Heib rettet TVB einen Punkt

Der neutrale Zuschauer genoss gestern die 60 dramatischen und teilweise hochklassigen Minuten in vollen Zügen. Die Fans der beiden Mannschaften indes waren der Verzweiflung nahe – oder eben verzückt ob der Darbietung ihrer Helden.
Die ersten 30 Minuten waren eine der besten, die der TV Bittenfeld in dieser Saison gezeigt hat. Dass die Abwehr offensichtlich an Stabilität gewonnen hat, hatte der TVB in den beiden Spielen zuvor schon bewiesen. Derart ideenreich und abschlusssicher im Angriff wie gegen den Tabellenvierten Bietigheim haben die TVB-Fans ihr Team jedoch schon lange nicht mehr gesehen. Vom schnellen 0:2-Rückstand ließ sich der TVB im von Beginn an rasanten Derby nicht beeindrucken. Nach sechs Minuten holte er sich beim 6:4 die erste Zwei-Tore-Führung. Die Bittenfelder blieben hochkonzentriert. Die Abwehr war schnell auf den Beinen, dahinter präsentierte sich Björgvin Gustavsson in Glanzform. Allein 13, zum Teil freie Bälle fischte der Isländer in den ersten 30 Minuten. Und vorne spielte der TVB ungemein variabel. Nach 13 Minuten versuchte der Bietigheimer Trainer Uwe Rahn beim 6:9-Rückstand mit einer Auszeit seinem Team neues Leben einzuhauchen.
Kurzzeitig mit Erfolg, Philipp Amann glich zum 10:10 aus (15.). Dann jedoch waren die Bittenfelder nicht mehr zu halten. Mit sechs Toren in Folge zogen sie fulminant auf 16:10 davon (23.). Die Bietigheimer Schlussmänner Mathias Lenz und Matthias Gysin bekamen kaum einen Ball zu fassen, der Angriff fand nach wie vor kein Mittel.
Gefährlich wurde es nur, wenn Robin Haller zugange war. Er kämpfte verbissen und fand als einziger Lücken in der TVB-Deckung. Bis zur Pause (20:14) hielten die Bittenfelder nach einer bärenstarken Leistung ihren Vorsprung.
Als Gustavsson nach Wiederanpfiff zwei freie Chancen der Bietigheimer parierte und die Bietigheimer Bank wegen Reklamierens von den souveränen Schiedsrichtern Thomas Kern und Thorsten Kuschel zwei Gelbe Karten sahen, wähnte sich der TVB offensichtlich bereits am Ziel. Vorne agierte er nun allzu lässig, im Abschluss fehlte die Konzentration. Zudem übertrieben die Bittenfelder die Zauberanspiele an den Kreis auf Simon Baumgarten. Was vor der Pause wunderbar funktioniert hatte, ging jetzt gleich reihenweise in die Hose.
Die Bietigheimer witterten ihre Chance, angetrieben vom überragenden Haller und dem immer besser ins Spiel kommenden Gysin. Und sie nutzten die Fehler des TVB rigoros aus. Zwischen der 37. Minute (23:17) und 44. Minute (24:24) verspielte Bittenfeld den Vorsprung – und bekam das große Nervenflattern. Bietigheim war psychologisch klar im Vorteil, doch der TVB blieb dran. Nach Sebastian Seitners 28:26 (50.) hatte sich Bittenfeld wieder gefangen, es entwickelte sich eine dramatische Schlussphase. Zum Verzweifeln brachte die TVB-Fans das schwache Überzahlspiel ihres Teams. Gleich zwei Treffer zum 28:28 (52.) kassierte der TVB mit einem Spieler mehr auf dem Feld – und sah sich beim 28:29 durch Heuberger zum ersten Mal seit dem 2:3 wieder im Hintertreffen.
Diesem Rückstand lief Bittenfeld nun hinterher – und hatte Glück, dass auch den Bietigheimern der eine oder andere Fauxpas unterlief. Nach einem technischen Fehler der SG vergab der glücklose Adrian Wehner die Führung. Jürgen Schweikardt, der ein sehr gutes Spiel machte, übernahm zweima Verantwortung und traf zum 30:30 und 31:31.
Als ausgerechnet der Ex-Bittenfelder Patrick Rothe 22 Sekunden vor Schluss für die SG zum 32:31 traf, schienen die Punkte weg. TVB-Trainer Günter Schweikardt holte den Torhüter vom Feld und brachte den siebten Feldspieler. Simon Baumgarten wurde gefoult, Alexander Heib behielt vom Siebenmeterstrich fünf Sekunden vor dem Ende die Nerven und überwand den starken Gysin zum gerechten 32:32.
TV Bittenfeld: Gustavsson, Krotz; Drobek, Heib (6/3), Schöbinger (2), Schweikardt (9/2), Seitner (4), Wehner (3), Hauk (2), Häfner (1), Prasolov, Baumgarten (5). SG BBM Bietigheim: Gysin, Lenz; Haller (10), Kibat (4/2), Knierim (3), Heuberger (7), Schäfer, Bauer, Rothe (2), Hinz (1), Freudl (3), Löffler (1), Amann (1).