„Der Teamgeist war einzigartig“

Die TVB-Fans haben ihren „Seppo“, den scheinbar nichts aus der Ruhe bringt, in den zwei Jahren ins Herz geschlossen. Vor ein paar Wochen, als der Spieler mit der mächtigen Strähne die gegnerischen Torhüter wieder einmal zum Verzweifeln brachte, hatte ein Zuschauer angesichts des Trennungsschmerzes eine Idee. „Man sollte Seitners Vertrag mit den Kickers einfach zerreißen.“

Dem leidenschaftlichen Handballer fällt der Abschied schwer. Er hat sich sehr wohlgefühlt in Bittenfeld. Doch er hat andere Ziele.

Herr Seitner, Hand aufs Herz: Als in Saarlouis die Schlusssirene ertönte, überwog da die Enttäuschung über den verpassten Relegationsplatz oder die Erleichterung, dass eine lange Saison endlich zu Ende ist?

Unmittelbar nach Spielende war man natürlich enttäuscht, denn die Chance, einen Relegationsplatz zu erreichen, war greifbar nahe. Die Enttäuschung hat sich aber im Laufe des Abends gelegt.

Als Saisonziel hatten Sie ausgegeben, erfolgreichen Handball spielen zu wollen. Damals sagten Sie, „erfolgreich“ müsse noch definiert werden. War die Runde aus Ihrer Sicht nun erfolgreich oder war nicht doch mehr drin?

Ich glaube, wenn jemand am Anfang der Saison gesagt hätte, wir würden den dritten Platz erreichen, hätte ich ein bisschen schmunzeln müssen. Ziel war es, jedes Spiel nach Möglichkeit zu gewinnen und keinen Platz als Saisonziel vorzugeben. Platz drei kann sicherlich als Erfolg angesehen werden, für jeden Einzelnen und für den TV Bittenfeld. Wobei man auch sagen muss, dass der Relegationsplatz möglich gewesen wäre.

Hätten Sie dem TVB eine solche Saison zugetraut?

Vergleicht man den Kader des TVB mit dem anderer Mannschaften, sollten einige Teams weit vor uns in der Tabelle stehen. Wir haben jedoch eine unglaubliche mannschaftliche Geschlossenheit und einen einzigartigen Teamgeist in der Mannschaft, was diesen Qualitätsverlust ausgleicht. Deshalb war mir schon vor der Saison klar, dass wir nicht gegen den Abstieg, sondern eher um die vorderen Plätze mitspielen würden. Dass wir uns aber über die ganze Saison in der Spitzengruppe aufhalten würden, war nicht vorherzusehen.

Was hat den TVB stark gemacht und von den anderen Mannschaften unterschieden?

Durch unsere Geschlossenheit war es schwer für den Gegner, sich auf uns einzustellen, denn jeder hatte Anteil an dieser erfolgreichen Saison. Ein weiterer Pluspunkt war unsere Defensive und das daraus resultierende, kompromisslose Tempospiel. Dadurch kamen wir immer zu einfachen Toren und haben jede Unkonzentriertheit des Gegners erbarmungslos ausgenutzt.

Was fehlte der Mannschaft, um ganz vorne zu landen?

Gegen Ende haben wir es versäumt, die „Big Points“ zu machen. Vielleicht war das Nervenkostüm einiger Spieler ein bisschen zu dünn oder man hat sich durch die entstandene Euphorie zu sehr vom Wesentlichen ablenken lassen. Jedoch sind wir eine junge Mannschaft, die aus diesen Fehlern lernen und wachsen wird.

Was waren für Sie die Highlights der Saison?

Schwer zu sagen, denn jedes Spiel hat seinen besonderen Reiz. Als Highlight würde ich immer den freundlichen Kontakt mit den „Bittenfeldern“ selbst bezeichnen. Es ist wirklich selten, mit so einer Freundlichkeit in einem Verein aufgenommen zu werden.

Welche Punktverluste haben Sie besonders geärgert?

Die Punktverluste gegen Bietigheim und vor allem in Obernburg waren sehr schmerzhaft, da sie gegen Ende der Saison passiert sind und uns eine bessere Platzierung unmittelbar vermasselt haben. Jedoch um Klaus Hüppchen zu zitieren: „Jeder Punktverlust ist ärgerlich.“

Anfang des Jahres haben Sie Ihren Abschied zum Ende der Runde verkündet. Was hätte passieren müssen, dass Sie noch ein Jahr drangehängt hätten beim TVB?

Gar nichts. Die Entscheidung, den Verein zu verlassen, hat nichts mit der sportlichen Situation zu tun oder dass ich mich nicht wohlgefühlt hätte. Leider kommt jeder einmal in die Lage, sich für eine „Karriere“ nach dem Sport zu entscheiden, was bei mir der Fall gewesen ist.

Ihr neuer Verein, die Stuttgarter Kickers, wird mitunter ein bisschen despektierlich als Mannschaft der Legionäre betitelt. In Bittenfeld ist stets der Teamgeist beschworen worden. Wie gehen Sie Ihre neue Aufgabe an?

Für mich ändert sich nichts. Wie in Bittenfeld als auch bei den Kickers bin ich und sind alle meine Mannschaftskollegen „Legionäre“.

Das heißt, auch dort wird auf Teamgeist gesetzt.

Die Kickers waren in der vergangenen Saison – wie schon im Vorjahr – in der Baden-Württemberg-Oberliga als Aufstiegsfavorit gehandelt worden und haben ihr Ziel verfehlt. In der neuen Runde wird wieder viel Druck auf der Mannschaft lasten – und natürlich auf Ihnen als gestandener Zweitligaspieler. Wie gehen Sie damit um?

Das ist doch eine schöne Herausforderung und Druck gehört zum Sport dazu. Ein Spieler allein kann jedoch den Aufstieg nicht schaffen und somit ist auch dort jeder einzelne Spieler gefordert, um alles im Rahmen seiner Möglichkeiten zu tun, damit wir am Ende unser Ziel erreichen. Zu einem Aufstieg ist auch ein bisschen Glück notwendig, welches man nicht planen kann. Und davon kann ich ein Lied singen, wenn ich nur an den letzten Wurf gegen Bietigheim denke. Mit ein bisschen Glück ….

Was werden Sie am meisten vermissen?

Kann ich nach so kurzer Zeit seit dem letzten Spiel nicht genau sagen, da ich noch nicht wirklich weg bin. Wie bereits erwähnt, lebt der TVB von seinem fantastischen Umfeld und begeisterten Helfern, die alles für diesen Verein machen und ihre Freizeit dafür opfern. Und dieser bedingungslose Einsatz der Einzelnen, von dem wir Spieler profitieren, ist sicherlich etwas, was ich sehr vermissen werde.

Zum Schluss ein kleines Spielchen: Sie müssen sich bei den folgenden Gegenüberstellungen jeweils für eine Variante entscheiden – natürlich mit einer kurzen Begründung. Sprungwurf oder Schlagwurf?

Die Mischung macht’s.

Defensive oder offensive Abwehr?

Defensive Abwehr, da gibt es nicht so viel Körperkontakt.

Lauftraining oder Krafttraining?

Ganz eindeutig Lauftraining. Wer mich kennt, weiß, dass ich nicht oft im Kraftraum bin.

Stehende oder springende Torhüter?

Macht keinen Unterschied. Komischerweise haben Torhüter einen anderen Auftrag als ich.

Gegenstoßspiel oder Positionsangriff?

Beides ist wichtig für erfolgreichen Handball – und die Abwehr natürlich.

Gemeindehalle oder Porsche-Arena?

Zwei unterschiedliche Erlebnisse und beide einzigartig.