Es prickelt gewaltig vor dem Derby in der Arena

Bittenfeld gegen Bietigheim oder umgekehrt: Diese Duelle sind immer schon etwas ganz Besonderes gewesen. Wer am 15. Mai dieses Jahres unter den 5800 Zuschauern in der Porsche-Arena war, der wird das Spiel nicht vergessen.

16 Sekunden vor dem Ende, es stand 27:27, nahm TVB-Trainer Günter Schweikardt eine Auszeit und brachte für Torhüter Bastian Rutschmann mit Marcel Lenz den siebten Feldspieler. Die Bittenfelder brauchten am vorletzten Spieltag unbedingt zwei Punkte, dann hätten sie im letzten Spiel in Saarlouis die Relegationsspiele klarmachen können.

Und tatsächlich: Kai Häfner überlistete nach dem finalen Spielzug den Bietigheimer Torhüter Benjamin Krotz zum 28:27. Der Treffer indes zählte nicht: Häfner hatte nach Ansicht der Schiedsrichter Florian Gerhard und Tobias Küsters den Kreis betreten. In der Schlusssekunde hatten die Bittenfelder sogar noch Glück: Krotz’ direkter Wurf aufs leere TVB-Tor verfehlte knapp das Ziel. Es blieb beim für den TVB schmerzlichen Unentschieden und damit letztlich beim Aus im Kampf um den zweiten Platz.

Heute Abend gibt’s eine Neuauflage des Nachbarschaftsduells. 20 Kilometer trennen Bittenfeld und Bietigheim auf der Straße, ein Punkt liegen die beiden in der Tabelle voneinander getrennt. Viele Spieler kennen sich seit gemeinsamen Auswahlzeiten, die Bilanz ist ausgeglichen: Von den neun Zweitligaduellen gewannen der TVB und die SG jeweils drei, zweimal endeten die Spiele unentschieden. In den jüngsten vier Vergleichen schafften es die Bietigheimer nicht mehr, den TVB zu besiegen.

„Beide Vereine wollen in der Region die Nummer eins sein“, sagt der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt. „Mehr gibt’s zur Bedeutung des Spiels im Grunde gar nicht zu sagen.“

Viele Worte verlieren will Schweikardt auch nicht über den Gegner. Bietigheim sei einer der Kandidaten, die zumindest für den zweiten Platz infrage kämen. „In der Breite ist die SG sicher besser aufgestellt, als wir das momentan sind.“

Will heißen: Die Bietigheimer sind nicht nur theoretisch auf jeder Position doppelt besetzt. Das fängt bereits im Tor an mit dem Ex-Bittenfelder Benjamin Krotz und Matthias Lenz. Am Kreis kann Trainer Jochen Zürn wahlweise den Ex-Friesenheimer Steffen Bühler oder Christian Heuberger einsetzen. Stark sind auch die Außen: Mathias Hinz und Juniorennationalspieler Patrick Zieker auf der linken sowie Sebastian Knierim und Christian Schäfer auf der rechten Seite. In der Spielmacherrolle wechseln sich Nico Kibat und Andreas Blodig ab. Auf den Halbpositionen spielen unter anderem Robin Haller, Philipp Schulz, Christoph Auer und der Ex-Bittenfelder Pierre Freudl.

Sollte der TVB das Derby und am zweiten Weihnachtsfeiertag an gleicher Stelle auch den EHV Aue schlagen, nistete er sich bis auf weiteres vorne ein. Zumal sich am Samstag der Zweite HSG Düsseldorf und der Dritte TV Neuhausen/Erms gegenseitig die Punkte wegnehmen werden. „Ich beschäftige mich nicht mit der Tabelle“, sagt Günter Schweikardt. „Ich werde die Situation erst nach dem Spiel am Freitag neu bewerten.“ Sollte seine Mannschaft keine gute Leistung zeigen, werde sie gegen eine so starke Mannschaft wie Bietigheim keine Chance haben. „Wir brauchen einen sehr großen Siegeswillen“, sagt er. „Und den werden wir auch haben.“

Adrian Wehner ist nach seinem Muskelfaserriss wieder dabei, Ludek Drobek (Bandscheibenvorfall) dagegen fehlt weiter. „Solche Schlüsselpositionen können wir natürlich nicht ersetzen. Ludek gibt der Mannschaft die nötige Sicherheit.“ Aus dem Perspektivteam wird Martin Kienzle aufrücken, damit hat Schweikardt zehn Feldspieler zur Verfügung.

Für den TVB geht’s nicht nur darum, den vierten Tabellenplatz zu verteidigen. Natürlich sollen die beiden Serien bestehen bleiben: In allen acht Heimspielen in dieser Saison hielten sich die Bittenfelder schadlos, in der Porsche-Arena sind sie seit über drei Jahren ungeschlagen.

Außer Frage steht, dass auf die Schiedsrichter in diesem brisanten Duell eine besonders knifflige Aufgabe zukommen wird. Deshalb schickt der DHB eines seiner fünf besten Pärchen in die Porsche-Arena: 504 DHB-Spiele und 88 Partien der Europäischen Handball-Föderation (EHF) können sich sehen lassen.