Bittenfeld braucht Konter gegen die beste Abwehr

HC Erlangen (9. Platz, 20:20 Punkte) – TV Bittenfeld (7. Platz, 24:16 Punkte/Samstag, 19.30 Uhr). Der 19. Spieltag der 2. Liga hatte eine ganze Reihe von Überraschungen parat. Der 27:26-Sieg des TV Bittenfeld gegen den Tabellenzweiten TV Hüttenberg war nicht unbedingt zu erwarten, ebenso wenig der 26:25-Erfolg des Nachbarn Bietigheim beim Dritten Düsseldorf oder das 32:31 des HSC Coburg gegen Eisenach.

Ein Blick auf die Tabelle zeigt, wie immens wichtig die Punkte für den TVB waren. Bei noch 14 Spielen ist die Liga dreigeteilt: Schlusslicht Tuspo Obernburg und der Vorletzte TV Groß-Umstadt dürften bei 14 und elf Zählern Rückstand auf den Relegationsplatz kaum noch Chancen haben. An der Spitze kann der Fünfte TV Korschenbroich bei acht Punkten Polster im Grunde für die eingleisige 2. Liga planen.

So weit wäre auch der TV Bittenfeld gerne. Noch indes gehört er zu den elf Mannschaften, die sich um die restlichen vier Plätze streiten. Der nächste Gegner des TVB wäre froh, wenn die Saison jetzt zu Ende wäre. Dann hätte der HC Erlangen die Qualifikation knapp geschafft. Dabei hatte es zu Saisonbeginn gar nicht gut für die Franken ausgesehen: Mit 1:7 Punkten ging der Start gründlich daneben.

Auch der TVB zählte zu den Auftaktgegnern – und hatte in der Gemeindehalle beim 35:22-Sieg überraschend wenig Probleme. Mittlerweile jedoch hat sich das Team von Trainer Frank Bergemann längst gefangen und für das eine oder andere überraschende Resultat gesorgt. Düsseldorf musste sich in Erlangen beim 21:24 ebenso geschlagen geben wie der TV Hüttenberg kurz vor Weihnachten (20:25). Phasenweise überragend präsentierte sich dabei die Defensive des HCE: In sieben von zehn Heimspielen ließ sie maximal 23 Gegentreffer zu, im Schnitt waren’s gerade einmal 20. Auf der anderen Seite traf Erlangen in 20 Spielen auch nur 485 Mal ins gegnerische Tor. Kein Team war hier sparsamer.

Was bedeutet dies für den TV Bittenfeld morgen? Er muss sich in der Offensive etwas einfallen lassen, um den aggressiven 3:2:1-Abwehrriegel der Franken vor dem hünenhaften und erfahrenen Torhüter Andreas Bayerschmidt zu überwinden. Und er sollte wieder vermehrt zu Gegenstößen kommen, zuletzt gab’s davon eher wenige. Auf der anderen Seite sollte der TVB die Erlanger möglichst nicht zu Kontern einladen. Die sind nämlich eine weitere Stärke des HCE.

„Wir brauchen gute Torabschlüsse“, sagt TVB-Co-Trainer Klaus Hüppchen. Statistisch gesehen, schenkten sich in einem Spiel die Quoten aus dem sogenannten stehenden Angriff wenig. „Schlüssel zum Erfolg sind in der Regel das Paket Abwehr/Torhüter, die Anzahl der technischen Fehler und Kontertore sowie das Über- und Unterzahlspiel.“ Im Hinspiel habe der TVB vieles richtig gemacht. „Diesen Anspruch haben wir jetzt natürlich auch.“

Besonders gut im Griff hatten die Bittenfelder Andreas Bayerschmidt, der zu den besten Torhütern der Liga zählt. „Wenn wir ihn wieder kontrollieren, steigen unsere Siegchancen.“ Hüppchen geht davon aus, dass nur wenige Mannschaften diese Saison in Erlangen bestehen werden. Gewonnen hat nur der Tabellenführer Bergischer HC. „Wir möchten eines der Teams sein, das dort etwas holt.“ Auswärts ist die Bilanz der Bittenfelder mit zwei Siegen in Groß-Bieberau und Neuhausen eher bescheiden.

Mit 25 Jahren im Schnitt hat der HC Erlangen ein recht junges Team, aber mit Bayerschmidt (34), Spielmacher Tobias Wannenmacher (32) und Griechenland-Rückkehrer Daniel Pankofer (30) auch erfahrene Spieler dabei. Zu den weiteren Stützen zählen Christoph Nienhaus und die Münch-Brüder im Rückraum. Auch auf den Außenpositionen ist der HCE mit den Eigengewächsen Daniel Stumpf und Benedikt Schwandner sehr gut aufgestellt.

Zuletzt unterlag Erlangen, allerdings ohne Bayerschmidt, beim seit neun Spielen ungeschlagenen Spitzenreiter Bergischer HC mit 18:26. Die Niederlage fiel um einige Treffer zu hoch aus, zehn Minuten vor dem Ende hatte es noch 22:18 gestanden.

Für die beiden Neuzugänge Arni Sigtryggsson und Thorsten Salzer wird’s das erste Auswärtsspiel sein. Sie könnten für den TVB eine entscheidende Rolle spielen, dürften sie doch dem Gegner noch ziemlich unbekannt sein. „Beide haben gegen Hüttenberg bewiesen, was sie für uns wert sein können“, sagt Hüppchen. „Und beide haben noch Luft nach oben.“

Der TVB wird morgen nahezu mit dem identischen Kader anreisen. Verzichten muss er auf die Langzeitverletzten Ludek Drobek und Jens Baumbach. Marcel Lenz wird ebenfalls nicht dabei sein, ansonsten wäre der Linksaußen fürs Landesligateam festgespielt.