Schöbinger ist erste, aber nicht einzige Option

HG Saarlouis (9. Platz, 22:22 Punkte) – TV Bittenfeld (7. Platz, 26:18 Punkte/Samstag, 19.30 Uhr). Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt? Das wäre sicherlich etwas zu dick aufgetragen nach dem tollen Spiel vor einer Woche gegen den designierten Aufsteiger Bergischer HC und der schweren Verletzung von Simon Baumgarten (wir haben berichtet). Getrübt ist die Stimmung bei den Bittenfeldern aber zweifellos, auch wenn sich Günter Schweikardt kämpferisch gibt. „Ich bin zuversichtlich, dass wir unser Ziel trotzdem erreichen“, sagt der Trainer. „Aber natürlich ist Simons Ausfall für uns ein gewaltiger Rückschlag.“

Zwölf Spiele müssen die Bittenfelder ohne ihre Nummer eins am Kreis auskommen, die zudem auch in der Abwehr deutlich zugelegt hat. Möglichst schnell muss Schweikardt im Training nach Lösungen suchen. Florian Schöbinger alleine kann – und soll – Baumgarten nicht ersetzen. Zumal Schöbinger zuletzt seine Qualitäten im Rückraum gezeigt hat. „Wir werden versuchen, Simon im Team zu ersetzen“, sagt Schweikardt.

Im Spiel morgen werden sich die Bittenfelder nicht nur mit der Besetzung ihrer Kreisposition zu beschäftigen haben. Die HG Saarlouis hat nach der SG BBM Bietigheim den torgefährlichsten Angriff der Liga. Mit Schrecken erinnern sich die TVB-Fans ans Hinspiel, in dem Daniel Sdunek und Bastian Rutschmann 41-mal hinter sich greifen mussten. Tobias Schimmelbauer erzielte fünf Sekunden vor dem Ende den entscheidenden 42. Treffer zum knappen und glücklichen Sieg des TVB. Dabei hatten die Bittenfelder schon mit sieben Toren Differenz geführt. „Eine der Stärken der Saarlouiser ist, dass sie nie aufgeben“, sagt Schweikardt.

18 der 41 Saarlouiser Tore im Hinspiel gingen auf das Konto von Danijel Grgic und Daniel Fontaine. Das Rückraumduo hat die Bittenfelder schon öfter ausgiebig beschäftigt. In der vergangenen Saison hatte der TVB am letzten Spieltag noch die Chance auf den zweiten Platz und damit die Relegation, er verlor jedoch in Saarlouis mit 31:33. Grgic war allein 17(!)-mal erfolgreich. Beim 34:34 im Hinspiel traf das Duo Grgic/Fontaine 15-mal.

Schweikardt hat Respekt vor dem 30-fachen kroatischen Nationalspieler Grgic und dessen Rückraumpartner Fontaine. Sich alleine auf die beiden zu fokussieren, wäre indes fatal. Mit dem Polen Aleksander Kokoszka im Rückraum, Linksaußen Dirk Holzner und dem lettischen Nationalspieler Ingars Dude am Kreis hat sich die HG sehr gut verstärkt. In der Winterpause kam noch Otto Fetser vom Liga-Konkurrenten Tuspo Obernburg hinzu. Stets für ein paar Tore gut ist auch das fanatische Saarlouiser Publikum. Zuletzt holte die Mannschaft von Trainer André Gulbicki beim Tabellensechsten TV Neuhausen/Erms beim 30:30 einen verdienten Punkt.

Der Vorjahreszwölfte hat sich die Qualifikation zur eingleisigen 2. Liga als Ziel gesetzt. Derzeit wäre die HG knapp dabei, sie liegt allerdings nur einen Punkt vom Relegationsplatz weg. Vier Zähler mehr als der Gegner hat der TVB auf dem Konto, mit einem Sieg könnte er einen der härtesten Konkurrenten auf Distanz halten. „Ein Sieg in Saarlouis wäre doppelt wichtig für uns“, sagt Schweikardt. „Es ist klar, dass wir uns nicht auf unsere Heimspiele verlassen dürfen.“ Können die Bittenfelder eine ähnlich stabile Deckung stellen wie gegen den Bergischen HC, stehen die Chancen nicht schlecht. Vorausgesetzt, sie halten im Angriff annähernd ihr Niveau. „Unsere Defensive wird sicher wieder der Schlüssel zum Erfolg sein“, sagt Schweikardt. Auf der anderen Seite gehört die Abwehrarbeit der Saarlouiser nicht gerade zu ihren Stärken. Und unverwundbar sind sie auch in der eigenen Halle nicht, viermal schon in dieser Saison blieben sie dort ohne Punkte.

„Wir fahren mit Selbstbewusstsein und ohne Angst hin“, sagt Schweikardt. Auf Marcel Lenz wird der Trainer wieder verzichten, er spielte sich ansonsten fest. Möglicherweise wird Schweikardt einen Spieler aus dem Perspektivteam mitnehmen.