TVB vertraut einem jungen Trio

Die Erfahrung der abgewanderten Sebastian Seitner und Marco Hauk wird den Bittenfeldern also fehlen. Es dürfte noch eine Weile dauern, bis sich die drei ins eingespielte Team integriert haben. Von Verunsicherung indes ist in Bittenfeld nichts zu spüren, schließlich hat der TVB bei seinen Verpflichtungen zuletzt stets ein glückliches Händchen bewiesen. Einen wirklichen Fehlgriff leistete er sich nicht. Die Verantwortlichen sind überzeugt davon, dass die Neuen ihren Weg machen werden.

Keine Frage: Sebastian Seitner und Marco Hauk gehörten beim TV Bittenfeld in den vergangenen beiden Spielzeiten zu den großen Stützen und waren maßgeblich am Erfolg des TVB beteiligt. Nachdem die beiden ihren Abschied angekündigt hatten und mit Patrick Rothe auch der dritte Linkshänder nicht mehr dabei ist, standen die Verantwortlichen unter Zugzwang. Das Trio halbwegs adäquat zu ersetzen war die schwierigste Aufgabe für die Verantwortlichen. Nicht die einzige jedoch. „Nicht selbstverständlich war, dass wir unsere restlichen Leistungsträger gehalten haben“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt.

Vorteil Bittenfeld
Forstbauer nur ein halber Neuer

Die Dienste Jan Forstbauers hatten sich die Bittenfelder früh gesichert. Der Ex-Schmidener trainierte schon länger im Bundesligateam des TVB mit. Damit hatten die Bittenfelder entscheidende Vorteile im Rennen um den Jugend-Nationalspieler, der sich in Bittenfeld rasch wohlfühlte.

Seitner und Forstbauer: Im rechten Rückraum hätten sich das Schlitzohr und der Jungspund sicher prima ergänzt. Daraus wird nun nichts, aktuell ist der 18-Jährige der einzige gelernte rechte Rückraumspieler des TVB. Möglicherweise könnte dies eine zu große Hypothek sein für Jan Forstbauer, der eigentlich behutsam aufgebaut werden sollte. Alternativen sind derzeit nicht in Sicht, Linkshänder sind äußerst gefragt.

Nicht zurückgreifen kann der TVB auf Kai Häfner, der bisher per Zweifachspielrecht bei FA Göppingen ausgestattet war. Schon in der vergangenen Saison war das Hickhack um die Freigabe bisweilen etwas nervtötend. „Aktuell wird sich Kai auf Göppingen konzentrieren“, sagt Günter Schweikardt. Der Erstligist habe derzeit mit Christian Schöne, Michael Thiede und Kai Häfner nur noch drei Linkshänder im Kader.

Damit steigen die Chancen für Häfner auf mehr Spielanteile – auch im rechten Rückraum. Im Vorjahr kam er fast ausschließlich auf Rechtsaußen zum Einsatz, stand aber eindeutig im Schatten von Nationalspieler Schöne. Bis zum 15. Januar haben die Bittenfelder noch Zeit, für Häfner erneut das Zweifachspielrecht zu beantragen. Schweikardt will abwarten, wie sich die Situation entwickelt.

Die Trainer Günter Schweikardt und Klaus Hüppchen wollen weiterhin die Augen offenhalten auf der Suche nach einer Unterstützung für Forstbauer. „Der Spieler müsste allerdings menschlich wie sportlich zu uns passen“, sagt Hüppchen. Und natürlich dürfe er kein allzu großes Loch ins Budget reißen. Bis auf weiteres werden die Rechtshänder Florian Schöbinger, Alexander Heib und Adrian Wehner die Alternativen im rechten Rückraum bilden. In der Vorbereitung hat das schon ganz gut funktioniert. Für Forstbauer ist’s die Chance, sich mit vielen Spielanteilen ins Rampenlicht zu spielen. Was er drauf hat, beweist der Schmidener derzeit bei der Europameisterschaft in Montenegro. Mit der deutschen Jugend-Nationalmannschaft hat er souverän das Halbfinale erreicht, wurde beim 31:24 gegen Spanien als achtfacher Torschütze zum besten Spieler der Partie gewählt. Bundestrainer Christian Schwarzer hält große Stücke auf den 18-Jährigen, der zudem zum erweiterten Kader des älteren Junioren-Nationalkaders gehört.

Günter Schweikardt freut sich, dass es bei Forstbauer in Montenegro so gut läuft. Dass er in der wichtigen letzten Phase der Vorbereitung fehlte, ist dabei die negative Seite. „Andererseits kennt Jan die Abläufe, ein richtiger neuer Spieler ist er nicht.“

Auf Empfehlung
Zweiter Isländer: Gunnarsson

Noch eine Weile brauchen wird auch Arnor Gunnarsson. Zehnmal stand der 23-Jährige gemeinsam mit dem Ex-Bittenfelder Torhüter Björgvin Gustavsson im Team der isländischen Nationalmannschaft. Gustavsson, inzwischen beim Schweizer Erstligisten Kadetten Schaffhausen unter Vertrag, hatte seinem Landsmann den Wechsel nach Bittenfeld empfohlen. Die Qualitäten Gunnarssons stehen außer Frage, allerdings muss er noch die Sprachbarriere überwinden. Bis auf weiteres verständigt er sich auf Englisch, er besucht aber bereits einen Deutschkurs. „Arnor hat gute Ansätze, er wird seinen Weg machen“, sagt Schweikardt. „Wichtig ist, dass er gut angekommen ist in Bittenfeld und sich hier wohlfühlt.“

Etwas überraschend verpflichtete der TV Bittenfeld mit Tobias Schimmelbauer einen weiteren Linksaußen. Seit drei Jahren schon bereitet die Patellarsehne Marcel Lenz erhebliche Probleme. Die Abstände der verletzungsbedingten Pausen wurden immer kürzer, deshalb hat sich der 21-Jährige nun zu einer Operation entschieden. Weil Jens Baumbach beruflich sehr eingespannt sei, habe sich der TVB auf dieser Position noch mal umgesehen, sagt Schweikardt.

Schimmelbauer war für die Bittenfelder kein völlig unbeschriebenes Blatt. Mit der SG Wallau und der HSG Frankfurt Rhein-Main war der 23-Jährige mehrfach Gegner der Bittenfelder. Der TVB fragte bei den Hessen an, die ihren Linksaußen schließlich ziehen ließen. „Die HSG hat sich sehr fair verhalten“, sagt Schweikardt. „Tobias wird unserem Team Stabilität verleihen.“

Schimmelbauers Fähigkeiten sind nicht nur in Bittenfeld bekannt. In der vergangenen Saison hatte der Student beim Erstligisten Minden ein Probetraining absolviert, sich aber nicht für einen Wechsel entscheiden können.

Mit 1,99 Meter ist der neue Mann recht groß für einen Außen. Für Hüppchen ist das kein Nachteil – im Gegenteil: „Ein anderer Spielertyp tut uns auch mal gut.“ In Wallau spielte Schimmelbauer in der Abwehr vorgezogen, „in der Defensive bringt er uns mehr Variationsmöglichkeiten“.

Forstbauer, Gunnarsson und Schimmelbauer genießen das Vertrauen der TVB-Trainer. Und dann gibt’s ja noch den Perspektivkader der Bittenfelder, in den die Trainer große Hoffnungen setzen. Schweikardt traut dem einen oder anderen zu, „bald einen Beitrag zum Bundesligateam leisten zu können“. Mit Marvin Gille, Martin Kienzle, Marc Wissmann und Michael Seiz warten Talente aus den eigenen Reihen auf ihre Chance. In der Vorbereitung kamen sie zum Einsatz und machten ihre Sache gut. Schweikardt warnt aber auch vor überzogenen Erwartungen, schließlich spielten sie teilweise noch im ersten A-Jugendjahr.

Zum erweiterten Bundesliga-Kader gehören mit Michael Gerlich und Leon Pabst zwei weitere Talente. Sie haben Zweifachspielrecht und sind Teil der Trainingsgruppe. Pabst (19) wird zunächst beim Landesligisten Neckarsulm spielen, Gerlich (18) soll beim Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen Spielpraxis sammeln.

Neu sind beim TV Bittenfeld nicht nur die Spieler, auch das Trainerteam hat Zuwachs bekommen. Athletiktrainer Rainer Goytia wird eng mit Mannschaftsarzt Dr. Andreas Schlüter und Physiotherapeut Tobias Unfried zusammenarbeiten.

Zweimal die Woche trainiert die komplette Bittenfelder Mannschaft in Goytias Fitness-Studio Take Shape in Schorndorf. Schweikardt und Hüppchen hoffen, noch ein paar Prozent aus ihren Spielern herauskitzeln zu können. „Mit der Kooperation haben wir unsere Rahmenbedingungen nochmals verbessert“, sagt Schweikardt. Mit gezieltem Training sollen nicht nur die körperlichen Schwachstellen der Spieler beseitigt, sondern auch Verletzungen vorgebeugt werden. Klaus Hüppchen ist jedenfalls neugierig. „Ich denke, die eine oder andere Übung lässt sich sehr gut in die Trainingseinheiten einbauen.“