„Wir sind keinesfalls die bösen Buben“

Der „Fall Pekeler“ ist ein ebenso einmaliger wie komplizierter. Und mit dem Urteil des Bundessportgerichts vom Samstagnachmittag (wir haben berichtet) dürfte die Angelegenheit noch längst nicht in den Akten verschwinden.

„Ich bin über das Urteil hochgradig erschüttert und enttäuscht“, sagte BHC-Manager Stefan Adam dem Coburger Tageblatt. „Das Verhalten der drei Vereine, die den Einspruch eingelegt haben, entsetzt mich.“ Die Vereine hätten jegliche Solidarität aufgegeben. Diesen Schuh indes wollen sich die Bittenfelder nicht anziehen. „Es ist ganz und gar nicht in Ordnung von den Löwen, uns jetzt den Schwarzen Peter zuzuschieben“, sagt Rainer Heib vom TVB-Management.

Die Sonderregelung, die im Eilverfahren bei der Mitgliederversammlung der Handball-Bundesliga (HBL) im Juni 2010 beschlossen wurde, sorgt nachhaltig für Verwirrung. Danach sollte die Disqualifikation nach Regel 8:10 (§ 17 DHB-Rechtsordnung) im Spielbetrieb der Handball-Bundesliga und der 2. Bundesligen Nord und Süd innerhalb der HBL lediglich ein Spiel Sperre nach sich ziehen. Auf Verbandsebene ist der Spieler zwei Wochen gesperrt.

Für Rainer Heib vom Management des TV Bittenfeld ist der Beschluss bei der Mitgliederversammlung „nicht praxistauglich“. Für Heib stellen sich folgende Kernfragen:

War es ein Abkommen nur für den Spielbetrieb der 1. und 2. Bundesliga oder auch für Bundesligaspieler, die in unteren Klassen zum Einsatz kommen?

War es ein gemeinsamer Beschluss, um eine Änderung der Rechtsordnung beim DHB zu bewirken, oder sollte es nur eine interne Regelung für die 1. und 2. Bundesliga sein, ohne die Einbindung des DHB?

Warum fragt die HBL bei den betroffenen Vereinen nach, ob diese etwas gegen die verkürzte Sperre im Falle Pekeler einzuwenden hätten?

Warum wurde dieser Vorfall bei der HBL intern kontrovers diskutiert?

Dass Löwen-Manager Stefan Adam nun den TV Bittenfeld, den HSC Coburg und die HSG Frankfurt zu Sündenböcken macht und ihnen Unfairness und mangelnde Solidarität vorwirft, schmeckt Heib überhaupt nicht. Auch Günter Schweikardt findet das Verhalten der Bergischen Löwen alles andere als lustig. „Wir wollen uns in erster Linie auf unsere nächsten sportlichen Aufgaben konzentrieren“, sagt der Bittenfelder Trainer. „Aber natürlich lassen wir uns nicht gerne ins falsche Licht setzen und als böse Buben hinstellen.“

Für Heib war’s unumgänglich, hier eine durchgängige, eindeutige Regelung in Abstimmung mit dem DHB, der HBL und den Landesverbänden zu treffen. „Diese Rechtsunsicherheit war dringend zu klären, um im weiteren Saisonverlauf Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.“

Eine erste Wettbewerbsverzerrung zum Nachteil des TV Bittenfeld habe bereits stattgefunden. Der Spieler Hendrik Pekeler wurde aufgrund der derzeit bestehenden Unklarheiten im Paragrafen 17 der Rechtsordnung beim Pflichtspiel des BHC bei der HSG Düsseldorf am 9. Oktober nicht eingesetzt. Der BHC hat dieses Spiel gegen einen direkten Mitbewerber des TV Bittenfeld um die begehrten Plätze in der eingleisigen 2. Bundesliga verloren.

„Hat der BHC den Punktabzug im Falle Pekeler nicht selbst zu verantworten?“, fragt Heib. „War die Anfrage, ob spielberechtigt oder nicht, an die richtige Adresse gewidmet?“ Wie zu hören sei, habe der Spielleiter der HBL dem BHC von einem Einsatz Pekelers gegen den TVB abgeraten.