Kampf und Eleganz des TVB

Die Pressekonferenzen in der Bittenfelder Gemeindehalle beginnen normalerweise zehn Minuten nach Spielende. Am Samstag mussten sich die Fans und Medienvertreter ein bisschen länger gedulden. Hans-Dieter Schmitz, Trainer des Bergischen HC, zog es nach dem 28:36-Debakel seines Teams offensichtlich vor, zweimal Luft zu holen.

Der Schock nach zehn Siegen in Folge saß tief beim Spitzenreiter, doch Schmitz zeigte sich als fairer Verlierer. Zunächst jedenfalls. „Bittenfeld war willensstark und hat taktisch sehr gut gespielt“, sagte er. „Wenn man so eine Serie hat wie wir, wird man vielleicht doch ein bisschen überheblich.“ In Bittenfeld sei seine Mannschaft wieder auf den Boden zurückgeholt worden.

Am nächsten Tag indes hatte Schmitz zwei Mitschuldige für die vierte Saisonniederlage ausgemacht. Gegenüber der Westdeutschen Zeitung kritisierte der Coach die Schiedsrichter Christian Moles und Lutz Pittner. Die beiden „bösen Fouls“ Jürgen Schweikardts gegen Kristoffer Kleven Moen und Jiri Vitek hätten mit der Roten Karte geahndet werden müssen, sagte Schmitz. „Wir haben uns von der Härte und Aggressivität der Gastgeber den Schneid abkaufen lassen.“

Nicht erwähnt hat Schmitz, dass auch seine Spieler einen nicht unerheblichen Teil dazu beitrugen, dass die Partie nicht gerade den Charakter eines Freundschaftsspiels hatte. Das war allerdings nach dem monatelangen Rechtsstreit im „Fall Pekeler“ auch nicht zu erwarten gewesen. Zumal im Umfeld des BHC die Bedeutung des Aufeinandertreffens hochgespielt worden war – auch wenn der Löwen-Trainer davor warnte, „angesichts von Rachegelüsten zu überdrehen“.

Die Wuppertaler Rundschau schrieb: „Mit dem Spiel in Bittenfeld beginnen für den BHC die Wochen der Abrechnung. In direkter Folge trifft der Spitzenreiter auf die drei Teams, die ihm zuvor am grünen Tisch die Punkte abnehmen wollten.“

Ob die hitzige Atmosphäre in der Gemeindehalle ausschließlich auf die juristische Auseinandersetzung zurückzuführen war? Jedenfalls hatten auch die Aktionen von Moen und Kenneth Klev gegen Florian Schöbinger und Arnor Gunnarsson, beide in den ersten 30 Minuten, nicht besonders viel mit körperbetontem Handball zu tun. Und Hendrik Pekeler übte sich auch nicht gerade in Zurückhaltung.

Gewonnen haben die Bittenfelder das Spiel jedoch nicht alleine mit ihrer Kampfkraft. Taktisch hervorragend eingestellt stellten sie den Favoriten vor unlösbare Aufgaben. „In der ersten Halbzeit haben wir in der Abwehr ganz toll gespielt“, sagt Schweikardt. „Wir haben den Gegner unter Zugzwang gebracht.“ Beispielsweise den besten Torschützen des BHC, Kenneth Klev. Der Norweger traf öfter die Werbebanner an der Wand als das Bittenfelder Tor.

Und vorne hatte der TVB die eine oder andere Überraschung parat: Die Löwen hatten offensichtlich Adrian Wehner und Jan Forstbauer überhaupt nicht auf der Rechnung. Die beiden, wie auch Dominik Weiß, begegneten der defensiven Löwen-Deckung mit viel Schwung. „Aber eigentlich darf man keinen Spieler hervorheben, das war durch die Bank eine super Leistung.“ Die will Schweikardt auch nicht geschmälert wissen durch Aussagen des Gegners, des BHC habe noch nie so schlecht gespielt. „Es gehören immer zwei dazu“, sagt Schweikardt. „Wir haben den Gegner nicht zur Entfaltung kommen lassen und gezeigt, welche Fähigkeiten wir haben.“ Im Angriff habe sein Team die Aufgabe „mit Spielfluss und großer Eleganz“ gelöst. „Natürlich auch dank der genialen Unterstützung unserer Fans.“

Günter Schweikardt wäre nicht Günter Schweikardt, warnte er nicht unverzüglich vor übermäßiger Selbstzufriedenheit. „Das waren zwei sehr wichtige Punkte, aber es fehlen uns noch viele.“ Außerdem ließ der TVB auf ein gutes Spiel schon oft ein schlechtes folgen. Vor allem in der Fremde. „Wir müssen jetzt diese Leistung endlich auch mal wieder auswärts bestätigen.“

Nun hat der TVB gleich zweimal die Gelegenheit dazu. Mit einem Sieg in Saarlouis am kommenden Samstag hätte er einen der härtesten Konkurrenten um die Qualifikationsplätze bis auf weiteres distanziert.