Es geht nicht von null auf hundert

Montag: Stützpunkttraining des Deutschen Handball-Bundes in Ruit. Dienstag: Training beim Zweitligisten TV Bittenfeld. Mittwoch: Training mit der A-Jugend des HSC Schmiden-Oeffingen und anschließend mit der ersten Männermannschaft des TSV Schmiden. Donnerstag: Training mit der ersten Männermannschaft des TSV Schmiden. Freitag: frei? „Nein“, sagt Jan Forstbauer und lacht. „Freitags mach’ ich etwas für mich alleine.“ Schließlich muss er körperlich noch ein bisschen zulegen. Und die Wochenenden sind mit Spielen ausgefüllt. Nicht mitgezählt sind diverse Lehrgänge und Einsätze mit der Jugend-Nationalmannschaft.

Da kommt etwas zusammen. Drei bis fünf Stunden am Tag, schätzt Jan Forstbauer, sind mit Handball ausgefüllt. Den Rest beansprucht die Schule, das Abitur steht kurz bevor.

Freizeit ist auch nicht schlecht

Das Wort „Stress“ will Jan Forstbauer aber nicht hören. In der Schule habe er keine Probleme. „Und der Handball macht mir einfach unheimlich viel Spaß.“ Trotzdem ist er froh, dass die Schule in ein paar Wochen zu Ende sein wird und er ein wenig durchschnaufen kann. „Ein bisschen Freizeit ist ja auch nicht schlecht.“ Was danach kommt, ist noch nicht sicher. Bundeswehr, Zivildienst oder gleich ein Studium. „Jura oder Wirtschaft, mal sehen.“

Genauere Vorstellungen hat Jan Forstbauer, wie’s sportlich weitergehen soll. Die Runde mit der A-Jugend des HSC Schmiden-Oeffingen ist abgeschlossen. Dritter wurde er in der Baden-Württemberg-Oberliga, hinter der JSG Balingen-Weilstetten und punktgleich mit dem VfL Pfullingen. Ein bisschen mehr hatte sich Forstbauer versprochen. Mit der ersten Mannschaft des TSV spielt er im Mai in einer Play-off-Runde um den Aufstieg in die Baden-Württemberg-Oberliga.

Die Saison ist damit allerdings noch nicht zu Ende für Jan Forstbauer. Höhepunkt wird die Europameisterschaft im August in Montenegro sein, für die sich die DHB-Auswahl allerdings erst noch qualifizieren muss. Im saarländischen Völklingen müssen sich Forstbauer und Co. mit Bosnien-Herzegowina, Portugal und Luxemburg auseinandersetzen.

Seit zwei Jahren zählt Forstbauer zum Stammkader der Jugend-Nationalmannschaft, zuletzt hat er bei der Länderspielreise in Ägypten – wie das gesamte Team – gute Kritiken bekommen. So zeigte sich DHB-Trainer Christian „Blacky“ Schwarzer „überrascht von der Menge an hervorragenden Linkshändern im rechten Rückraum“. Die Chancen stehen sehr gut, dass der künftige Bittenfelder bei der EM im August dabei sein wird. Vorausgesetzt, der DHB-Nachwuchs setzt sich in der Qualifikationsrunde durch. „Ich denke nicht, dass sich am Kader noch sehr viel ändern wird“, sagt der 17-Jährige.

Vor der EM wird er bereits zum Kader des TV Bittenfeld gehören. „Darauf freue ich mich riesig“, sagt er. „Aber natürlich ist das ein großer Schritt für mich.“ Bereits zur aktuellen Runde hatte ein Wechsel zum TVB zur Debatte gestanden. Forstbauer entschied sich jedoch in seiner ersten Saison bei den Aktiven für die kleinere Lösung. „In der Württemberg-Liga beim TSV habe ich mir mehr Spielanteile erhofft.“

Nun ist’s an der Zeit für größere Aufgaben. Angebote von anderen Zweitligisten schlug er aus, die Wahl fiel auf Bittenfeld. „Wie der TVB spielt, das ist schon cool. Außerdem bin ich hier gleich sehr gut aufgenommen worden.“ Nun hofft der Linkshänder, dass ihm die Umstellung rasch gelingen wird.

Entwicklungsmöglichkeiten

Mut macht ihm dabei die Entwicklung seines künftigen Mannschaftskollegen Dominik Weiß. Der kam vor der Saison vom Landesligisten SG Schorndorf und fasste überraschend schnell Fuß im Zweitligateam. „Ich hätte nichts dagegen, wenn’s bei mir auch so laufen würde.“ Forstbauer weiß, dass Geduld das oberste Gebot ist. „Ich kann nicht von null auf hundert durchstarten und darf nicht zu viel erwarten.“

Sein künftiger Trainer jedenfalls glaubt fest an ihn. „Jan ist sehr talentiert und zielstrebig“, sagt Günter Schweikardt. Er werde allerdings noch Zeit brauchen. „Andererseits verlieren wird mit Sebastian Seitner und Marco Hauk zwei Linkshänder, auf der rechten Seite gibt’s also schon Entwicklungsmöglichkeiten.“