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Vorbericht

Nach Coup kommt das nächste Top Team!

Liebe Handballfreunde,

Was war das für ein Coup der WILD BOYS am vergangenen Donnerstag in Berlin. Der TVB Stuttgart entführte mit einem 30:25 Erfolg beide Zähler aus der deutschen Hauptstadt. Garanten für den Sieg war neben einer ganz starken Mannschaftsleistung einmal mehr Torhüter Johannes Bitter in seinem Jubiläumsspiel. 500 Einsätze in der DKB Handball-Bundesliga hat der ehemalige Nationaltorhüter nunmehr absolviert. Und „Jogi“ war besonders dann gefragt, als die Berliner drauf und dran waren, die Partie noch zu drehen. Aber die Gäste ließen an diesem Abend nichts mehr anbrennen. Mit diesem Sieg verbesserten sich die WILD BOYS auf den zehnten Rang und setzten sich ins Tabellenmittelfeld ab.      

Ein anderer Weltmeister von 2007 im Trikot des TVB lief zwei Wochen zuvor in der Partie gegen die TSV Hannover-Burgdorf zur Höchstform auf. Michael „Mimi“ Kraus warf mit 18! Toren die Hälfte aller Treffer der WILD BOYS gegen die Niedersachsen und ließ einen ratlosen Gästetrainer zurück. „Unsere Abwehr war heute gar nicht vorhanden“, haderte der Spanier Carlos Ortega. Dabei brannten die WILD BOYS vor den restlos begeisterten Zuschauern in der fast ausverkauften SCHARRena besonders im ersten Durchgang ein regelrechtes Feuerwerk ab. In der zweiten Halbzeit, als die TSV Hannover-Burgdorf alles auf eine Karte setzte und mit dem siebten Feldspieler agierte, bewies die Heimmannschaft großen Kampfgeist und rettete den Sieg ins Ziel. „Heute bin ich sehr zufrieden“, freuet sich ein richtig erleichterter WILD BOYS-Coach Jürgen Schweikardt.

Ein ähnliches Feuerwerk ist nun auch gegen Magdeburg gefragt, wenn es gegen den Tabellenzweiten geht. Das Team von der Elbe weist erst vier Minuspunkte auf und geht natürlich als eindeutiger Favorit ins heutige Spiel. Die Ottostädter unterlagen bisher nur den Füchsen Berlin und am letzten Spieltag dem verlustpunktfreien Spitzenreiter SG Flensburg Handewitt ganz knapp mit 26:25. „Klar, dass das Team von Bennet Wiegert besonders motiviert in der Porsche-Arena auflaufen wird“, prophezeit TVB-Trainer Jürgen Schweikardt. Aber er weiß natürlich auch, dass es bisher für die Otto-Städter immer sehr schwierig war, in der Schwabenmetropole zu gewinnen. „Es waren immer ganz enge Spiele“, erinnert sich Schweikardt. Seine Mannschaft muss eine ähnlich starke Leistung abrufen wie zuletzt gegen Hannover, muss erneut an ihre Grenzen gehen, will sie einem ganz starken SC Magdeburg Paroli bieten. Es sind auch wieder die Zuschauer in der Porsche-Arena gefordert, das Team besonders lautstark und engagiert zu unterstützen. „So wie immer eben“, bedankt sich der Coach beim zuverlässigen und sehr engagierten Publikum.

Nun kommt mit dem SC Magdeburg alles andere als Laufkundschaft in die Porsche-Arena..Der Tabellenzweite gewann unter anderem in Melsungen, das Ostderby gegen Leipzig, gegen den THW Kiel, gegen Minden und zuletzt gegen die TSV Hannover Burgdorf. In der Partie gegen „Dankersen“ warfen die Elbestädter 40 Tore und im Spiel gegen das Team aus Niedersachsens Landeshauptstadt siegten die Magdeburger mit 34:23. „Daran wird ersichtlich, auf welches Kaliber wir treffen“, warnt TVB-Coach Schweikardt.

Schon in der jüngeren Vergangenheit waren die Otto-Städter recht erfolgreich. 2002 gewannen die Magdeburger als erstes deutsches Team die Champions League. 2016 holten sie DHB-Pokal. Damals wurde besonders deutlich, auf welche Tradition der Magdeburger Handball zurückblicken kann. Insgesamt 30 Titel gewann das Team von der Elbe bisher im Männerbereich. Unvergessen sind auch die wahren Handballschlachten im Europapokal gegen den VfL Gummersbach oder den TV Großwallstadt. Diese deutsch-deutschen Duelle waren immer das Salz in der Suppe des Europapokals. Im letzten Jahr erreichten die Ottostädter das Final Four des EHF-Pokals.

Mit ihrer jetzigen Mannschaft werden sich die Magdeburger auf jeden Fall wieder für einen internationalen Wettbewerb qualifizieren. Mit Ignazio Plaza Jiménez und Albin Lagergren haben sich die Magdeburger vor dieser Saison zwei internationale Stars geholt. Aber auch von ihrer guten Jugendarbeit profitieren die Elbe-Städter. Allein in diesem Jahrtausend gewann die A-Jugend des Vereins fünfmal die deutsche Meisterschaft. Zurzeit haben den Magdeburgern hier aber die Füchse Berlin etwas den Rang abgelaufen.

Ihr Joachim Gröser 

Trainer Interview

Herr Wiegert, aktuell steht Ihre Mannschaft auf dem zweiten Tabellenplatz und hat das beste Torverhältnis der Liga. Wie nahe am Optimum spielt Ihr Team im ersten Drittel dieser Saison?

Das ist schwierig einzuschätzen. Ich finde, dass wir sehr gut in die Saison gestartet sind, was nicht unbedingt zu erwarten war. Mit dem Auswärtsspiel in Melsungen und dem Heimspiel gegen Kiel hatten wir zwei schwierige Aufgaben zu bewältigen. Diese beiden Siege haben uns für die Saison Sicherheit gegeben. Ich glaube trotzdem, dass wir uns im Laufe der Saison noch steigern können. Dies ist jedoch davon abhängig, wie gesund, wie fleißig und wie fokussiert wir bleiben.

In welchem Mannschaftsteil sehen Sie für den Saisonverlauf noch das größte Verbesserungspotential bei Ihrer Mannschaft, an dem Sie arbeiten möchten?

Grundsätzlich ist es gut, dass wir uns in allen Mannschaftsteilen verbessern können. Den größten Fokus sollten wir meiner Meinung nach auf die Variabilität legen. Wir haben unsere Stärken in einem bestimmten System, was kein Geheimnis ist. Ich möchte dieses System nun Schritt für Schritt immer mehr erweitern. Dies gilt sowohl für die Variabilität im Angriff als auch für die Variabilität in der Abwehr.

Der SC Magdeburg stellt den stärksten Angriff der Liga. Als einziges Team hat Ihre Mannschaft im Schnitt mehr als 30 Tore erzielt. Was sagt dies über Ihre Handballphilosophie aus?

Das Stichwort in diesem Zusammenhang heißt Tempospiel. Von den Teams, die oben stehen, haben wir nämlich nicht nur die meisten Tore sondern auch die meisten Gegentore. Dies ist ein Resultat des Tempospiels. Wir haben dadurch mehr Angriffe, wobei sich eben auch mehr Gegenangriffe ergeben, was insgesamt zu mehr Toren führt. Tempospiel trifft es jedoch auf den Punkt. Wir haben die Philosophie, dass wir aus einer starken Abwehr plus gutem Torhüter ins Tempospiel kommen. Dies alleine ist natürlich nicht ausreichend, es hat jedoch zu Saisonbeginn bisher sehr gut geklappt.

Wie sehen die Saisonziele für den SC Magdeburg nach diesem starken Saisonstart aus?

Ich habe das Gefühl, dass diese Ziele mit diesem euphorischen Start gestiegen sind. Dagegen möchte ich mich auch nicht wehren, da ich nicht der Typ bin, der auf die Euphoriebremse tritt. Schließlich haben wir uns dies erarbeitet. Es könnten sich noch ein oder zwei Teams zusätzlich oben einmischen, glaube ich. Ansonsten denke ich, dass wir von den vorderen Teams in der Breite den kleinsten Kader haben. Dies muss am Ende nicht den Unterschied machen, kann aber natürlich sein. Dies hängt immer davon ab, wie gesund unser Kader bleibt. Entsprechend dem Ausgang dieser Unwägbarkeiten traue ich uns aber schon einiges zu. Und gleichzeitig haben wir vollsten Respekt vor den Mannschaften an der Spitze und Ihrer Qualität.

Den Wild Boys sind nach einer eher schwächeren Phase zuletzt zwei Siege gegen Hannover und Berlin gelungen. Davor konnten Spiele gegen den BHC und die Eulen Ludwigshafen zu Hause nicht gewonnen werden. Wo ordnen Sie die Mannschaft von Jürgen Schweikardt in der Liga ein?

Ich finde, dass Stuttgart bisher eine gute Saison spielt. Diese hat ja mit dem Ausrufezeichen in Leipzig bereits stark begonnen. In der Folge hatte das Team Selbstvertrauen. Ich sehe eine gute Entwicklung und finde, dass der Kader breiter aufgestellt ist, als in den vergangenen Jahren. Es liegt nicht mehr die alleinige Last auf Mimi Kraus. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel Loben, jedoch beindruckt mich die Arbeit, die dort gemacht wird und davor habe ich Respekt.

Welche Stärken der Wild Boys muss Ihr Team stoppen, um in der Porsche Arena als Sieger vom Platz zu gehen?

Ich finde, dass sich die Mannschaft vor allem im Tempospiel gut entwickelt hat. Es ist ein starker Drang nach vorne zu beobachten, was ähnlich zu unserem System ist. Ich denke nicht, dass sich das neutralisiert und es wird interessant sein, welche Mannschaft bei diesem hohen Tempo weniger Fehler macht. Für Stuttgart hängt dies natürlich auch an den Paraden von Jogi Bitter und wie er dies einleiten kann. Trotzdem denke ich, dass wir das Tempospiel der Stuttgarter in den Griff bekommen müssen.

In den beiden letzten Saisons lauteten die Ergebnisse in Stuttgart zweimal 31:32 Tore – extrem enge Spiele, in denen der SCM jeweils als Sieger vom Platz ging. Was sind Ihre Erinnerungen an diese Spiele und wie sieht Ihr Tipp für das kommende Aufeinandertreffen aus?

Die Erinnerungen an beide Spiele sind bei mir sehr präsent. Wir sind mit Sicherheit zumindest in einem der Spiele nicht unbedingt der verdiente Sieger gewesen und hätten uns über Punktverluste nicht beklagen dürfen. Deshalb rechne ich auch in diesem Spiel wieder mit einem engen und spannenden Ausgang.

Spielbericht

Der Traum des TVB endet schon nach 15 Minuten

Nach zwei Siegen in Folge sind die Erstliga-Handballer des TVB 1898 Stuttgart hart gelandet: Vor 5840 Fans in der Porsche-Arena unterlag der TVB dem SC Magdeburg nach desolaten ersten 30 Minuten mit 27:40 (9:23). Im zweiten Spielabschnitt steigerte sich das Schweikardt-Team und verhinderte ein Debakel gegen den Tabellenzweiten.

Die zuletzt starken Leistungen gegen Hannover und in Berlin hatten Hoffnung gemacht, dass der TVB auch dem Titelkandidaten zumindest ein bisschen auf die Füße treten könnte. Davon indes war der Tabellenzehnte am Donnerstagabend ziemlich weit entfernt. Nach einer Viertelstunde stand der Sieger beim 4:12 im Grunde fest.

Nach dem schnellen 1:3-Rückstand glich der TVB zum 3:3 (4.) aus. In den folgenden elf Minuten jedoch stand das Heimteam komplett neben sich. Die Angriffe wurden schlampig vorgetragen, die Anspiele an den Kreis landeten regelmäßig beim Gegner, die Abschlüsse glichen eher Rückgaben oder landeten deutlich neben oder über dem Kasten der Gäste. Wenn sich die Gelegenheiten zur schnellen Mitte oder zum Kontern ergaben, nutzten das die Magdeburger. Ansonsten bauten sie ihre Angriffe mit Bedacht auf und fanden gegen die vor allem im Mittelblock löchrige Stuttgarter Deckung stets einen freien Mann.

Der TVB-Trainer Jürgen Schweikardt brachte den siebten Feldspieler, doch seine Spieler bekamen keine Sicherheit – im Gegenteil: Zweimal versenkten die Gäste den Ball im leeren TVB-Gehäuse. Auch die Auszeit beim 5:15 nach 20 Minuten verpuffte. Egal, welches Personal der Trainer aufs Feld schickte: Es klappte nichts. Die Fehlerquote blieb immens hoch, die abschlusssicheren Magdeburger hatten leichtes Spiel gegen ihren unkonzentrierten Gegner. Auch der nach 20 Minuten für Jogi Bitter eingewechselte Jonas Maier stand klar im Schatten des starken Gegenübers Jannick Green.

Der TVB schlitterte geradewegs in ein Debakel. Nach 16 Fehlwürfen und zwölf technischen Fehlern stand die Quittung nach 30 ernüchternden Minuten auf dem Anzeigenwürfel – 9:23.

Im zweiten Spielabschnitt ging’s in diesem Stil zunächst weiter. Nach 37 Minuten lagen beim 11:29 stattliche 18 Tore zwischen den beiden Teams. Schlimmer indes wurde es nimmer. Erstens, weil die Magdeburger natürlich nicht mehr mit finaler Konsequenz agierten. Zweitens aber auch, weil die TVB-Spieler ihr Herz in beide Hände nahmen und sich gegen das Desaster stemmten. In der Deckung packten sie endlich energischer zu, Maier bekam den einen oder anderen Ball zu fassen. Und vorne schloss der TVB beherzter ab. Michael Kraus, der im ersten Spielabschnitt noch unglücklich agiert hatte, näherte sich seiner Form der jüngsten beiden Spiele und war am Ende mit neun Treffern wieder der erfolgreichste Werfer.

Nach und nach kämpfte sich der TVB heran. Sieben Minuten vor dem Ende war der 18-Tore-Rückstand auf zehn Treffer reduziert, Simon Baumgarten sorgte beim 27:36 (56.) für das erträgliche einstellige Resultat. Dabei blieb’s zwar nicht, weil die Stuttgarter in der Schlussphase vier Tore in Folge kassierten zum 27:40-Endstand.

Tröstlich aber ist, dass der TVB die zweiten 30 Minuten mit einem Tor gewann, Moral bewies und die Fans einigermaßen versöhnte. Zwei Wochen hat der TVB nun Zeit, sich zu sammeln vor der Partie beim TBV Lemgo. Der hat zwar bei weitem nicht die Klasse der Magdeburger. Geschenke, wie sie der TVB am Donnerstag verteilte, dürfte er aber sicherlich gerne annehmen.

TVB 1898 Stuttgart: Bitter, Maier; Häfner, Weiß (3), Schagen (2/2), Schweikardt (1), Späth (1), Kraus (9/1), Markotic, Baumgarten (2), Röthlisberger, von Deschwanden (3), Burmeister, Pfattheicher (3), Schmidt (3).

SC Magdeburg: Green, Quenstedt; Musa (6), Chrapkowski (2), Musche (7/3), Kluge (1), Pettersson (7), De la Pena, Jimenez (4), Molina (2), Christiansen, Lagergren (6), O’Sullivan (1), Bezjak (2), Weber (1), Damgaard (1).

Die letzten Spiele

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83:93 erzielte Feldtore

48%

0:3 Siege für den TVB

0%
31:32
34:26
27:26
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