„Es macht mir viel Spaß, den TVB voranzubringen“

Ein bisschen ist das neue Büro von Jürgen Schweikardt sinnbildlich für die Situation beim TV Bittenfeld: Schon weit gediehen, aber ein paar kleine Baustellen gibt’s doch. Hier fehlt eine Teppichleiste, dort lehnen die Bilderrahmen mit den signierten Trikots noch an der Wand. Auf dem künftigen Konferenztisch liegen ein paar Flyer. Ankündigungen für die nächsten beiden Spiele des Zweitligisten in der Porsche-Arena. „Der Tisch ist aus der Geschäftsstelle“, sagt Jürgen Schweikardt. „Ich dachte, der passt ganz gut hier rein.“

Typisch TVB: Unnötig Geld rauszuwerfen, kommt nicht in Frage. Erst mal schauen, ob nicht etwas aus dem eigenen Bestand zu gebrauchen ist.

Der Schwerpunkt der Arbeit hat sich Richtung TVB verlagert

Im Gebäude in der Steinbeisstraße im Waiblinger Industriegebiet Ameisenbühl werden in den nächsten Monaten einige wichtige Entscheidungen fallen. Der Diplom-Betriebswirt Jürgen Schweikardt ist hier bei Wolfgang Andräs Firma angestellt, der Andrä Consulting Group. Auch, denn Schweikardts Büro ist zugleich Schaltzentrale des Handball-Zweitligisten TV Bittenfeld.

Nachdem der Rückraumspieler sein Studium abgeschlossen hatte, sollte er etwa zur Hälfte für die Andrä Consulting Group arbeiten und sich in der restlichen Zeit um die Belange des TV Bittenfeld kümmern, um die Sponsorenakquise und -betreuung sowie die Außendarstellung des TVB. Unter anderem. „Mittlerweile hat sich der Schwerpunkt in Richtung TVB verlagert“, sagt Schweikardt. „Deutlich.“

Unterstützt wird Jürgen Schweikardt in seiner Arbeit von Monika Heib, welche die Geschäftsstelle leitet, und vom 14-köpfigen Marketingteam. „Jeder von ihnen arbeitet fünf bis 15 Stunden pro Woche für den TVB“, sagt Schweikardt. Anders seien die vielfältigen Aufgaben nicht zu bewältigen.

Jürgen Schweikardt selbst pendelt zwischen Gemeindehalle und Büro. „Der Vorteil ist, dass ich sehr flexibel sein kann.“ Muss er auch. Ein gewöhnlicher Büroalltag ist nicht drin, schließlich trainieren die Bittenfelder an manchen Tagen auch vormittags. Angesichts des prall gefüllten Terminkalenders ist für Jürgen Schweikardt der Tag nicht immer nach der abendlichen Trainingseinheit zu Ende. Hin und wieder steht anschließend eine Sitzung mit dem Marketingteam an. In diesen Fällen macht sich Schweikardt am nächsten Tag ein bisschen später auf zur Arbeit.

Dienstags ist der 29-Jährige nicht im Büro anzutreffen. Es gibt noch etwas anderes außer Handball und Job. Die Frau und die knapp zwei Jahre alten Zwillinge möchten Papa auch mal abseits des Spielfelds sehen. Der Vormittag gehört deshalb, bis zum Training, komplett den Kids. Und die paar Stunden bis zur zweiten Einheit sind ebenfalls Familienzeit.

50 bis 60 Stunden in der Woche sind in irgendeiner Weise mit dem Handball verplant. Das ist eine Menge Holz. „Ich empfinde das aber nicht als Stress“, sagt Schweikardt. „Es macht mir extrem viel Spaß, den TVB voranzubringen. Als Spieler und als Teil des Managements.“ Für ihn sei’s ein „Traumjob“. Stolz kann er sein, schließlich hat sich der TVB binnen relativ kurzer Zeit vom Dorfverein zu einem ernst zu nehmenden Bundesligisten entwickelt.

Viel mehr indes, das weiß auch Schweikardt, kann er für den TVB in der derzeitigen Konstellation nicht machen. „Sicherlich werden wir über kurz oder lang nicht um weitere hauptamtliche Mitarbeiter herumkommen.“ Der TVB sei mit Nachdruck dabei, die Handball-GmbH weiterzuentwickeln. „Wir müssen die Professionalisierung der Strukturen fortsetzen.“ Die Last müsse auf noch mehr Schultern verteilt, das Fundament noch breiter werden.

Am 23. Mai endet die vierte Zweitliga-Saison mit dem Spiel in Saarlouis. Es ist davon auszugehen, dass der TV Bittenfeld auch in der nächsten Spielzeit in der 2. Bundesliga spielen wird. Die Vorbereitungen auf das so wichtige Qualifikationsjahr 2010/2011 – die eingleisige 2. Bundesliga steht an (siehe Artikel unten) – laufen derweil auf Hochtouren. Schweikardt ist gerade dabei, die Termine für die Porsche-Arena festzuzurren. Geplant sind, wie in dieser Saison, vier Auftritte. Die Alternative Ludwigsburger Arena sei vom Tisch, der TVB werde weiterhin an seinen beiden Heimspielstandorten Stuttgart und Bittenfeld festhalten.

Die altehrwürdige Gemeindehalle wird also nach wie vor Hauptspielort sein. „Wir werden versuchen, sie so weit wie möglich auszureizen“, sagt Schweikardt. In den vergangenen Jahren habe sich einiges verbessert, das Ende sei noch nicht erreicht.

Irgendwann allerdings könnte die Gemeindehalle den Ansprüchen nicht mehr genügen. Beispielsweise dann, wenn der TV Bittenfeld den Sprung in die 1. Liga schaffen sollte. „Dann“, sagt Jürgen Schweikardt und lächelt. „Dann werden wir ein paar Spiele mehr in der Porsche-Arena machen.“