Der TVB sichert sich einen Punkt

Indes: Betrachtet man nur den Spielverlauf in den ersten 30 Minuten, dann hätten die Bittenfelder mit zwei Zählern im Gepäck nach Hause fahren müssen. Denn nach 19 Minuten hatte der TVB bereits mit 14:8 gegen den Vorjahreszweiten, der erst in der Aufstiegsspielen zur ersten Bundesliga gescheitert war, geführt.  Außer dem starken Torwart Daniel Sdunek überzeugte der TVB in dieser Phase vor allem mit seinem Konterspiel und der hohen Trefferquote. 19-mal waren die Gäste im Ballbesitz, 14-mal landete der Ball l im gegnerischen Gehäuse. Nur dreimal konnte sich der Keeper der Friesenheimer auszeichnen, zweimal verlor der TVB den Ball nach einem technischen Fehler. „Das war natürlich eine super Quote“, schwärmt  der Bittenfelder Co-Trainer Klaus Hüppchen. Erst nach einer Auszeit von Friesenheims Trainer Thomas König lief es bei den Gastgebern in der Abwehr besser – bedingt auch dadurch, dass sie Sebastian Seitner fortan in enge Deckung nahmen. Die Folge: Mit ihren letzten elf Angriffen vor der Pause markierten die Friesenheimer sieben Tore. Und dennoch gingen die Bittenfelder mit einem Drei-Tore-Vorsprung in die Halbzeit (19:16). 
Nach Wiederanpfiff zog der TVB durch seinen erfolgreichsten Schützen Marco Hauk (acht Toren) zwar noch einmal auf vier Treffer davon. Es sollte allerdings der letzte komfortable Vorsprung gewesen sein. Danach taten sich die Gäste im Angriff äußerst schwer – auch, oder vor allem deshalb, weil sie viermal in Unterzahl agieren mussten. Zudem fand der Gegner vor 900 Zuschauern immer besser ins Spiel. Beim 21:21 war der erste Ausgleich geschafft, beim 23:22 ging die TSG erstmals seit dem 4:3 wieder in Führung. „Psychologisch gesehen, war da das Spiel für uns eigentlich gelaufen“, sagt Hüppchen. Aber eben nur psychologisch. Physisch stemmten sich die Bittenfelder mit allen zu mobilisierenden Kräften gegen die drohende Niederlage. Allen voran der beim Stande von 21:20 eingewechselte Torwart Bastian Rutschmann. Von den 13 letzten Friesenheimer Torwürfen vereitelte er insgesamt zehn. Darunter gleich drei Siebenmeter. Den letzten zweieinhalb Minuten vor dem Ende beim Stande von 27:27. Im Gegenzug traf dafür der Bittenfelder Spielmacher Jürgen Schweikardt von der für ihn ungewohnten rechten Außenposition – und zwar in Unterzahl. Zwar schafften die Gastgeber durch Philipp Grimm nur 13 Sekunden (58:23) später wieder den Ausgleich, mehr aber war für den Vorjahreszweiten in heimischer Halle nicht drin. Was nicht zuletzt an der Cleverness der Bittenfelder lag. Die schafften es nämlich, die verbleibenden 90 Sekunden in Ballbesitz zu bleiben. Nachdem die Unparteiischen nach 40 Sekunden Zeitspiel angezeigt hatten und der nötige Wurf erfolgt war, kam der Ball zu den Bittenfeldern zurück. „Das Zeitspiel war aufgehoben, weil ein Gegner den Ball berührt hatte“, klärt Hüppchen später auf. Indes: Auch diese zweite letzte Chance für den möglichen Siegtreffer ließen die Gäste ungenutzt. Florian Schöbinger scheiterte mit seinem Wurf.
„Ich denke, letztlich war es trotzdem ein absoluter Punktgewinn. Die Friesenheimer werden sicherlich zu Hause nicht mehr viele Zähler abgeben. Und so könnte dieser Punkt vielleicht noch einmal goldwert für uns sein“, sagt Hüppchen.
 

TSG Friesenheim: Klier, Pfeiffer – Grimm (4/1), Dietrich (2), Müller (2/1), Brandt, Ruß, Pevnov (5), Matschke (4), Veta (6), Ancsin, Dissinger, Becker (1), Gaubatz (4).
TV Bittenfeld: Sdunek, Rutschmann – Seitner (4), Schöbinger (1), Schweikardt (6), Heib (5/3), Lenz (2), Baumgarten (1), Wehner (1), Hauk (8), Drobek, Krammer (o.E.), Weiß (o.E.)

STIMMEN:

Sebastian Seitner (Rückraumspieler, TV Bittenfeld): „Wir wussten, dass wir auf eine starke Mannschaft treffen würden. Wir hatten Respekt, aber keine Angst – das Pokalspiel in Coburg hat uns diesbezüglich gut getan. Mit dem Punkt können wir zufrieden sein, wenngleich vom Spielverlauf her mehr möglich gewesen wäre. Nach dem 21:21-Ausgleich der Friesenheimer war es ein offener Schlagabtausch.“

Jens Baumbach (Co-Trainer, TV Bittenfel): „Im ersten Moment war das Unentschieden schon enttäuschend. Aber wenn man eine Nacht darüber geschlafen hat, geht der Punkt in Ordnung. Zumal: Wer weiß, wie viel er noch einmal Wert sein wird. Wir haben eine sehr starke erste Hälfte gezeigt, nach der Pause waren wir oft in Unterzahl und haben uns deshalb im Angriff sehr schwer getan.“

Florian Schöbinger (Allrounder, TV Bittenfeld): „Ich hatte mehr erwartet und bin deshalb schon enttäuscht. Vor allem, weil ich den letzten Wurf hatte und den Ball leider nicht reingemacht habe. Wir hatten den Gegner in der ersten Hälfte fest im Griff, danach nicht mehr. Letztlich muss man deshalb mit dem Punkt zufrieden sein. Das Spiel hätte hinten raus auch anders laufen können.“