Bittenfeld ist auf der sicheren Seite

Das Spiel gegen den HSC Coburg war ein ganz besonderes. Schon lange nicht mehr haben die – außerordentlich fairen – gegnerischen Fans in der Bittenfelder Gemeindehalle einen solchen Lärm gemacht. Und für den TVB waren die Coburger eine ganz harte Nuss, vielleicht das beste Team, das in der Rückrunde in Bittenfeld antrat.

Um so glücklicher war TVB-Trainer Günter Schweikardt nach dem 32:31-Sieg, dem achten doppelten Punktgewinn in Folge. „Der Sieg ist sehr hoch einzuorden“, sagte er. Coburg habe ein großes Potenzial. „Wenn es so spielt, hat es jede Mannschaft der 2. Liga schwer.“ Seine Mannschaft habe „schwer gekämpft“, das sei „aller Ehren wert“.

Lohn des Sieges war der Sprung auf den achten Platz – mit nur zwei Punkten Rückstand auf den vierten Platz. Bei noch vier Spielen ist da also noch etwas zu machen, zumal die Bittenfelder derzeit kaum aus der Ruhe gebracht werden können. Einholen könnte der TVB (33:27 Punkte) beispielsweise noch die SG BBM Bietigheim (34:26) und wäre dann bestes Team aus Württemberg. Oder aber die HR Ortenau (33:25).

Wer nicht versichert ist, spielt auch nicht

Möglicherweise aber werden die Bittenfelder in den Kampf um einen Platz im vorderen Drittel nicht mehr eingreifen können. Derzeit verdichten sich die Anzeichen, dass der TVB die vier gegen die HR Ortenau gewonnenen Punkte nicht behalten wird.

Am Freitag bezwangen die von der Insolvenz bedrohten Schwarzwälder den HC Erlangen mit 34:33. Allerdings kommt das Team von Trainer Goran Sutton nicht nur finanziell, sondern auch personell auf dem Zahnfleisch daher. Weil sich jetzt auch noch Torjäger Grzegorz Garbacz verletzte und Mark Hafner nur bedingt einsatzfähig ist, hat die HR nur noch einen Auswechselspieler zur Verfügung.

Am kommenden Donnerstag wird das Gericht wahrscheinlich das Insolvenzverfahren eröffnen. Das hätte das Aus der HRO zum Saisonende zur Folge – oder schon früher. Es könnte gut sein, dass die Ortenauer bereits am 3. Mai bei der TSG Friesenheim nicht mehr antreten werden. Eigentlich wollten sie trotz des enormen Personalengpasses die Runde zu Ende spielen. Das könnte sich allerdings von alleine erledigen: Da die Spieler nur noch diesen Monat Insolvenz-Geld erhalten, sind sie von Mai an nicht mehr über die Berufsgenossenschaft versichert. „Wenn wir nicht versichert sind, können wir nicht spielen“, sagt Spieler Martin Valo auf der Homepage der HRO.

Für Rainer Heib vom TV Bittenfeld ist das eine nachzuvollziehende Aussage. „Die meisten Spieler haben ja schon einen neuen Verein, und der würde das nicht akzeptieren.“ Heib glaubt deshalb nicht mehr daran, dass die HRO ihre letzten fünf Spiele zu Ende spielen wird. Damit sinke die Aussicht des TVB auf einen besseren als den momentan achten Platz. Das sei zwar schade, aber nicht dramatisch. Schließlich hat Heib von Uwe Stemberg, dem Spielleiter der Handball-Bundesliga (HBL), ein Signal bekommen. „Er hat mir mitgeteilt, dass die Ortenau laut DHB-Spielordnung der erste Absteiger sein wird, sollte sie die Runde nicht fertigspielen“, sagt Rainer Heib.

Die HG Oftersheim/Schwetzingen wäre in diesem Fall Vorletzter und folgte der HRO, der Leichlinger TV rückte auf den Relegationsplatz nach vorne. Die Bittenfelder wären bei 14 Punkten Vorsprung locker durch. Auch wenn die Bittenfelder das Saisonziel damit erreicht haben: Sie sehen keinen Grund nachzulassen. Es gilt, die Serie von 21:3 Punkten in diesem Jahr auszubauen und bestes Rückrundenteam zu bleiben. Am Sonntag steht der TVB vor der nächsten Bewährungsprobe bei der als Erstliga-Aufsteiger feststehenden HSG Düsseldorf. Zu gerne fügte der TVB dem Meister die dritte Saisonniederlage zu. Wie’s gehen könnte, zeigten die Bittenfelder im Hinspiel. In der Porsche-Arena holten sie einen Punkt.

Florian Schöbinger, der gegen Coburg trotz Trainingsrückstands aufsteigende Form zeigte, sieht in Düsseldorf durchaus eine Siegchance. Auch ohne Marco Hauk und Kai Häfner. „Wir haben’s bisher immer kompensiert, wenn wir Ausfälle hatten oder der eine oder andere Schwächen zeigte.“