Der Weihnachtsmann trägt Blau und Weiß

Es ist längst ein Ritual: Nach Siegen bedankt sich die Bittenfelder Mannschaft bei ihren Fans und lässt sich auf Kommando eines Spielers nach hinten fallen. So war’s auch am Freitag in der Porsche-Arena. Doch dieses Mal dürfte dem Trainer der Schreck in die Glieder gefahren sein – wenn Günter Schweikardt die Szene überhaupt gesehen hat. Mittendrin stand – und lag – nämlich Ludek Drobek. Dabei ist der Tscheche doch zurzeit wegen eines Bandscheibenvorfalls unpässlich.

Nervös mit einem Negativerlebnis im Kopf

Drobek überstand diesen Härtetest ebenso unbeschadet wie zuvor seine Mitspieler. Wobei es im Vorfeld des prestigeträchtigen Derbys durchaus Grund zur Sorge gegeben hat. Äußerst harmlos hatte sich der TVB in der Woche davor beim TV Groß-Umstadt präsentiert und deutlich beim Vorletzten verloren. „Natürlich waren alle vor dem Spiel sehr nervös, mit so einem Negativerlebnis im Kopf“, sagt Günter Schweikardt. „Doch in solchen Situationen zeigt sich eben, was eine gute Mannschaft ist.“

Gut ist auch zweifellos die SG BBM Bietigheim, am Freitag war sie nicht gut genug. Das sah auch ihr Trainer so. „Wir haben in der zweiten Halbzeit kein Mittel gefunden, die Bittenfelder Deckung in Bewegung zu bringen“, sagte Jochen Zürn in der Pressekonferenz. „Wir waren zu statisch und zu passiv und auf den Halbpositionen schon mit Fouls zufrieden.“

20 Fehlwürfe aus dem Rückraum zählte Zürn. Einige landeten über oder neben dem Tor, ein paar am Pfosten und an der Latte. Die meisten Würfe indes – und nicht nur aus dem Rückraum – waren Beute von Bastian Rutschmann. Auf 20 Paraden brachte es der Bittenfelder Torhüter und war gemeinsam mit der kompakten und aggressiven Defensive der Matchwinner.

Vertrauen in Forstbauer zahlt sich aus

Für Günter Schweikardt gab’s mehrere richtungsweisende Szenen und Phasen im Spiel, die das Pendel zugunsten des TVB ausschlagen ließen und seinem Team die Punkte brachten „gegen einen sehr guten Gegner“. So sei die Phase beim 10:12-Rückstand nach 20 Minuten durchaus kritisch gewesen. Dominik Weiß und Adrian Wehner kamen im linken Rückraum nicht mehr durch, und auf der anderen Halbposition hatte bis zu diesem Zeitpunkt Jan Forstbauer unglücklich agiert. Schweikardt holte ihn ebenso wenig vom Platz wie Bastian Rutschmann. „Ich habe mir kurz überlegt, Daniel Sdunek zu bringen“, sagt er. Im Nachhinein erwiesen sich beide Entscheidungen („da gehört auch ein bisschen Glück dazu“) als goldrichtig. Rutschmann parierte einen Wurf von Christian Schäfer und kam immer besser ins Spiel. Forstbauer erzielte vier der nächsten fünf Bittenfelder Treffer.

Trotzdem ging der TVB mit dem 16:17-Rückstand in die Halbzeit, überstand nach der Pause 45 Sekunden in Unterzahl. Mit unbändigem Kampfgeist zermürbte der TVB die Bietigheimer in den nächsten 20 Minuten. SG-Trainer Jochen Zürn krempelte nach einer Auszeit sein Team fast komplett um. Jugendnationalspieler Patrick Zieker bekam auf Linksaußen eine Chance, im Tor musste Benjamin Krotz Mathias Lenz weichen. Im Rückraum sollten es Andreas Blodig, Christian Schulz und Christoph Auer anstelle von Pierre Freudl, Nico Kibat und Robin Haller richten. Ohne Erfolg jedoch.

Gestützt auf ihre starke Abwehr, agierten die Bittenfelder nun auch im Angriff ideenreicher und treffsicherer. Florian Schöbinger, Simon Baumgarten, Arnor Gunnarsson und Tobias Schimmelbauer ließen kaum Chancen ungenutzt. „Die Leistung Einzelner war wesentlich besser als in Groß-Umstadt“, sagt Schweikardt. „Bei allem notwendigen Teamgeist ist individuelle Klasse nötig, um so ein Spiel zu gewinnen.“

Einmal noch, als Zieker vier Minuten vor dem Ende auf 30:26 verkürzte und der TV Bittenfeld mit der offensiven Deckung der SG Probleme hatte und zudem in Unterzahl agierte, sah Zürn die Möglichkeit, dem Spiel eine Wende zu geben. Bietigheim vergab jedoch die Chance zum 30:27. „Vielleicht hätte der TVB dann zu wackeln begonnen“, sagt Zürn. „Das ist aber hypothetisch und es ist eigentlich Quatsch, das auszudiskutieren. Wir haben verdientermaßen verloren.“