16 Stunden Spielpraxis, bevor’s ernst wird

Sieben Wochen lang haben die Bittenfelder Spieler keine Halle gesehen. Am Montag nun bat Trainer Günter Schweikardt zum ersten – gemeinsamen – Training. Wer in der Pause ausschließlich die Beine hochgelegt hat, der dürfte nun Probleme bekommen: Das Vorbereitungsprogramm hat es in sich: Montags, dienstags und donnerstags stehen jeweils zwei Einheiten auf dem Programm. Freitags wird einmal trainiert, mittwochs haben die Spieler frei. Neu ist die Zusammenarbeit mit dem Schorndorfer Wellness- und Fitnessstudio Take Shape. Zweimal die Woche werden die Bittenfelder von Athletiktrainer Rainer Goytia betreut, der für jeden Spieler einen individuellen Trainingsplan ausarbeiten wird.

Tempohandball und technisch versiertes Spiel

Die Wochenenden vor dem Saisonstart in gut fünf Wochen sind fest verplant mit Testspielen und – teils hochkarätig besetzten – Turnieren. So häufig im Einsatz waren die Bittenfelder noch nie in der Vorbereitung. „Fast zu oft“, sagt Schweikardt, der auf insgesamt rund 16 Stunden kommt. „Andererseits sind die Spiele das beste Training.“

An der Grundkonzeption werde sich nichts ändern. Schweikardt setzt nach wie vor auf „Tempohandball und technisch versiertes Spiel“. Wobei ihm auch die Defensive sehr am Herzen liegt. „Es hat sich in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir in der Abwehr stabil stehen müssen, um erfolgreich zu sein.“ Dass die Arbeit mit der Offensive mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, liegt auf der Hand. Das liegt an den Verlusten von Sebastian Seitner und Marco Hauk. „Bei den Abläufen müssen wir sicher neue Dinge ausprobieren“, sagt Schweikardt. Seitner sei ein zentraler Spieler gewesen, und im Rückraum würden nun mal die Fäden gezogen. Junioren-Nationalspieler Jan Forstbauer ist der einzige Neuzugang im rechten Rückraum. Der 18-Jährige besitzt großes Talent, allerdings fehlt ihm die Erfahrung.

Weniger Routine als sein Vorgänger auf Rechtsaußen, Marco Hauk, hat Arnor Gunnarsson (23). Schweikardt will die beiden nicht vergleichen, „jeder hat seinen eigenen Stil“. Gunnarsson sei ebenfalls schnell, kräftig, robust und verfüge über einen guten Schlagwurf. „Und in der Abwehr packt er zu.“ Am Freitag traf der Isländer in Bittenfeld ein, diese Woche wird er zusammen mit seiner Freundin eine Wohnung in Bittenfeld beziehen. Ein ehemaliger Bittenfelder Lehrer wird mit den beiden Deutsch lernen, Anfang August besuchen sie zusätzlich einen Kurs am Institut für Auslandsbeziehungen. Schweikardt ist sich sicher, das Gunnarsson sich schnell verständigen und eingewöhnen wird. Bis auf weiteres läuft vieles noch auf Englisch. Gunnarssons Freundin spielte beim selben Club Valur Reykjavik – allerdings Basketball. Sie sucht noch einen Verein in der Nähe.

Gerlich und Pabst sollen aufgebaut werden

Forstbauer und Gunnarsson sind die einzigen neuen Spieler des TV Bittenfeld. Schweikardt hätte gerne zumindest einen gestandenen Spieler hinzu, nach wie vor sieht’s aber nicht nach einem Vollzug aus. „Wir werden mit dem aktuellen Kader in die Saison gehen“, sagt Schweikardt. Zwölf Feldspieler plus drei Torhüter. Sechs Spieler aus dem Perspektivkader werden phasenweise mittrainieren. Marvin Gille und Michael Kienzle gehörten bereits in der vergangenen Saison zum erweiterten Kader. Aus der eigenen Jugend werden Michael Seiz und Marc Wissmann herangeführt.

Zwei Spieler dürften den Fans noch unbekannt sein: Rückraumspieler Michael Gerlich (18), Bruder des Esseners Matthias Gerlich, kommt aus der Magdeburger Jugendschule. Kreisläufer Leon Pabst (19) spielt beim Landesligisten Neckarsulm. Während Gerlich zunächst beim Drittligisten SG Pforzheim/Eutingen Spielpraxis sammeln wird, spielt Pabst weiter in Neckarsulm. Beide werden jedoch in Bittenfeld ein- bis zweimal mittrainieren. Schweikardt hofft, dass die beiden Talente „vielleicht schon in einem halben Jahr“ den Anschluss ans Bundesligateam schaffen werden.