.

Für Auftrieb sorgten die Derbysiege gegen die SG Schorndorf und beim VfL Waiblingen II – und die Erfolge bei vermeintlich schwächeren Mannschaften wie Kirchheim oder Hohenacker. Vor diesen Spielen hätten seine Spieler aufgrund des Harzverbots mächtig Respekt gehabt. Der TVB II schloss die Hinrunde als Tabellenführer mit 19:3 Punkten und einem Zähler Vorsprung vor Grabenstetten, Zizishausen und Unterensingen ab.

Nahezu perfekt startete der TVB II in die Rückrunde mit Siegen gegen die Verfolger Unterensingen und Zizishausen. In Unterensingen hatte der Trainer zum ersten Mal Marcel Lenz mit dabei. Der Zweitligaspieler war lange verletzt und sammelte im Landesligateam wieder Spielpraxis. „Es war ganz wichtig, dass wir ihn zur Verfügung hatten“, sagt Rill.

Einen Big Point landeten die Bittenfelder am 16. Spieltag: Mit 24:22 setzten sie sich beim Titelkandidaten Grabenstetten durch. Spätestens jetzt nahm der TVB II auch das Wort Direktaufstieg in den Mund – und blieb in der Schlussphase ruhig. Am drittletzten Spieltag machte er mit dem 38:29-Sieg gegen den TSV Owen/Teck die Meisterschaft perfekt. In Schorndorf machten die Bittenfelder einen Knopf an ihre beeindruckende Auswärtsbilanz: elf Spiele, elf Siege. Zu Hause jedoch lief’s, nicht nur bei der abschließenden 21:32-Niederlage gegen den VfL Waiblingen II, nicht immer so rund. „Vor eigenem Publikum spürten die Jungs mehr Druck.“

Rill ist froh, dass seine Mannschaft mit dem Aufstieg belohnt worden ist. „Der war auch mein persönliches Ziel“, sagt er. „Ich weiß nicht, ob ich noch einen dritten Anlauf gemacht hätte.“ Erfolgreich waren die Bittenfelder nicht nur bei der Punktausbeute, auch die jungen Spieler hätten sich gut entwickelt. Die Rückkehrer Ganter und Bischoff hätten ihre Sache sehr gut gemacht, sagt Rill. Auch Wissmann und Seiz hätten den Sprung von der Jugend zu den Aktiven prima gemeistert.

In der Württemberg-Liga, da ist sich Rill sicher, müsse die gesamte Mannschaft eine Schippe drauflegen. „Wir müssen körperlich präsenter sein und professioneller arbeiten“, sagt er. „Das wird ein weiterer großer Schritt für uns.“ Wie der Kader in der nächsten Saison aussehen wird, ist noch nicht sicher. Dies hänge auch davon ab, wie die Zweitligamannschaft aussehen werde. Sollte ein Spieler von außen hinzustoßen, müsse er in die Struktur des Teams passen.