Nicht spekulieren – gewinnen

Einen direkten Freiwurf zu verwandeln gegen eine Abwehrmauer mit Zwei-Meter-Mann Ludek Drobek in der Zentralen: Das ist eigentlich nicht möglich. Der Bittenfelder Trainer Günter Schweikardt indes traute dem Braten nicht so recht, als der Eisenacher Tomas Sklenak sich Sekunden vor dem Schlusspfiff den Ball schnappte und das TVB-Tor anpeilte. Vielleicht an der Mauer vorbei? „Ich hab’ Kai noch gerufen, pass’ auf, der wirft seitlich vorbei“, sagte Schweikardt. Häfner stand an der Innenseite der Mauer, musste aber nicht eingreifen. Sklenak wählte den direkten Weg – in den Block. Entsprechend groß war die Erleichterung beim Trainer. „Das war ein gutes Stück Arbeit, man muss schon sagen, dass wir Glück gehabt haben.“ Dass die Bittenfelder dieses in Anspruch nehmen mussten, lag unter anderem an Sklenak. Der tschechische Nationalspieler hebelte die Bittenfelder Abwehr immer wieder geschickt aus und war mit Abstand der torgefährlichste Eisenacher. Ein Mann also, um den sich der Gegner besonders kümmern sollte? Beispielsweise in Form einer kurzen Deckung?

„Wir waren kurz davor“, sagt Schweikardt, der sich dann doch für eine gewöhnliche Abwehrformation entschied. Die Taktik: Sklenak sollte sich müde werfen. Tatsächlich ließ die Präzision bei Sklenak nach – allerdings nur ein wenig. „Wenn’s schief gegangen wäre, hätten wir uns sicher Vorwürfe anhören müssen“, sagt Schweikardt.

Während die Bittenfelder den Sieg über ihren Angstgegner bejubelten, saßen die Konkurrenten des Bergischen HC schon im Bus und hatten an der 24:36-Pleite in Delitzsch zu knabbern. Sieben Spiele waren die Löwen zuvor ungeschlagen gewesen und träumten bei drei Punkten Rückstand auf Tabellenführer TSG Friesenheim sogar wieder vom Direktaufstieg. Nun liegt der BHC wieder einen Punkt hinter dem TVB – und hat die um elf Treffer schlechtere Trefferdifferenz – und zwei (Plus-)Zähler hinter Hüttenberg. „In dieser Deutlichkeit war die Niederlage des BHC auch für mich sehr überraschend“, sagt Schweikardt.

Nun geht’s zum besten Heimteam der Liga

Gestern schon beschäftigte sich der Trainer nicht mehr mit der Konkurrenz („Spekulieren bringt nichts“), sondern mit der nächsten Aufgabe – und die ist happig: Der TV Neuhausen/Erms hat in 14 Heimspielen zwei Punkte abgegeben, beim 32:35 gegen den HC Saarlouis. Damit ist der Aufsteiger das beste Heimteam der Liga. Für Hüttenberg und den Bergischen HC gab’s auf der Schwäbischen Alb nichts zu holen. Das Team von Trainer Markus Gaugisch liegt auf dem hervorragenden fünften Platz und hat nur fünf Zähler weniger auf dem Konto als der TVB. Allzu viel Respekt indes dürfte auch nicht angesagt sein. Im Hinspiel beherrschte der TVB den Gegner beim 33:25, und auch in den Testspielen zuvor hatten die Bittenfelder meist das bessere Ende.