Selbst der Verlierer ist in Partylaune

Die TSG Groß-Bieberau hätte sich nach der 28:30-Niederlage am Freitag in der Stuttgarter Porsche-Arena eigentlich grämen müssen. Die Chance war groß, dem TVB zumindest einen Punkt abzuluchsen. Und der wäre nicht einmal unverdient gewesen.

Von Frust indes war bei der TSG auf der Heimreise nichts zu spüren. Die Stimmung war gut im Bus, die TSG war von der Kulisse begeistert. „Ich will das Ergebnis gar nicht schönreden, aber das hat hier heute einfach Riesenspaß gemacht“, sagte TSG-Trainer Thomas Göttmann. „Wir sind stolz, dabei einen so guten Eindruck hinterlassen zu haben.“

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4371 Zuschauer in der Porsche-Arena waren die Groß-Bieberauer nicht gewohnt – der TVB indes auch nicht. So wenige wollten die Bittenfelder in den sieben Spielen zuvor noch nie sehen. Enttäuscht waren die Verantwortlichen des TVB allerdings nicht. „Wir sind eben verwöhnt“, sagt Rainer Heib. Über 4000 Zuschauer anzulocken, sei nach wie vor hervorragend. Ganz abgesehen davon, dass etliche parallele Veranstaltungen dem TVB den einen oder anderen Zuschauer gekostet hätten: Die Rhein-Neckar-Löwen spielten in der 4650 Zuschauer fassenden Karlsruher Europahalle vor 3072 Fans. Und das in der Champions League.

Zufrieden mit dem Zuschauerzuspruch war auch Jürgen Schweikardt, beim TVB fürs Marketing verantwortlich. „In den Phasen, wo’s gut lief, war auch die Stimmung nicht viel anders als bei besser besuchten Spielen.“ Allerdings hätte sich Schweikardt von jenen guten Phasen ein paar mehr gewünscht. „Man hat gemerkt, dass wir als Favorit unter Druck standen.“ Groß-Bieberau habe aber auch clever gespielt. Auch wenn nicht alles rundlief: Schweikardt zieht ein positives Fazit nach dem ersten Auftritt in der Porsche-Arena in dieser Saison. „Wir freuen uns jetzt schon auf den 26. Dezember.“ Dann kommt die TSG Friesenheim in die Porsche-Arena. In diesem Spiel gegen den ungeschlagenen Tabellenführer darf der TVB wieder die Rolle des Außenseiters annehmen.

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Außenseiter war der TVB auch, als er in der vergangenen Saison die HR Ortenau mit 31:29 besiegte. Im Tor der Schwarzwälder stand damals Daniel Sdunek, seit dieser Runde beim TVB zusammen mit Bastian Rutschmann fürs Toreverhindern zuständig. Das ist dem 29-Jährigen am Freitag in den ersten 30 Minuten mit neun gehaltenen Bällen auch gut gelungen. Sdunek selbst sprach hernach von einer „eher durchwachsenen“ Leistung. „Ich habe ein oder zwei Eier bekommen“, sagte er. Grundsätzlich merke er schon während des Spiels, wenn er hier und da eine falsche Entscheidung getroffen habe. Die detaillierte Nachbetrachtung erfolge schlussendlich im Bett. So viele Fehler kann Sdunek gegen Groß-Bieberau nicht gemacht haben. „Ich habe jedenfalls gut geschlafen.“

Nach sechs Spielen liegt der TVB mit 7:5 Punkten auf Platz sechs. Damit ist Sdunek noch nicht ganz zufrieden. „Wir sind ungefähr bei 80 Prozent von dem, was wir uns vorgenommen haben.“ Die Mannschaft müsse sich die Punkte hart erkämpfen, es fehle noch die Leichtigkeit. Allzu große Sorgen macht er sich allerdings nicht. „Schwankungen sind normal, irgendwann wird’s wieder flüssig laufen.“

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Sduneks Vorgänger, Björgvin Gustavsson, stattete seinen Ex-Kollegen am Freitag einen Besuch ab und wurde herzlich empfangen. Der isländische Nationaltorhüter spielt seit dieser Saison beim Schweizer Erstligisten Kadetten Schaffhausen.

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Etwas überraschend kam Co-Trainer Jens Baumbach gegen die TSG Groß-Bieberau zum Einsatz. Seit knapp zwei Wochen trainiert er wieder mit. „Es war allerdings nicht unbedingt geplant, dass ich spiele“, sagt er. Der Linksaußen war ganz zufrieden mit seiner Leistung. „Ich habe keine großen Fehler gemacht.“ Ob Baumbach morgen beim Bergischen HC erneut auf dem Platz stehen wird, ist jedoch fraglich: Am Sonntag, beim Spiel der Landesligamannschaft gegen den TV Oppenweiler II, bekam er einen Schlag auf die Nase. Ein Körperteil, das bei Baumbach besonders empfindlich ist.