„Für mich ist das ein Traum“

Felix Schmidl kennen nur die eingefleischten Fans des TV Bittenfeld. Gegen Wallau feierte der 19-jährige Torhüter in der Porsche-Arena sein Zweitliga-Debüt. „Für mich als junger Spieler ist das natürlich ein Traum“, sagt er. „Mein erstes Spiel, und das vor so einer beeindruckenden Kulisse.“

Es lief die 56. Minute in der Porsche-Arena. Der Wallauer Tobias Schimmelbauer hat gerade das 25:31 aus Sicht der SG erzielt. Die Partie war entschieden, also kam das Zeichen für Felix Schmidl: Die knapp 6000 Zuschauer verabschiedeten den starken TVB-Torhüter Benjamin Krotz mit Sonderapplaus und empfingen den Youngster Felix Schmidl ebenso freundlich.

Besonders geläufig ist der Name des dritten Bittenfelder Torhüters noch nicht. Der Asperger kam vor der Saison vom SV Kornwestheim nach Bittenfeld. Weil beim TVB die ersten beiden Torhüterpositionen mit Björgvin Gustavsson und Benjamin Krotz besetzt waren, sollte der Nachwuchsmann behutsam aufgebaut werden. Schmidl wurde mit Zweifachspielrecht beim Baden-Württemberg-Oberligisten SG Pforzheim/Eutingen ausgestattet, der vom ehemaligen Göppinger Marc Nagel trainiert wird.

Erst Lehle, dann Bürkle, jetzt Schmidl

Schon während der vergangenen Saison schaute Schmidl, damals noch in Kornwestheim, ab und zu im Training des TVB vorbei. In der aktuellen Runde trainiert er zwei- bis dreimal in Bittenfeld und die restlichen Trainingstage in Pforzheim. Der Zivildienstleistende wohnt in Asperg. Wenn’s gut läuft, ist er in 35 Minuten in Pforzheim und in 20 Minuten in Bittenfeld. „Das ist kein Problem“, sagt Schmidl, der sich in beiden Vereinen sehr wohl fühlt. Falls der TVB unter der Woche ein Torhüterproblem habe, wenn beispielsweise Björgvin Gustavsson mit der Nationalmannschaft unterwegs sei, trainiert Schmidl komplett in Bittenfeld. „Die Absprache zwischen der SG und dem TVB funktioniert sehr gut.“

Zweimal fehlte Gustavsson dem TVB in dieser Saison: In Coburg, hier war er mit Island im Einsatz, ersetzte ihn Steffen Lehle aus der zweiten Mannschaft. In Delitzsch fehlte Gustavsson krankheitsbedingt, der TVB reaktivierte Marc Bürkle. Am Freitag war Gustavsson bei der Europameisterschafts-Qualifikation im Einsatz. Die Zeit war gekommen für Schmidl – ausgerechnet in der Porsche-Arena. „In der Nacht vorher habe ich schon ein bisschen schlechter geschlafen“, sagt Schmidl. Als ihn TVB-Trainer Günter Schweikardt in den Schlussminuten aufs Feld schickte, sei keine Zeit für Nervosität gewesen. „Da blendet man alles aus und hat in erster Linie die Wurfbilder der gegnerischen Spieler im Kopf.“ Andererseits habe ihn die Kulisse natürlich beeindruckt. „Normalerweise spiele ich vor 400 Zuschauern.“

Dass Schmidl überhaupt zum Einsatz kam, verdankte er auch Benjamin Krotz. Dessen prima Leistung war mitentscheidend für den zwischenzeitlich deutlichen Vorsprung der Bittenfelder. Schmidls Debüt war also abzusehen.

Und was wäre geschehen, hätte Krotz einen schlechten Tag erwischt? „Ich will immer spielen“, sagt Schmidl. „Ich habe nicht auf der Bank gesessen und gehofft, dass ich nicht zum Einsatz komme.“ Wie’s jetzt gelaufen ist, war Schmidl auch recht.

Mehr Spielanteile bekommt der 19-Jährige in Pforzheim. Mit der SG kämpft er um den Aufstieg in die Regionalliga. Am Samstag musste Schmidl eine bittere 27:37-Schlappe gegen die Stuttgarter Kickers einstecken. Sechs Spieltage vor Schluss sind die SG, die Bundesliga-Reserve der HBW Balingen-Weilstetten und der TV Großsachsen punktgleich auf Platz zwei. Einer der drei wird Leutershausen, das fast durch ist, in die Regionalliga folgen. „Wir werden noch mal richtig Gas geben“, sagt Schmidl. Falls es nicht reichen sollte, will er in der nächsten Saison in der BW-Oberliga angreifen. „Ich hoffe, ich bekomme nochmals das Zweifachspielrecht“, sagt er.

Vielleicht klappt’s auch wieder mit einem Zweitliga-Spiel. Es muss ja nicht gleich wieder die Porsche-Arena sein.