TVB noch nicht auf den Knien

Es war so schön angerichtet in der Porsche-Arena: Die Stimmung unter den knapp 5800 Fans war prächtig, und Kai Häfners Treffer zum 28:27 für den TV Bittenfeld fünf Sekunden vor dem Ende wäre ein perfekter Schlusspunkt gewesen aus Sicht des TVB. Doch Florian Gerhard und Tobias Küsters hatten offensichtlich ganz genau hingesehen: Die Schiedsrichter hatten keinen Zweifel, dass Häfner beim Wurf im Kreis gestanden hatte. Das Tor zählte nicht, da nützte natürlich auch das gellende Pfeifkonzert von den Rängen nichts.

Ob der Treffer regulär war oder nicht, lässt sich auch anhand des Videostudiums nicht eindeutig beweisen. Die Szene gibt’s zu sehen auf der Internetseite des ZVW:

Günter Schweikardt haderte allerdings nicht mit dieser Entscheidung. Für seinen Geschmack haben die Unparteiischen die Partie zu häufig unterbrochen und damit den Spielfluss seiner Mannschaft gestört. Zudem hätten sie nach angezeigtem Zeitspiel zu lange weiterlaufen lassen. In der Schlussphase war der Coach auch mit der einen oder anderen Zeitstrafe nicht einverstanden.

„Es fehlte die klare Linie, aber das war nicht der Grund für den Punktverlust“, sagt Schweikardt. „Wir haben es verpasst, von Anfang an voll dagegenzuhalten.“ Der Trainer ärgerte sich vor allem über die Nachlässigkeiten in der Abwehr, die dem Bietigheimer Rückraum – übrigens ohne Linkshänder – zu viele einfache Tore erlaubte. „Wir haben viel zu viele Zweikämpfe verloren.“ Vor allem gegen Robin Haller und den Ex-Bittenfelder Pierre Freudl, deren Spielweise der TVB eigentlich kennt. „Man muss aber auch anerkennen, dass Bietigheim das gut gemacht hat.“

So rannten die Bittenfelder stets einem Rückstand hinterher und agierten im Abschluss oft zu kopflos. „Der Druck wurde mit zunehmender Spieldauer immer größer.“ Wobei Schweikardt nichts davon hält, einzelne Spieler zu kritisieren. „Es haben alle dazu beigetragen, dass wir nicht erfolgreich waren.“

Krotz kannte die Wurfbilder der Bittenfelder

Entscheidenden Anteil am Unentschieden hatte der Bietigheimer Torhüter und Ex-Bittenfelder Benjamin Krotz, der eine klasse Leistung zeigte. Im Hinspiel hatte der TVB-Angriff kaum Probleme mit dem 24-Jährigen, weil er offensichtlich dessen Schwächen kannte. Dieses Mal war das ganz anders: Adrian Wehner, Dominik Weiß, Alexander Heib und Jürgen Schweikardt scheiterten gleich reihenweise an Krotz. „Wenn sich Spieler gut kennen, hat der Torhüter eigentlich immer Vorteile“, sagt Schweikardt.

Ein Nachteil für den TVB war zweifellos, dass er auf Marco Hauk wegen eines Patellarsehnenanrisses verzichten musste. „Er hätte uns in diesem Spiel sicherlich gutgetan“, sagt Schweikardt. Zumal Hauks Vertreter auf Rechtsaußen, Kai Häfner, keine Bindung fand zum Spiel und ohne Selbstvertrauen agierte. Hauk, der in der Porsche-Arena hinter der Auswechselbank in Zivil mitgelitten hat, wird dem TVB in dieser Saison nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt und Klaus Hüppchen müssen nun versuchen, die Spannung aufrechtzuerhalten in der Woche vor dem finalen Spiel in Saarlouis. „Wir werden versuchen, unsere Hausaufgaben zu machen und die Saison erfolgreich abzuschließen“, sagt Schweikardt. Erfolgreich bedeutet: mit einem Sieg. Der brächte zumindest Platz drei, vielleicht sogar den Relegationsplatz (siehe Artikel unten). „Ob die Saison dann zufriedenstellend verlaufen ist, ist ein anderes Thema“, sagt Schweikardt.

Schon einmal, in der ersten Zweitliga-Saison, waren die Bittenfelder vor dem letzten Spieltag abgeschrieben. Nach der 33:34-Heimiederlage gegen Eisenach lagen sie auf dem Abstiegsplatz. Mit dem überraschenden 28:26-Sieg beim damaligen Dritten TV Hüttenberg schaffte der TVB auf den letzten Drücker den Ligaverbleib.

Die Hüttenberger könnten Bittenfeld also nochmals eine Vorlage liefern.