Die Gunst der Stunde nutzen

EHV Aue (13. Platz, 16:24 Punkte) – TV Bittenfeld (3. Platz, 28:12 Punkte/Sonntag, 17 Uhr). Die Erkenntnis nach dem mühsamen 29:25-Sieg des TV Bittenfeld gegen Delitzsch ist keine neue: Es geht knapp zu in der Liga, im Vorbeigehen ist keine Mannschaft zu schlagen. Der TV Hüttenberg und der Bergische HC, beides Aufstiegskandidaten, mussten dies zuletzt am eigenen Leib erfahren. Hüttenberg ließ einen Punkt beim Schlusslicht Leichlinger TV, der BHC unterlag bei dem Liga-Neuling TV Neuhausen/Erms.

Der letzte Nackenschlag für den TVB ist schon eine Weile her: Am 21. November zog er beim aktuellen Vorletzten HSC Coburg mit 26:27 den Kürzeren. Die Resultate der Konkurrenten und das Aufbegehren der sogenannten Kleinen der Liga dürfte Warnung genug sein vor dem Spiel am Sonntag in Aue – zumal der TVB im Erzgebirge seit seiner Zugehörigkeit zur 2. Liga schon zwei bittere Schlappen hat hinnehmen müssen.

Bitter für Aue: Matschos fällt für den Rest der Saison aus

Ein Sieg gegen die Bittenfelder käme Aue nach 2:10 Punkten in Folge gerade recht. Aue war mit 5:1 Punkten in die Saison gestartet, schlug anschließend in eigener Halle die Top-Clubs Bergischer HC mit 28:22 und den TV Hüttenberg mit 25:20. Anschließend jedoch fielen die Sachsen in ein kleines Loch, mittlerweile sind sie lediglich noch zwei Punkte vom Relegationsplatz entfernt.

Durchaus erstaunlich, schließlich hat Trainer Maik Nowak sehr gute Spieler im Kader. Die beiden Torhüter Mareks Skabeikis und Timo Meinl beispielsweise. Oder die torgefährlichen Rückraumspieler Alexander Matschos und Eric Meinhardt. Oder den Isländer Arnar Jon Agnarsson und den Finnen Tommi Sillanpää. Auch die Außenpositionen mit Georg Rothenburger und Zbynek Vesely sind bei Aue gut besetzt.

Apropos Matschos: Auf ihn wird Aue für den Rest der Saison verzichten müssen: Im Spiel gegen Essen verletzte sich der 29-Jährige bereits nach drei Minuten. Die niederschmetternde Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes. „Das macht die Aufgabe nicht einfacher“, sagt TVB-Trainer Günter Schweikardt. Auch im Hinspiel fehlte Matschos, und trotzdem hatten die Bittenfelder lange Zeit erhebliche Mühe mit dem Gegner.

Sollte die Bittenfelder Deckung ähnlich stehen wie gegen Delitzsch, stehen die Chancen auf den 14. Saisonsieg nicht schlecht. Der Angriff des EHV zählt nicht zu den torgefährlichsten der Liga – anders ausgedrückt: Keine Mannschaft hat weniger Treffer erzielt.

Ein Bittenfelder Sieg in Aue könnte die Lage an der Spitze noch spannender machen. Während sich der TV Hüttenberg und der Bergische HC in ihren Heimspielen gegen Eisenach und Coburg wohl kaum überraschen lassen werden, ist Spitzenreiter TSG Friesenheim beim TV Korschenbroich durchaus in Gefahr.

An die Konkurrenz indes denkt Schweikardt im Moment nicht. „Es gibt genügend Punkte, die unsere Mannschaft ablenken könnten“, sagt er. „Die Erwartungshaltung wird mit jedem Sieg höher.“ Auch die Planungen für die neue Saison brächten ein bisschen Unruhe. Schweikhardt hofft, dass die Mannschaft lernt, mit der Situation umzugehen. Er will unbedingt gewinnen und mit einer guten Ausgangsposition ins nächste Hemispiel gegen Erlangen gehen. „Wir sollten die Gunst der Stunde nutzen und sie nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“