TVB holt Thorsten Salzer und Arni Sigtryggsson

Wegen der Weltmeisterschaft in Schweden hat die Bundesliga noch Pause, Gesprächsstoff gibt’s dennoch en masse. Zum einen dreht sich das Personenkarussell kurz vor Ende der Wechselfrist heftig, zum anderen sorgt die Wende im „Fall Pekeler“ für mächtig Wirbel. Wie berichtet, hat das Bundesgericht des Deutschen Handball-Bundes (DHB) vorige Woche die am 27. November 2010 vom Bundessportgericht gefällte Entscheidung revidiert und dem Bergischen HC die zunächst aberkannten sechs Punkte wieder zugesprochen.

Der BHC ist damit Tabellenführer, der TV Bittenfeld – wie auch Coburg und Frankfurt – um zwei Zähler ärmer und nur noch drei Punkte vom Relegationsplatz entfernt. Bis gestern lag den Bittenfeldern lediglich die handschriftliche Begründung des Urteils vor, die den Verein sichtlich irritiert. Entscheidend fürs Urteil pro Bergischer HC war der Vertrauensschutz, auf den sich der Verein berief: Andreas Thiel, Justiziar der Handball-Bundesliga (HBL), hatte dem BHC grünes Licht gegeben, dass er Hendrik Pekeler nach einem Spiel Sperre wieder einsetzen dürfe. Laut DHB-Rechtsordnung hätte Pekeler noch ein Spiel aussetzen müssen. „Man könnte auch sagen, der BHC hatte Pech, dass er von der HBL eine falsche Aussage bekommen hat“, sagte gestern Rainer Heib, der sich beim TVB intensiv mit dem Fall beschäftigt. Das letzte Wort indes in der „Akte Pekeler“ dürfte noch nicht gesprochen sein. Die Bittenfelder wollen die ordentliche Urteilsbegründung abwarten. „Uns liegen noch keine Informationen vor, wie die Coburger und Frankfurter reagieren werden“, sagte Heib. Die Gerüchteküche brodele, „und was man so hört, überlegt sich Coburg wohl zivilrechtliche Schritte“.

So oder so: Der TVB plant ohne die Punkte am Grünen Tisch. „Wir wollen uns aufs Sportliche konzentrieren“, sagte Trainer Günter Schweikardt gestern. Damit der TVB in der „so entscheidenden Saison“ sein Ziel, die Qualifikation für die eingleisige 2. Liga, schafft, hat er nun personell nachgelegt. Und zwar nicht nur, weil die Punkte aus dem Spiel gegen den BHC wieder weg sind. „Leider sind wir jetzt auch vom Verletzungspech verfolgt“, so Schweikardt.

Wann Ludek Drobek nach seinem Bandscheibenvorfall wieder spielen wird, ist offen. Jedenfalls nicht so früh, wie es sich die Bittenfelder erhofft hatten. „Ludek ist nicht nur in unserer Abwehr ein wichtiger Faktor, sondern auch eine Integrationsfigur“, sagte Schweikardt. Dominik Weiß nimmt nach seinem Handbruch erst nächste Woche wieder einen Ball in die Hände. Wann er sein Comeback feiern wird, ist ebenfalls ungewiss.

Spielintelligent, variabel und ein guter Abwehrspieler

Die Bittenfelder nutzten jedenfalls die WM-Pause und intensivierten die Suche nach Verstärkungen „unseres auch ohne die Verletzten dünnen Kaders“. Mit Thorsten Salzer habe der TVB schon länger in Kontakt gestanden, sagte Schweikardt. „Jetzt freuen wir uns sehr, dass es so kurzfristig noch geklappt hat.“ Gestern Vormittag unterschrieb der 24-jährige Student und gebürtige Ludwigsburger beim Nord-Zweitligisten SC Magdeburg den Auflösungsvertrag und machte sich umgehend auf den Weg nach Bittenfeld. „Als das Angebot des TVB kam, musste ich nicht lange überlegen“, sagte Salzer. „Ich komme gerne wieder in die Heimat zurück und bin froh, dass mir Magdeburg keine Steine in den Weg gelegt hat.“ Sein Ziel sei die eingleisige 2. Liga mit dem TVB. Die Magdeburger Erstligareserve wird dort in der nächsten Saison nicht antreten. Salzer hat beim TVB – zunächst – einen Vertrag für diese und nächste Saison unterschrieben. „Thorsten ist spielintelligent, variabel einsetzbar und zudem ein sehr guter Abwehrspieler.“

Stärken in der Defensive hat auch der zweite Neue: Der Isländer Arni Sigtryggsson kam zur aktuellen Saison zum DHC Rheinland und ist beim Tabellenletzten der 1. Bundesliga einer von drei Linkshändern im rechten Rückraum. „Wir haben ja schon in der vergangenen Saison einen Linkshänder für diese Position gesucht“, sagte Schweikardt. Mit Sigtryggsson glaubt er nun den Spieler gefunden zu haben, „der in unser Anforderungsprofil passt“. Sigtryggsson bindet sich zunächst bis Saisonende an den TVB.

Von Vorteil bei den Verhandlungen war für den TVB freilich, dass sich Arni Sigtryggsson und Arnor Gunnarsson sehr gut kennen. „Wir haben schon in der Jugend in einer Mannschaft gespielt“, sagte Sigtryggsson gestern in erstaunlich gutem Deutsch. Er habe vor seiner Entscheidung pro Bittenfeld viel mit Gunnarsson gesprochen. „Er hat mir erzählt, dass hier alle ein bisschen handballverrückt sind. Das gefällt mir.“

Wir haben die Pressekonferenz mit der Kamera verfolgt: