Offensive Abwehr bringt die Wende

Der Bittenfelder Torhüter Björgvin Gustavsson blieb auch in der 61. Minute stand fest, als ihm sein Mitspieler Jürgen Schweikardt mit einigen Metern Anlauf mit Schmackes in die Arme hüpfte. Kurz zuvor hatte der Isländer binnen 30 Sekunden gleich drei schwierige Bälle gehalten. Natürlich war die Partie zu diesem Zeitpunkt beim 30:24 längst entschieden. Doch Gustavssons Einsatz zeigte, mit welch großem Herzen die Bittenfelder in diesem bedeutenden Spiel zu Werke gingen. 

Florian Schöbinger und Kai Häfner krank, Patrick Kleefeld verletzt: Aus dem dünnen Kader blieben den Bittenfeldern nur zwei Auswechselspieler. Ein bisschen wenig, schließlich wollte der TVB den Gästen mit Tempohandball beikommen. Also setzte sich Co-Trainer Jens Baumbach zur Sicherheit auf die Bank. Und seine Dienste brauchte der TVB dringend, nach 15 Minuten feierte er sein Comeback. In der 20. Minute knickte Sebastian Seitner nach einem Foul um und schied aus. Fortan musste der TVB im Rückraum ohne Linkshänder agieren. Jürgen Schweikardt, Adrian Wehner und Alexander Heib spielen durch. Ludek Drobek durfte seine Kräfte für die Abwehr schonen. Es sollte sich auszahlen, er machte ein gutes Spiel. Bittenfeld startete konzentriert, führte nach sechs Minuten mit 5:2. Der EHV Aue nutzte anschließend unvorbereitete Angriffe des TVB mit vier Toren in Folge zum 6:5 (10.). Vor allem Schweikardt und Wehner hatten einige unglückliche Szenen, scheiterten immer wieder am starken Gästetorhüter Timo Meinl.

Die Bittenfelder Abwehr war zunächst nicht ganz sattelfest, ließ zu viele einfache Tore zu. Zum Glück für den TVB präsentierte sich Gustavsson wie sein Gegenüber in prima Form. So blieb das Spiel in den ersten 30 Minuten eng. EHV-Linksaußen Shinnosuke Uematsu erzielte die 15:14- Gästeführung zur Halbzeit. Als Aue nach der Pause gleich nachlegte und die erste Zwei-Tore-Führung schaffte, sah’s nicht gut aus für den TVB. Doch mit der ersten Zeitstrafe im Spiel gegen den Auener Alexander Urban begann die stärkste Phase der Bittenfelder.

Alexander Heib störte auf der vorgezogenen Position die Kreise des Gästerückraums. Dahinter war die TVB-Abwehr in Eins-gegen-eins- Situationen kaum mehr zu überwinden. Was durchkam, landete meist bei Gustavsson. Der eigentlich starke Rückraum der Erzgebirgler mit Alexander Matschos, Valdis Gutmanis ­beide gingen angeschlagen ins Spiel ­ und Eric Meinhardt wusste nicht mehr, wie er dem TVB beikommen sollte. Beim 19:18 (38.) lag Aue letztmals in Führung und blieb die folgenden 13 (!) Minuten ohne Tor. Nach sieben Treffern in Folge führte Bittenfeld, angetrieben vom auch in der Offensive überzeugenden Heib, mit 25:19 (49.). Beweis für die Hilflosigkeit des EHV Aue war die Zeitstrafe gegen Trainer Maik Nowak wegen Meckerns. Die Gäste waren reichlich frustriert, der TVB blieb konzentriert und kämpfte bis zum Schluss. Auf mehr als vier Tore (26:22/53.) ließ er den Gegner nicht mehr herankommen und holte sich mit 30:24 souverän den achten Saisonsieg. Der war eminent wichtig, schließlich punkteten auch die Konkurrenten: Coburg holte gegen Friesenheim einen Sieben-Tore-Rückstand auf und spielte 28:28, Er langen schickte Groß-Bieberau mit einer 30:18-Packung nach Hause.

TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Seitner (2), Prasolov (2), Schweikardt (6/2), Heib (5/1), Baumgarten (4), Baumbach, Wehner (5), Hauk (5), Drobek (1).

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