Wild Boys gewinnen Derby

Größer hätten die Gegensätze in der Arena nach dem Schlusspfiff kaum sein können: Während die Bittenfelder Spieler wie von der Tarantel gestochen in den TVB-Block rannten und sich von ihren Fans minutenlang feiern ließen, schlichen die Bietigheimer bedröppelt vom Platz. Trotz einer starken kämpferischen Leistung kassierten sie ihre vierte Niederlage in Folge, der TVB holte sich den dritten Auswärtssieg.

„Wir haben es nicht geschafft, den Ausgleich zu erzielen – warum auch immer“, sagte SG-Trainer Jochen Zürn, seit der Entlassung von Uwe Rahn am Dienstag verantwortlich, in Anspielung auf die Leistung der Unparteiischen. Mit der Regelauslegung von Dirk Schmitt/Frank Kuntz (Kleinblittersdorf) waren die Bietigheimer überhaupt nicht zufrieden. Doch zumindest in den letzten fünf Minuten, als das Derby entschieden wurde, spielten Schmitt/Kuntz keine große Rolle. Da agierten die Bittenfelder schlichtweg abgezockter, nutzten die Fehler des Gegners gnadenlos aus und hatten auch ein wenig Dusel.

Torhüterwechsel brachte Bietigheim zurück

Tor- und temporeich und ausgeglichen startete das Derby vor einer prächtigen Kulisse. Nach zwölf Minuten schaffte der TV Bittenfeld durch die starken Simon Baumgarten, Jens Baumbach und Marco Hauk beim 9:6 die erste Drei-Tore-Führung. Höchste Zeit für SG-Trainer Jochen Zürn, den Torhüter zu wechseln. Bis dahin hatte der TVB auf dieser Position mit dem guten Daniel Sdunek deutliche Vorteile. Mathias Lenz kam für Benjamin Krotz, der keine Hand an die Würfe seiner ehemaligen Bittenfelder Mitspieler brachte.

Es war eine weise Entscheidung von Zürn, wie sich noch herausstellen sollte. Zunächst indes änderte sich nichts am Spielverlauf. Die Bittenfelder lagen stets mit zwei oder drei Toren vorne. Vor allem der Bietigheimer Rückraum kam selten zum erfolgreichen Abschluss – egal, ob Robin Haller, Nico Kibat, Andreas Blodig, Pierre Freudl, Christoph Auer oder Philipp Schulz auf dem Feld standen. Gefährlich wurde die SG meist, wenn sie mit Tempo über die flinken Außen Mathias Hinz und Sebastian Knierim kam. Vom Kreis indes kam so gut wie gar nichts, hier hatte der TVB mit Baumgarten ein deutliches Plus. Nach 25 Minuten (14:16) wurde es hektisch auf und neben dem Feld. Der Bietigheimer Christian Heuberger streckte Sebastian Seitner nieder. Für Jürgen Schweikardt war die Zwei-Minuten-Strafe offensichtlich zu milde. Er beschwerte sich lautstark bei den Schiedsrichtern und musste von seinen Mitspielern beruhigt werden. Es war jedoch die einzige Szene, in der die Bittenfelder die Ruhe verloren. Nach drei Toren in Folge führte der TV Bittenfeld mit 19:14 (29.). Einige Konzentrationsfehler kosteten ihn eine höhere Pausenführung (19:16).

Lief’s bei den Bittenfeldern im Angriff in den ersten 30 Minuten ordentlich, ging nach der Halbzeit plötzlich fast gar nichts mehr aus dem gebundenen Spiel. Die Bietigheimer 6:0-Deckung stand kompakter, der TVB suchte vergeblich eine Lücke. Vor allem der linke Rückraum mit Dominik Weiß oder Adrian Wehner fand nicht ins Spiel. Kam doch einmal ein Wurf aufs Tor, war Mathias Lenz zur Stelle. Der Bietigheimer Torhüter wurde von Minute zu Minute stärker. In 18 Minuten brachten die Bittenfelder gerade einmal vier Tore zustande und hatten Glück, dass auch Bietigheim immer wieder leichte Fehler unterliefen.

Beim 22:23 (48.) war die SG wieder im Spiel. Dann scheiterte Alexander Heib, der zuvor vier Siebenmeter sicher verwandelt hatte, im fünften Versuch an Lenz und vergab die Drei-Tore-Führung (51.). Bietigheim kam mehrmals auf einen Treffer heran, verlor aber Steffen Bühler (53.) nach der dritten Zeitstrafe.

Hochspannend und kurios verliefen die letzten fünf Minuten. In Unterzahl erzielte Auer den Abschluss zum 27:28. Florian Schöbinger scheiterte frei an Lenz und Schweikardt mit einem Siebenmeter am SG-Keeper. Als Simon Baumgarten unglücklich seine zweite Zeitstrafe kassierte, war’s passiert: Kibat erzielte per Siebenmeter beim 28:28 den ersten Ausgleich seit dem 6:6.

Die Fans tobten – der TVB schlug kühl zurück. Schöbingers optimistischer Hüftwurf schlug zum 28:29 ein, im Gegenzug stand der Bietigheimer Rechtsaußen beim vermeintlichen Ausgleich im Kreis. Kurz darauf flutschte Lenz’ Abwurf dem Bietigheimer Jochen Bauer durch die Hände ins Aus. Eine Minute vor Schluss wurde Lenz endgültig zur tragischen Figur: Einen eigentlich harmlosen Aufsetzer von Weiß zum 28:30 ließ er passieren. Das 29:30 von Knierim kam zu spät.

Der Rest waren ein Häufchen Elend auf der einen und grenzenloser Jubel auf der anderen Seite.

SG BBM Bietigheim: Krotz, Lenz; Haller (3), Kibat (6/3), Knierim (4), Heuberger, Schäfer, Bühler (19, Bauer (1), Blodig, Hinz (3), Freudl (3), Auer (6), Schulz (2).

TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann; Seitner (5), Schöbinger (1), Weiß (3), Baumbach (4), Lenz (2), Schweikardt (1), Heib (5/4), Baumgarten (5), Wehner, Hauk (4), Rothe, Drobek.

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Pressespiegel der SG Bietigheim